Rheinberg: Ossenberger diskutieren mit dem Bürgermeister über ihren Ort

Rheinberg : Ossenberg sieht Dorf-Zukunft skeptisch

Rund 80 Bürger kamen, um über die aktuelle Schulentwicklung und Bauvorhaben der Solvay zu sprechen.

Der Vorsatz, transparenter zu werden und an der Kommunikation mit den Bürgern zu arbeiten, steht bei Bürgermeister Frank Tatzel oben auf der Agenda. Aus diesem Grund besucht er in loser Reihenfolge mit dem Vorstand der Verwaltung die einzelnen Ortsteile. Am Donnerstagabend waren die Ossenberger an der Reihe, die eigens für diese Veranstaltung das große Schützenzelt länger haben stehen lassen. Damit das gut gefüllt ist, hatte die Verwaltung das Podium mit Helmut Hofmann vom Ossenberger Heimatverein und gleich fünf Vertretern des benachbarten Solvay-Werkes aufgefüllt. Rund 80 Bürger nahmen an der Diskussion um die drei Themenkomplexe aktuelle Schulentwicklung, dörfliche Entwicklung und Bauvorhaben der Solvay teil.

Seit der Schließung der Grundschule vor acht Jahren sind Ossenberger Schüler auf die Lernstätten in Wallach und Millingen angewiesen. Deren Erhalt sei laut Bürgermeister Frank Tatzel trotz teilweise sinkender Schülerzahlen für die nächsten Jahre gesichert. Den Schulbusverkehr bezeichnete Tatzel als sehr gut und seine Beschreibung des Fußweges der i-Dötzchen zu den Bushaltestellen sei geradezu geprägt von dörflicher Idylle: „Die Verkehrssituation ist sehr entspannt, die Wege sind sicher, und die Autofahrer verhalten sich vorbildlich.“

Mit dieser Einschätzung traf Tatzel allerdings auf heftigen Widerstand der Anwohner. „Der Schulweg ist keinesfalls sicher, ich bin erstaunt über die Ausführung des Bürgermeisters“, sagte Ulrich Glanz. Ein anderer sprach gar von der „Rennstrecke Graf-Luitpold-Straße“. Auch was die Sicherheit der Wege angeht, musste der Bürgermeister Kritik einstecken. Für die Forderung eines Besuchers, die Schulwege im Winter doch bitte zu streuen, gab es spontanen Applaus.

Die dörfliche Entwicklung sehen viele Ossenberger pessimistisch. „Der Ort blutet immer mehr aus. Sparkassenautomat und Bäcker sind weg. Ansonsten gibt es hier nicht mehr viel. Welche Möglichkeit hat die Verwaltung, uns zu unterstützen?“, wollte eine Bewohnerin des Rheindorfes wissen. „Wir können niemanden zwingen, ein Geschäft zu eröffnen. Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung. Die Verwaltung kann die Rahmenbedingungen schaffen, wie etwa beim Dorfmittelpunkt. Dort haben die Vereine mit sehr viel Engagement dafür gesorgt, dass es einen Wochenmarkt gibt. Aber letztendlich entscheidet das Kaufverhalten der Menschen im Ort“, sagte Frank Tatzel.

Dass der dörfliche Mittelpunkt im Schatten der Kirche weiter für Kinder interessant bleibt, dafür sorgt erneut der Heimatverein. „Mit Unterstützung der Stadt, der Sparkasse am Niederrhein und der Solvay errichten wir dort im Frühjahr eine Matschanlage. Dabei handelt es sich um ein Schaufelrad, dass durch eine Druckleitung mit Wasser versorgt wird“, erläuterte Helmut Hofmann. Solvay-Werksleiter Norbert Mülders betonte mehrfach, wie wichtig dem Werk eine gute Nachbarschaft sei.

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Entsprechend transparent erläuterten seine Mitarbeiter die kommenden Bauvorhaben des Werks. Eines davon ist das „Projekt Woodpower“. Dabei handelt es sich ein Heizkraftwerk, das dem Unternehmen jährlich 120 Tonnen Dampf liefert und nebenbei das öffentliche Stromnetz mit 15 Megawatt Ökostrom versorgt. 200.000 Tonnen Holz müssen dafür im Jahr verbrannt werden.

Die Sorge einer Anwohnerin, dass dafür Wälder sterben müssen, wies Kraftwerksleiterin Ute Reuther als unbegründet zurück: „Wir werden auf keinen Fall Bäume fällen, sondern nutzen ausschließlich Verpackungsmaterial und Holz vom Sperrmüll.“

Dass die Anlieferung der durchschnittlich 560 Tonnen Altholz über die Straßen erfolgt, sorgte allenfalls für moderate Nachfragen. Denn die Solvay ist nicht nur Nachbar sondern auch Arbeitgeber zahlreicher Ossenberger. Ortsvorsteher Klaus Helmes zeigte sich zufrieden mit dem Format: „Man sollte die Veranstaltung künftig in allen Ortsteilen so durchführen. Wer heute nicht hier war, hat keinen Grund mehr zu meckern.“

Zufrieden mit dem Dialog-Format ist auch Bürgermeister Tatzel. Die Hinzunahme von Vertretern der örtlichen Wirtschaft und der Vereine habe sich ausgezahlt. Nach bescheidenem Auftakt am Annaberg, so Tatzel, habe die Resonanz in Ossenberg nun deutlich angezogen. „Das entwickelt sich“, so die Einschätzung des Bürgermeisters.

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