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Rheinberg: Piekser schon für Kinder ab fünf Jahren

Impfaktion im Haus der Generationen in Rheinberg : Pikser schon für Kinder ab fünf Jahren

Die Covid-19-Impfoffensive, ein Zusammenschluss von Ärzten aus dem Ruhrgebiet, hat erstmals in Rheinberg Kinder unter zwölf Jahren gegen Corona geimpft. Die Ärzte erhielten teilweise Morddrohungen, erzählt ein Mediziner.

Bereits vor einer Woche gab es die Möglichkeit, sich im Haus der Generationen am Annaberg gegen das Covid-19 Virus impfen zu lassen. Ein Angebot, das von vielen Rheinbergern ab dem zwölften Lebensjahr angenommen wurde. Am vergangenen Wochenende durften sich dort erstmals Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren impfen lassen. Möglich gemacht hat das die Covid-19-Impfoffensive – ein Verbund von Ärztinnen, Ärzten und medizinischen Fachkräften aus dem Ruhrgebiet. Dass der behandelnde Arzt seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, macht eine inzwischen bedenkliche Entwicklung deutlich. „Eine Kollegin von mir, Kinderärztin, wurde mit dem Tod bedroht, falls sie Kinder impfen sollte. Sie beteiligt sich inzwischen nicht mehr an den Impfungen“, erklärt der Mann.

Aus Sicht des engagierten Mediziners sind jedoch Impfungen gerade in dieser Altersgruppe dringend notwendig: „Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt lediglich, Kinder mit Vorerkrankungen oder mit gefährdeten Personen im Haushalt zu impfen. Alle anderen sollten nur geimpft werden, wenn die Eltern das möchten. Dabei ist die Inzidenzquote unter den Fünf- bis Zwölfjährigen in Deutschland am höchsten.“ Gerade wer hochbetagte Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung hat, sollte nach Ansicht des Mediziners keinesfalls zögern: „Kinder haben meistens einen leichten Verlauf, für die Oma kann eine Ansteckung tödlich enden.“

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15 Kinder und Jugendliche haben sich am Samstag schon in den ersten beiden Stunden impfen lassen, die Impfoffensive rechnet pro Tag mit bis zu 50 Teilnehmer in dieser Altersgruppe. Tom (11) ist es zwar leid, sich ständig testen lassen zu müssen, hat aber auch ein großes Verantwortungsbewusstsein in seiner Altersklasse ausgemacht: „Meine Freunde haben sich alle impfen lassen, weil sie keinen anstecken wollen.“ Dass immer noch zu wenige so denken, liegt laut seiner Mutter auch an der mangelhaften Informationspolitik rund um die Impfkampagne: „Stiko und Politik sorgen für Verunsicherung. Dabei werden längst weltweit Kinder geimpft.“ Angst vor Nebenwirkungen müssen die jüngsten Impfwilligen kaum haben, versichert Arzthelferin Marion Stich (Name ebenfalls geändert): „Die Symptome sind bei Jüngeren deutlich geringer. Nebenwirkungen sind übrigens ein gutes Zeichen, denn sie bedeuten, dass der Körper den Impfstoff angenommen hat.“ Es gelte vor allem, mehr Menschen für eine Impfung zu sensibilisieren, so Stich. Dass diese nicht immer vor einer Ansteckung schützt, ja selbst Menschen, die „geboostert“ sind, erkranken, ist inzwischen bekannt und macht es Impfkampagnen wie dieser nicht leichter. Für den Impfarzt ist der Schutz vor der Krankheit schon längst nicht mehr ausschlaggebend: „Bei der Impfung geht es in erster Linie darum, ob die Patienten einen leichten oder einen schweren Verlauf haben. Eine Ansteckung ausschließen können wir nicht.“

Angesichts einer enttäuschenden Anzahl von Erstimpfungen hat der Mediziner auch die Hoffnung auf eine Herdenimmunität durch Impfungen begraben: „Ich denke, wir haben die Impfwilligen in unserem Land zum größten Teil erreicht. Vielleicht kommen mit der Zulassung eines Totimpfstoffes noch einige Prozente hinzu, aber wir müssen uns damit abfinden, einen Teil der Bevölkerung nicht zu erreichen.“ Möglicherweise kommt der nötige Denkansatz ja bald von Menschen wie dem elfjährigen Finn: „Ich lasse mich impfen, weil ich nicht damit leben könnte, meine Oma angesteckt zu haben.“ 

Auch die Namen der Geimpften und deren Angehörigen sind im Bericht auf Wunsch der Betroffenen geändert worden.

(erko)