Rheinberg: Schöne Orgelklänge von der iberischen Halbinsel

Rheinberger Abendmusik: Orgelklänge von der iberischen Halbinsel

Was das Faszinierende der Orgelmusik der iberischen Halbinsel ausmacht – bei dieser Frage geriet Johannes Krutmann nach einem Konzert in der St.-Peter-Kirche förmlich ins Schwärmen. „Ich glaube, es ist das Tänzerische, das Temperament.

Und wenn man oft in Spanien ist, findet man einen starken Kontrast zwischen überschwänglichem Temperament und das In-Sich-Gekehrte, das Mystische“, meinte der langjährige Kirchenmusiker an der Hammer Liebfrauenkirche, der an diesem Abend in der Kirche die „Flore de Musica“ entfalten durfte. „Das ist eine Musik, die lange Zeit von Europa abgetrennt war. Das hört man: Sie hat etwas Ursprüngliches, Folkloristisches und Individuelles. Das mag ich.“ Was Krutmann beschrieb, hatte er in der Stunde zuvor wunderbar an dem Instrument herausgearbeitet. Die zehn Kompositionen prägten im Wesentlichen eine spürbare Leichtigkeit und Andersartigkeit, die in den diversen Melodien und Variationen zum Ausdruck kam.

Zum Auftakt intonierte er mit „Danza alta, La Spagna“ von Francisco de la Torre einen höfischen Tanz. Danach bot er „Obra de primer tono“ des spanischen Komponisten und Organisten Sebastian Aguilera de Heredia – eine gregorianisch geprägte, getragene Melodie, die sich entfaltete und am Ende euphorische Züge erhielt.

Kennzeichnend für Jusepe Ximinez’ „Batailla de sexto tono“ war die musikalische Beschreibung einer Schlacht mit Fanfaren, wo man Menschen bildlich „weglaufen“ hört, die Töne wieder „sammeln“ und übereinanderstürzen wie ein Film, der vor Augen abläuft.

Francisco Correa de Arauxos „Tiento a modo de cancion Nr. 16 a-Moll“ zeigte die tiefe, mystische Seite eines sehr in sich gekehrten, ausdrucksvollen musikalischen Nachsinnens. Wieder volle, fanfarisch-bewegliche Register und fließende Melodieelemente hatte Antonio Correa Bragas „Batalha de sesto tom“ zu bieten, Pablo Brunas „Tiento de segundo tono sobre la Letania de la Virgen“ Variationen über eine Marienlitanei.

Tänzerisch, einen Strauß Klänge öffnend und fast lebensbejahend-fröhlich für Kirchenmusik wirkte „Diferencias sobre la gayta“ des Spaniers Anonimo aus „Flores de Musica“ von Antonio Martin y Coll.

Gesetzter, aber mit dem fließenden Duktus ausgestattet interpretierte Johannes Krutmann Domenico Scarlattis „Sonate e-moll“ (Andante), tänzerisch die „Sonate E-Dur. Mit Guy Bovets fast flamencoartigem „Salamanca“-Volksliedvariationen und dem furiosen Finale der „Toccata“-Cadenza von Antoni Martoreli i Mirales endete ein faszinierender Musikabend mit Klängen, die man so in Westeuropa selten hört.

(aflo)
Mehr von RP ONLINE