Rheinberg: Rückenwind für die Regionalbahn

Besuch des Bundestagsabgeordneten : Grüne: Die Bahn muss besser werden

Ortsverbände der Partei überreichten Bundestagsmitglied Oliver Krischer mehr als 1300 Unterschriften – sie fordern einen Ausbau der RB 31-Strecke.

Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter der Grünen, kam mit dem Auto zum Rheinberger Bahnhof, wo er von zahlreichen Parteifreunden aus den Ortsverbänden Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten empfangen wurde. Krischer kam 20 Minuten zu spät. Zu viel Verkehr. Der Zug der Regionalbahn auf der Strecke Xanten – Duisburg hatte ebenfalls Verspätung. Sechs Minuten. Was andere Gründe hatte. Später beim Meinungsaustausch im Café Sahnehäubchen sagte der Politiker: „Ich komme jetzt aus dem Bergischen Land zu euch und wäre gerne mit dem Zug gefahren. Aber das ist praktisch unmöglich.“

Womit wir mitten im Thema wären. Denn die Grünen hatten Krischer eingeladen, um ihm 1314 Unterschriften zu überreichen, die sie in den vergangenen Monaten zur desolaten Situation der Regionalbahn 31 gesammelt hatten. Zu wenig Lokführer auf der Strecke, häufige Betriebsstörungen, nur eine doppelgleisige Stelle, auf der sich entgegenkommende Züge ausweichen können, sieben unbeschrankte Bahnübergänge und kein Stellwerk zwischen Millingen und Xanten – das seien die Hauptgründe dafür, dass es auf der Strecke immer wieder zu Problemen komme, erläuterte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion, Lukas Aster aus Sonsbeck. „An der Strecke leben 260.000 Menschen. Es ist eine Unverfrorenheit, wie die Deutsche Bahn uns abspeist und nicht einmal die kleinsten Zugeständnisse macht.“ Deshalb seien die Betroffenen am Niederrhein dringend auf die Hilfe von Bund und Land angewiesen. Asters Fazit: „Wir sind weit weg von der Verkehrswende.“ Dagmar Krause-Bartsch, Sprecherin des Rheinberger Grünen-Ortsverbands, sagte, dass sich mit Krischers Besuch auch Erwartungen an die Bundespolitik verbänden. „Oliver, was kannst du für uns tun?“ fragte sie

Der Mann aus dem Bundestag erzählte zunächst, dass er am Rheinberger Bahnhof ein Foto eines mechanischen Signals geschossen habe. „Ich wusste gar nicht, dass so etwas in Deutschland noch im Einsatz ist.“ Was die seiner Ansicht nach dringend erforderliche Verkehrswende angeht, so fragte er sich, warum manche Dinge in Deutschland nicht so funktionierten wie in anderen Ländern. In der Schweiz oder in den Niederlanden seien Zugverbindungen weitaus besser ausgebaut. Und selbst in Großbritannien werde mehr in die Infrastruktur investiert. Zwar stecke der Bund pro Jahr acht Milliarden Euro in Regionalisierungsmittel, doch habe sich dieser Wert seit 20 Jahren kaum erhöht. Seine Überzeugung: „Die Subventionen in die Autoindustrie müssen weg, sie müssen stattdessen in den Nahverkehr fließen.“ Zudem dürfe es für Dieselkraftstoff keine Vergünstigungen mehr geben, auch die Steuervergünstigung für Dienstwagen solle gestrichen werden. „Wir wollen eine Mobilitätsgarantie“, forderte Krischer. „So wie es andere Länder schon haben.“

Bei einer niederrheinischen Kaffeetafel diskutierte Krischer nach seinem Vortrag noch mit seinen Parteifreunden, die viele Fragen hatten und darauf hoffen, dass die Verkehrswende kommt.

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