Rheinberg: Planungsauftrag zur Deichsanierung zwischen Baerl und Orsoy vergeben

Hochwasserschutz : Die Operation Deichsanierung läuft an

Der Planungsauftrag zur Ertüchtigung des 4,6 Kilometer langen Deichabschnittes zwischen Baerl und Niag-Hafen Orsoy ist vergeben. Deichgräf Viktor Paßen kündigt größtmögliche Transparenz an. Baustart soll in vier Jahren sein.

Dass der Deich zwischen Orsoy und Baerl grundlegend ertüchtigt werden muss, damit zigtausend Menschen und ihre Häuser und Fabriken westlich dahinter auch vor einem extremen Rheinhochwasser, das statistisch alle 500 Jahre mal auftritt, schützt, steht fest. Das haben Gutachter zweifelsfrei diagnostiziert. Ende des vorigen Jahres hat der fusionierte Deichverband Duisburg-Xanten den Planungsauftrag für das rund 20 Millionen Euro schwere Großprojekt erteilt. Der hochkomplexe Job ist an das Büro Björnsen in Koblenz gegangen.

Deichgräf Viktor Paßen sowie seine Stellvertreter Hubert Tölle und Erich Weisser haben am Freitag die Grundpfeiler der massiven Operation erläutert, die jetzt planerisch anläuft, aber frühestens Anfang 2023 konkret in Angriff genommen wird. Dazu ist der insgesamt 4,6 Kilometer lange Deichkörper, der wegen des Kohlebergbaus bis zu 15 Meter hoch werden muss, in vier Abschnitte unterteilt worden.

Der erste beginnt am Hochufer in Baerl, etwa an der „Blauen Kuhle“. Weiter geht es in Binsheim. Abschnitt zwei reicht bis zur südlichen Ortsgrenze von Orsoy. Der dritte Abschnitt, das Stadtgebiet Orsoy, ist ein Spezialfall. Die von so vielen hoch geschätzte Promenade und auch die Ortslage selber stellen Deichverband und Planer vor große Herausforderungen. Der Schlussabschnitt im Bereich Niag-Hafen stößt an bereits sanierten Deich.

In Kürze beginnen Vermesser und Kartierer. Die Bestandserhebung wird vermutlich gegen Ende des Jahres abgeschlossen sein. Danach erarbeiten die Planer unterschiedliche Sanierungsvarianten. Dabei werden Kosten, Bauzeit und die Auswirkungen für Mensch und Natur betrachtet. Deichgräf Paßen strebt größtmögliche Transparenz an: „Wir wollen frühzeitig Vereine, Verbände, Bürger informieren und mit ins Boot holen, um allseits akzeptierte Lösungen zu erreichen.“

Eins aber ist für den Deichgräfen nicht verhandelbar: „Oberste Priorität hat der Hochwasserschutz. Das ist unser gesetzlicher Auftrag. Alles andere ist nachrangig.“ Das heiße nicht, dass andere Aspekte wie ökologische oder touristische Belange nicht mit bedacht werden.

So soll die „einmalige Kulisse“ der mit zahlreichen Bäumen gesäumten Orsoyer Rheinpromenade mit dem denkmalgeschützten, allerdings mit Rissen durchzogenen Deichtor möglichst erhalten werden. Hier sucht der Deichverband mit der Stadt und anderen Behörden gemeinsam nach Lösungen, mit denen alle leben können. Dabei geht es auch um Geld. Die 80-Prozent-Förderung des Landes fließt ausschließlich für Hochwasserschutz. Das Idyll dürfe keine Schwachstelle im Hochwasserfall sein, die letztlich der „Katastrophe“ Tür und Tor öffne. Gewaltige Spundwände aus Stahl seien eine denkbare Variante, die Bäume nicht antasten zu müssen.

Weil die engen Gassen im Städtchen Orsoy Lkw-Kolonnen, die Erdmassen bewegen, nicht verkraften, soll der Materialtransport über den Rhein erfolgen. Der Deichverband sucht einen Umschlagplatz. Der Nato-Übergang am gegenüberliegenden Ufer in Walsum böte sich an.

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