Rheinberg: Ranger wachen im Orsoyer Rheinbogen

Kooperation im Naturschutz : Ranger wachen im Orsoyer Rheinbogen über die Natur

Regionalverband Ruhr (RVR) und Kreis Wesel arbeiten im Naturschutz zusammen. Der Einsatz der Naturhüter ist ein Pilotprojekt.

Sie sehen aus, wie man sich Ranger in einem amerikanischen Nationalpark vorstellt: mit weitkrempigen Hüten, Wanderschuhen, Hemden und kurzen Hosen, die an das Outfit von Pfadfindern erinnern. Dazu sind sie mit E-Mountainbikes ausgestattet, um besser im Gelände patroullieren zu können. Andreas Majdaniuk (61) und Jürgen Grewer (58) sind zwei von sechs Rangern – Schutzgebietsbetreuern – des Regionalverbands Ruhr (RVR) mit Hauptquartier auf Hof Punsmann in Lembeck bei Dorsten. Sie schauen jetzt unter anderem im Orsoyer Rheinbogen, dass alles nach Plan läuft, suchen das Gespräch mit Menschen in geschützten Gebieten, dürfen ermahnen und bei Vergehen Strafgelder zwischen zehn und 55 Euro kassieren – alles im Auftrag des Kreises Wesel.

Die auf einem Kreistagsbeschluss vom 4. April beruhende Kooperation zwischen RVR und Kreis Wesel ist eine Premiere: Erstmals stellt der RVR-Eigenbetrieb Ruhr Grün zwei Forstwirte mit der Zusatzausbildung Natur- und Landschaftspfleger für zwei Jahre auf den Flächen eines Mitgliedskreises zur Verfügung. In diesem Jahr von Mitte Juli bis Ende August, im nächsten Jahr von Mitte April bis Mitte Juli, danach will man überlegen, wie es weitergeht. Bis jetzt sei die Resonanz durchweg positiv, versichern alle am Pilotprojekt Beteiligten.

Wälder oder Naturschutzgebiete wie der Orsoyer Rheinbogen sind sensible, für die Pflanzen- und Tierwelt bedeutende Räume. Aber sie werden eben auch von Mountainbikefahrern, Läufern, Spaziergängern, Anglern genutzt – und dann komme es insbesondere in der Brutzeit schnell zu Konflikten, wie Landrat Ansgar Müller sagt. „Manche Leute grillen, manche Hundebesitzer halten sich nicht an die Anleinpflicht, andere verlassen die vorgeschriebenen Wege oder es wird ohne Schein geangelt“, so Müller. „Das passiert meist nicht aus bösem Willen, sondern aus Unwissenheit.“ Um das zu ändern, sind nun die Ranger – stets zu zweit – unterwegs. Immer nach der Devise: „Nur wer die Natur kennt, lernt sie zu schützen.“

„Wir sprechen die Menschen gezielt an und erklären ihnen, was wir tun und was man im Naturschutzgebiet nicht tun darf“, sagt Jürgen Grewer. Er und sein Kollege wollen über die Einsicht und nicht über Verbote zum Erfolg kommen. Anfangs sei das schwierig gewesen, weil die Menschen es nicht gewohnt waren, belehrt zu werden. In aller Regel zeigen sich die Betroffenen einsichtig. Auch Landwirte und Schäfer.

Aber es kann auch zu ernsten Auseinandersetzungen kommen. „Deshalb sind die Ranger nicht nur Forstwirte und staatlich geprüfte Natur- und Landschaftspfleger, sondern sind auch in Psychologie und Selbstverteidigung geschult“, betont Thomas Kämmerling als Betriebsleiter RVR Ruhr Grün. „Bevor die Situation eskaliert, ziehen wir uns zurück und rufen die Polizei“, so Ranger Andreas Majdaniuk, der auch Polnisch und Russisch spricht. Erst zweimal mussten die Naturhüter, die zwei- bis dreimal pro Woche im Rheinbogen anzutreffen sind, Knöllchen verhängen.

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