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Rheinberg: Schüler gehen bald auf Spurensuche

Erinnerungen an B17-Bomber-Absturz : Schüler gehen bald auf Spurensuche

Der Absturz des US-Bombers „Hard to get“ vor 75 Jahren in Budberg wirkt nach. Er wird Teil einer Ausstellung sein, die im Herbst nächsten Jahres im Stadthaus gezeigt wird. Vorbereitet werden soll sie auch im Geschichtsunterricht.

Doug Rapp hat 32 Jahre in der US-Army gedient, war unter anderem im Irak-Krieg, hat viel gesehen und viel erlebt. „Deshalb kann ich nachempfinden, was mein Großvater getan hat“, sagt der Amerikaner aus Indianapolis. Dieser Großvater war Charles Rapp, Co-Pilot des US-B17-Bombers „Hard to get“, der am 26. August 1944 beim Luftangriff von deutschem Flak-Feuer erwischt wurde und über Budberg abstürzte. Charles Rapp war damals 27 Jahre alt und der älteste der Crew. Deshalb opferte er sein Leben für seine Kameraden, versuchte, die trudelnde Maschine so lange wie möglich auf Kurs zu halten, damit die anderen abspringen konnten. Die B17 zerschellte am Boden, Rapp starb.

Ein Ereignis, dass das Leben der Familie Rapp und auch die Leben der anderen beteiligten Familien auf lange Sicht und in vielerlei Weise beeinflusste. „Mein Vater hat die Geschichten der ,Hard to get’ recherchiert, nach seinem Tod habe ich die Arbeit weitergeführt“, so Doug Rapp, der in den vergangenen zwei Jahren zusammen mit der Historikerin Susanne Meinl mehrfach Rheinberg besucht hat und auch jetzt wieder erfolgreich auf Spurensuche gegangen ist. Rapp will ein Buch über die Vorgänge schreiben. Dass er jetzt wieder hier ist, hat mit dem Datum zu tun: Am Montagabend jährte sich der Absturz zum 75. Mal.

Erstaunlich ist, was Meinl und er alles herausfinden konnten. Mit Hermann Ettwig aus Vierbaum und Theo Schepers aus Budberg meldeten sich Zeitzeugen, die wichtige Hinweise etwa auf die genaue Absturzstelle nahe der Kreuzung Rheinberger Straße/Rüttgersteg in Budberg geben konnten. Im vergangenen Jahr brachte Rapp erstmals Nachfahren und Angehörige von sechs Crew-Mitgliedern zusammen; sie besuchten Rheinberg und auch Groß-Gerau. Dort sind 1944 zwei Crew-Mitglieder auf offener Straße gelyncht worden. Eine Ausstellung erinnerte an die schrecklichen Ereignisse. Diese Ausstellung wird im nächsten Jahr auch in Rheinberg zu sehen sein – aller Voraussicht nach vom 28. September bis zum 12. November, auf jeden Fall im Stadthaus. Bürgermeister Frank Tatzel hat dem Rat vor den Sommerferien von dem Vorhaben berichtet und angekündigt, Geld für eine Erweiterung zur Verfügung zu stellen. Denn in der Ausstellung sollen die lokalen Rheinberger Aspekte der Geschichte eine große Rolle spielen.

„Wir sind begeistert von dem Thema“, sagte Tatzel am Mittwoch im Stadthaus. „Und deshalb unterstützen wir die Ausstellung auf jeden Fall.“ Info-Material, das Susanne Meinl zusammengestellt hat, ist bereits an das Amplonius-Gymnasium und die Europaschule gegangen. Denn die beiden weiterführenden Schulen in Rheinberg sollen in das Projekt eingebunden werden. Das Interesse der Schulen ist groß. Die Geschichtslehrer Norbert Giesen und Thomas Ververs von der Europaschule sowie Katharina Schivon und Stefanie Breit vom Gymnasium werden nun überlegen, wie sie die Recherchearbeit in die Lehrpläne des neuen Schuljahres einbauen.

Helga Karl als Fachbereichsleiterin Schule, Sport, Kultur, Stadtarchivleiterin Sabine Sweetsir und die im Stadthaus für Ausstellungen zuständige Jeanette Haas sagten ihre Unterstützung zu. „Bei uns steht der Zweite Weltkrieg und die Frage der Schuld ohnehin auf dem Lehrplan für den Geschichtsunterricht in der Oberstufe“, sagte Lehrer Thomas Ververs. Auch die Europaschüler aus der Jahrgangsstufe 13 (Q 2), Neele Dietz und Jan Willem Haasler, fanden die Vorstellung, sich auf Spurensuche zu begeben, spannend.

Doug Rapp war begeistert, dass es so viel Zustimmung gibt. Er schlug spontan vor, ein Projekt aus eigener Tasche zu sponsern, damit Schüler sich auf die Suche nach Zeitzeugen des Bomberabsturzes vor 75 Jahren begeben können.