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Rheinberg: Philosophie liegt im Trend

VHS-Sommerprogramm : Philosophie liegt im Trend

VHS-Leiter Jens Korfkamp ist promovierter Sozialwissenschaftler und leitet seit vielen Jahren Philosophiekurse. Auch in dieser Woche wieder. Dann geht es bei ihm drei Tage lang um Gedankenexperimente und Sinnfragen.

Jens Korfkamp, seit 21 Jahren Leiter der Verbandsvolkshochschule für Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten, ist promovierter Sozialwissenschaftler. Und er ist ein profunder Kenner und Liebhaber der Philosophie. Seit langem leitet Jens Korfkamp selbst Philosophie-Kreise bei der VHS. In dieser Woche nun findet wieder ein dreitägiger Kurs im Rahmen des VHS-Sommerprogramms statt, für den man sich noch anmelden kann (siehe Info). 

Jens Korfkamp stellt Veränderungen fest. „Das Bedürfnis, sich mit ethisch-moralischen Fragestellungen zu beschäftigen, ist größer geworden“, berichtet er. „Und das hat ganz gewiss damit zu tun, dass sich durch Corona viele Diskussionen ergeben haben.“ Dass die Einführung einer Impfpflicht zum Thema wurde und manch einer sich durch die von den Regierungen veranlassten Maßnahmen in seinen individuellen Freiheitsrechten eingeschränkt sah, habe dazu beigetragen, mehr über derlei Dinge nachzudenken. Fragen wie „Was darf der einzelne?“ oder „Wann geht das Gemeinwohl vor?“ sind interessanter geworden. 

 Jens Korfkamp leitet die Volkshochschule in Rheinberg.
Jens Korfkamp leitet die Volkshochschule in Rheinberg. Foto: Armin Fischer (arfi)
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Korfkamp: „Es geht den Menschen oftmals darum herauszufinden, wie sie sich eine eigene Meinung etwa zu Entscheidungen der Regierung bilden können, wie sie ihr Urteilsvermögen schärfen können. Philosophie hilft dabei zu argumentieren.“ Im Internet finde man heutzutage zu jedem Thema jede Meinung, die man hören möchte. Aber solche Aussagen sollten auch belastbar sein.

Dann geht es plötzlich auch darum, welchen Begriff von Wahrheit wir haben und wie wir zu Wissenschaft stehen. „Die Wissenschaft ist durch Corona in Bedrängnis geraten, viele haben ihr nicht mehr vertraut. Weil auch sie keine absolute Wahrheit garantiert. Wissenschaftliche Thesen gelten nur so lange, bis sie widerlegt sind. Das ist nicht immer leicht zu akzeptieren“, weiß der VHS-Chef. „Das hat für Verunsicherung gesorgt.“

Eine Frage, die zunehmend schwieriger zu beantworten ist und die sich viele Menschen zunehmend fragten, sei: Wie komme ich an verlässliche Informationen, um Sachverhalte beurteilen zu können? „Die Medien kann man kritisieren und sie werden ja auch kritisiert“, so Jens Korfkamp. „Aber dort arbeiten Menschen, die ihr Handwerk gelernt haben, die sich auf Quellen beziehen. Das ist bei den Sozialen Medien schon deutlich anders.“

Das Philosophieren folge bestimmten Regeln, auch die von Korfkamp geleiteten Runden sind regelgeleitete Gesprächskreise – mit dem Ziel, die Fähigkeit zu erlangen, das eigene Urteilsvermögen zu stärken. „Das darf man sich nicht als bierernste Angelegenheit vorstellen“, stellt Jens Korfkamp klar. „Wir lachen viel und das sind überwiegend fröhliche Kurse.“ Etwa zwei Drittel der Teilnehmer seien Stammgäste, der Rest seien neue Gesichter, die dafür sorgten, dass sich die Gruppe nicht im Kreis dreht und im eigene Saft schmort, sondern gedanklich frisch bleibt.

„Philosophie liegt im Trend“, unterstreicht der Sozialwissenschaftler. Die Phil-Cologne in Köln ist inzwischen ein anerkanntes Philosophie-Festival in Europa. Und der Erfolg von populären Branchenstars wie etwa David Richard Precht zeigen, dass es eine neue Lust daran gibt, sich Gedankenexperimenten hinzugeben. „Als es mit Corona losging, habe ich auch in meinem eigenen Freundeskreis festgestellt, dass Gespräche plötzlich ernsthafter geführt wurden“, so Korfkamp. „Das passiert dann, wenn man bemerkt, dass politische Entscheidungen das eigene Leben unmittelbar beeinflussen.“ Als Beispiele nennt Korfkamp die Flüchtlingswelle 2015, Corona und auch den Ukraine-Krieg. Weil der Mensch ein soziales Wesen sei, habe er das Bedürfnis, sich auszutauschen.

Bei Kursleiter Korfkamp werden von Dienstag bis Donnerstag Gedankenexperimente im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Da geht es dann zum Beispiel um Fragen der Gerechtigkeit, um Verteilungsfragen, aber auch um Perspektivwechsel. So kann man sich beispielsweise vorstellen, wie man sich als Mensch fühlen würde, wenn man so behandelt würde, wie Menschen Tiere behandeln. Daraus, so philosophiert Jens Korfkamp, könne sich dann im günstigsten Fall ein anderes Bild davon ergeben, wie man Tiere wahrnimmt und bewertet. Denn Philosophie ist letztendlich nichts anderes als das Streben nach Erkenntnis über den Sinn des Lebens, das Wesen der Welt und die Stellung des Menschen in der Welt.

(up)