Rheinberg: Nanni Wagner und Alfons Thesing stellen im Stadthaus-Foyer aus

Rheinberg : Malerei und Holzskulpturen im Einklang

„bahnenbrechen“: Nanni Wagner und Alfons Thesing stellen im Stadthaus-Foyer aus. Eröffnung ist am Donnerstag.

Der Kabelbinder am Treppengeländer erspart den Nagel an der Wand: Eine ungewöhnliche Art, ihre großformatigen Bilder im Stadthaus-Foyer aufzuhängen, hat Nanni Wagner gewählt. Die Künstlerin aus Geldern, die gemeinsam mit dem Budberger Alfons Thesing drei Wochen in Rheinbergs guter Stube einen Teil ihrer Arbeiten zeigt, hat die meisten ihrer 25 Bilder am Treppengeländer fixiert. Thesing hat seine Skulpturen aus Holz so platziert, dass sie mit den Bildern korrespondieren, ein stimmiges Bild ergeben. Die Ausstellung, die den Titel „bahnenbrechen“ trägt, wird am Donnerstag, 6. Dezember, 18 bis 20 Uhr eröffnet; die beiden Künstler freuen sich auf Gespräche mit interessierten Gästen.

Nanni Wagner (61) arbeitet mit Tusche und Pigment auf Leinwand, die sie in ihrem Atelier in Geldern selber baut. Ihre „ungegenständliche Malerei“ beschäftigt sich mit dem Spannungsverhältnis von Fläche und Geste. „Ich versuche, nicht abzubilden, sondern das darzustellen, was zwischen mir und dem Objekt ist“, beschreibt sie ihre Kunst. Sie arbeitet prozesshaft am Bildaufbau, hat immer ein Thema, das sie auf die Leinwand aufbringt. Beispielsweise Keimlinge, Gewächse, die sich ans Licht arbeiten, im Stadthaus hängen sie am Geländer der ersten Etage.

Die Künstlerin, die sich seit 1994 intensiv der Malerei widmet, betreibt in Geldern auch eine Malschule und arbeitet mit Sucht- und psychisch Kranken, mittlerweile auch mit dementen Menschen. Nanni Wagner hat an der Novalis-Hochschule in Dortmund und Kamp-Lintfort Kunst im Hauptberuf studiert. Neben der Malerei ist die Keramik ihr zweites Standbein; einige Objekte sind ab Donnerstag in der Pförtnerloge (im Windfang am Eingang zum Stadthaus) zu sehen.

Alfons Thesing (63) zeigt 15 Holz-Skulpturen. Unten im Foyer steht „Franz von Kyrill mit der Stahlbrille“. Den hat der Budberger aus einem Baum herausgesägt, der beim Sturm Kyrill von einem anderen Baum erschlagen worden ist. Motorsäge und Schmirgelpapier, vielleicht noch Raspel und Fräse: Mehr Werkzeug braucht Alfons Thesing nicht. Maserung, Färbung und der Wuchs der verschiedenen Hölzer inspirieren den Landschaftsgärtner immer wieder zu neuen Formen und Linien. Die, so sagt er, ergeben sich von alleine, wenn er dem Baum mit der Motorsäge zu Leibe rückt. „Ich mach’ mir keinen Plan, ich nehme den Stamm, und dann geht es los“. 2002 hat er mit Malerei angefangen, hat dann in Stahl gearbeitet, bevor er zum Holz kam. „Für mich ist meine Kunst die Schönste“, gibt er zu und dreht dabei den Ameisenbär auf der Eisenstange, aus einem Walnuss-Baum gearbeitet, in eine andere Richtung. Der Ameisenbär steht in der ersten Etage, wenige Meter entfernt von einer Skulptur aus Eiche, die er „Die vier Brüder“ genannt hat. „Ich bin mit drei Brüdern groß geworden, genau wie mein Vater“, erzählt er. Die einzige Skulptur übrigens, die Thesing farbig gemacht hat. Alle übrigen sind naturbelassen, genau wie die kleinen runden Holzplättchen, die er an einer Seite gelocht und auf einer Kordel aufgefädelt hat. Sie hängen an einem Seil, das quer von einer Seite zur anderen im Stadthaus-Foyer gespannt ist. An anderer Stelle hat er ein Mobile aus Bambusstäben und Magnolien-Blättern aufgehängt; in einer Vitrine unten im Foyer stehen kleine Figuren aus Holz und aus Speckstein.

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