Rheinberg: Schokofahrt von Amsterdam an den Niederrhein mit Glamfaktor

Radtour für fairen Handel : Schokofahrt mit Glamfaktor

Um die fair gehandelte Schokolade sicher von Amsterdam an den Niederrhein zu transportieren, nutzen die Radler glitzernde Rettungsdecken zum Schutz vor der Hitze.

Jens Harnack hat die Nase noch nicht voll von Schokolade. Dabei hat ihm die braune Süßigkeit das Leben nicht gerade leicht gemacht. Schuld war ausgerechnet das schöne Osterwetter. „Es war ein bisschen zu schön“, sagt Harnack. Gemeinsam mit vier Rheinberger Mitstreitern hatte sich der Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit bei im Stadthaus am Gründonnerstag auf den Weg gemacht, um fair gehandelte Bio-Schokolade von einer kleinen Manufaktur bei Amsterdam an den Niederrhein zu bringen. Nicht mit dem Kühltransporter, sondern mit dem Lastenrad. 480 Kilometer an fünf Tagen hat Harnack dabei zurückgelegt.

Die Schokofahrt hat mittlerweile Tradition. Zum diesjährigen Osterfest haben 140 Radler rund 1,6 Tonnen des gefragten Kakao-Produkts nach Deutschland transportiert. Bundesweit sind die Tafeln nun in 60 bis 70 Geschäften erhältlich. Auch in Rheinberg und Umgebung. 520 Tafeln – das sind rund 47 Kilogramm – hat das Rheinberger Schokoteam unter erschwerten Bedingungen an die hiesigen Verkaufsstellen geliefert.

Bei 25 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein war guter Rat teuer, um die kostbare Ware unbeschadet an den Niederrhein zu bringen. „Wir haben Rettungsdecken aus dem Erste-Hilfe-Kasten genutzt, um die Fracht vor der Hitze zu schützen“, berichtet Harnack. Er weiß: Eine dieser dünnen Metallfolien reicht als Abdeckung für drei Lastenräder. Kühl-Akkus wurden nicht eingesetzt. Aber: Pausen und Stopps wurden natürlich ausschließlich im Schatten eingelegt. „Unsere Nasen und Nacken waren verbrannt“, erzählt Schokoradler Harnack, aber dafür sei die leckere Schokolade heil an den Bestimmungsorten angekommen und nicht unterwegs dahingeschmolzen.

Positiver Aspekt der diesjährigen Aktion: „Als wir im Pulk von 30 bis 40 Lastenrädern aus Amsterdam herausfuhren, hat das schon für Aufmerksamkeit gesorgt“, erzählt Harnack. Selbst bei den Niederländern, die den Anblick von noch so ungewöhnlichen Zweirädern durchaus gewohnt sind. So hat die Glitterfolie der Schokofahrt einen gewissen „Glamfaktor“ verliehen und verstärkt das Interesse geweckt. „Wir haben unterwegs viele gute Gespräche geführt“, sagt Harnack.

Die Schokofahrt ist für ihn eine gutes Beispiel dafür, wie man mit ungewöhnlichen Aktionen die sprichwörtlichen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Zum einen werde das Lastenrad als emissionsfreies und umweltfreundliches Transportmittel in den Mittelpunkt gerückt, zum anderen trage in diesem Fall die in einem kleinen Betrieb gefertigte Bio-Schokolade dazu bei, die Haltung zum Massenkonsum zu ändern. „Wir werden nicht die großen Discounter beliefern, aber wir können dazu beitragen, dass gute Lebensmittel und die geleistete Arbeit wieder wertgeschätzt werden“, so der Verwaltungsangestellte. Eine Haltung, die auch immer mehr junge Menschen vertreten: Die Hälfte der Schokofahrer sei jünger als 35 Jahre gewesen, sagt Harnack.

Nun möchte er auch verstärkt die Werbetrommel für den Einsatz der demnächst vier Lastenräder in Rheinberg rühren. Dazu sollen im Sommer zwei Fahrradtrainings speziell für Migrantinnen angeboten werden, einen Reparaturkurs gibt es auch. Ein Lastenrad könne dann dauerhaft zur Ausleihe am Melkweg stehen, für die anderen Räder wünscht sich Harnack Ausleihstationen in den Ortsteilen. „Wer räumlichen Möglichkeit dafür bieten kann, kann sich gerne bei mir melden“, sagt Harnack.

(nmb)
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