Neuer Kalender für 2023 Fotografisch durchs Baumwunderjahr

Niederrhein · RP-Fotograf Armin Fischer hat seinen neuen Kalender wieder monothematisch angelegt und ausschließlich Bäume abgelichtet. Kahle, blühende, tote, gebrochene, Bäume im Wald, Bäume im Nebel und manche im prallen Sonnenlicht. 

Der Fürstenberg im Nebel, schaurig-schön in Szene gesetzt. 

Der Fürstenberg im Nebel, schaurig-schön in Szene gesetzt. 

Foto: Armin Fischer (arfi)

Irgendwie sind Bäume in der Pflanzenwelt das, was Elefanten in der Tierwelt sind. Meist groß, oft ehrfurchteinflößend und mit vielen positiven Attributen besetzt. Sie spenden Sauerstoff und Schatten, trotzen Wind und Wetter, können aber auch gefährlich werden, wenn ein Sturm zu stark wird, Äste abknicken oder der ganze Baum entwurzelt wird. Bäume sind Wunderwerke der Natur, keiner ist wie der andere, Form und Farbe sind vielfältig. Man könnte sagen: Bäume sind Leben. 

Der Fotograf Armin Fischer spricht von einem „Baumwunder“ und fragt: „Was ist nötig auf diesem Erdball? Eigentlich nur sehr wenig. Feuer, Wasser, Luft, Erde. Und Bäume.“ Seinen Kalender für 2023 hat Armin Fischer den Bäumen gewidmet. Es ist also wieder ein thematisch geschlossener Kalender geworden. Wieder gibt es neben einem Deckblatt zwölf wunderbare Fotografien, farbige und schwarz-weiße, für jeden Monat eine. Gestaltet hat diesen Kalender Klaus Vogel vom Rheinberger Studio Vosign.

Ein abgeknickter Baum in der Eifel. Vergänglichkeit gehört zum Spiel der Natur dazu. Eines der wenigen Fotos, die nicht am Niederrhein entstanden sind.

Ein abgeknickter Baum in der Eifel. Vergänglichkeit gehört zum Spiel der Natur dazu. Eines der wenigen Fotos, die nicht am Niederrhein entstanden sind.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben, dem Förster der Nation, habe ihn endgültig zu einem wertschätzenden Fan der Riesenpflanzen gemacht, räumt Fischer ein. Ein Buch, das Pflichtlektüre in den Schulen werden sollte, findet er. Seine Lieblingsbäume sind die, die leckere Früchte abwerfen: Äpfel, Walnüsse oder Birnen für Kuchen, Säfte oder Schnaps.

 Junge Bäume behaupten sich neben englischen Soldatengräbern wie das Leben über den Tod.

Junge Bäume behaupten sich neben englischen Soldatengräbern wie das Leben über den Tod.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Wie man es von unserem RP-Kollegen Armin Fischer kennt, hat er seine Motive wieder in der Region gesucht und gefunden. Oftmals dort, wo er auch für die Tageszeitung mit Auto oder Motorrad unterwegs ist, um alles das einzufangen, was so passiert in der liebenswürdigen niederrheinischen Provinz. Das alltägliche Leben zwischen Marienbaum und Orsoy, zwischen Menzelen-Ost und Hamb.

 Sommer und Lebensfreude pur: strahlende Farben, ein Baum wie ein Monument.

Sommer und Lebensfreude pur: strahlende Farben, ein Baum wie ein Monument.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Der Xantener Dom wirkt ausnahmsweise klein und fast unscheinbar beim Blick durch schneebedeckte Äste. Mystisch ist die Anmutung eines Waldweges im Nebel. Diffus das Licht, bedrückend die Atmosphäre. Will man sich gerade mit dieser konservierten Stimmungsdepression abfinden, weckt der April auch schon die Lebensgeister. Der Baum steht in voller Blüte, das Licht scheint hell, man möchte die Lebensfreude nur so herausschreien. Gut ist Fischer auch das Juni-Motiv gelungen. Es zeigt einen sommerlichen Solitärbaum am Rande eines Feldes in knallgelber Blüte unter strahlend blauem Himmel. Was für eine Pracht!

Armin Fischer wäre nicht Armin Fischer, würde er nicht auch die Gegensätze zelebrieren. Den toten, blattlosen Baum. Den Storch, der sich dort niedergelassen hat, entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Und auch das gebrochene Holz eines umgestürzten Baumes gehört zum Spiel der Natur dazu. Vergänglichkeit in künstlerischer Aufarbeitung. Wie mit Photoshop nachbearbeitet, mutet der mit vollgrünem Moos bewachsene Baumstamm an – da wirkt Natur fast künstlich. Und wenn sich neben den im Nebel stehenden Soldatengräbern auf dem englischen Friedhof zwischen Rheinberg und Kamp-Lintfort einzelne junge Bäumchen behaupten, tut das gut: Das Leben erhebt sich über den Tod.

Und so blättert man sich begeistert und bewundernd durch ein kalendarisches Baumjahr voller Überraschungen und Assoziationen. Ein baumstarker Kalender.

(up)
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