Rheinberg: Nachhilfe am Simulator für sichere Pedelec-Fahrten

Verkehrssicherheit : Nachhilfe für sichere Pedelec-Fahrten

Immer mehr batterieunterstützte Fahrräder im Straßenverkehr führen auch zu immer mehr Unfällen damit. Kreispolizei und Verkehrswacht informierten jetzt in Rheinberg darüber und baten Besucher auf einen Simulator.

Fahrräder mit Hilfsmotor gab es schon zu Großelterns Zeiten. Allerdings waren die knatternden Drahtesel mit ihren angeflanschten Verbrennungsmotoren eher die Ausnahme im Straßenbild. Das ist bei ihren Nachfolgern, den so genannten Pedelecs, nicht mehr der Fall, ihre Verkaufszahlen steigen stetig an. Jedes zehnte Fahrrad bietet bereits den eingebauten Rückenwind an, ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. Nicht nur Senioren, die längere Zeit nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilgenommen haben, schätzen die neue Mobilität. Längst bieten Firmen die batteriegestützten Zweiräder als Dienstfahrzeuge an, damit ihre Mitarbeiter umweltbewusst zur Arbeit fahren können, ohne durchgeschwitzt anzukommen.

Die Kehrseite der Medaille: Weil Pedelecs deutlich schneller unterwegs und wesentlich schwerer sind als herkömmliche Fahrräder, stellen sie gerade für Neulinge ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar. Hinzu kommt, dass sie von Autofahrern häufig falsch eingeschätzt werden. Das macht Björn Haubrok, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Wesel, anhand der Unfallstatistik aus dem vergangenen Jahr deutlich: „Gemessen an ihrem Anteil sind Pedelec-Fahrer überproportional an Unfällen beteiligt. Rund ein Drittel davon haben den Unfall verschuldet.“

Um dem gegenzusteuern, haben sich Kreispolizei und Verkehrswacht Wesel etwas Besonderes einfallen lassen: Mit einem Pedelec-Simulator und einem Pedelec-Trainer besuchen sie Fahrradhändler und schließen mit ihnen einen Kooperationsvertrag ab. Die Vereinbarung: Menschen nehmen an einem Sicherheitstraining teil und erhalten dafür eine Bestätigung, mit der sie bei dem Händler Zubehör zu ermäßigten Konditionen einkaufen dürfen.

Einer dieser Händler ist Georg Schmitz von der Firma „Räder-Ecke“ an der Rheinberger Bahnhofstraße. Schmitz musste nicht lange überlegen, als er Besuch von der Polizei und am Samstag auch von Landrat Ansgar Müller bekam: „Der Anteil der verkauften Pedelecs liegt bei uns zwischen 60 und 70 Prozent. Die Sicherheit der Kunden steht an erster Stelle. Jeder Käufer wird ausführlich eingewiesen und absolviert eine Probefahrt. Der Pedelec-Simulator der Polizei unterstützt den Kunden schon vor dem Kauf.“ Viele Menschen nutzten am Samstag diese Gelegenheit und setzten sich auf das aufgebockte Polizei-Pedelec. Auf einer Leinwand wurde die Fahrt durch eine typische deutsche Innenstadt simuliert. Aus gutem Grund, erklärt Verkehrsexperte Jörg Nitschke: „Pedelec-Fahrer sind in der Stadt häufig viel zu schnell unterwegs, gerade in verkehrsberuhigten Zonen. Dort dürfen sich übrigens auch Radfahrer nur im Schritttempo bewegen.“

Der Polizist verweist darauf, dass der Umstieg von einem herkömmlichen Rad auf ein 25 km/h schnelles Pedelec nicht zu unterschätzen ist: „Man kann das vergleichen mit dem Unterschied zwischen einem Mofa und einem Motorrad.“ Sandra Hoffmann, seit einer Woche stolze Besitzerin eines Elektrorades, konnte sich davon am Simulator überzeugen: „Man hat zwar am Simulator nicht das gleiche Blickfeld wie in der Realität, bekommt dafür aber ein Gefühl für die Geschwindigkeit. Die unterschätzt man leicht“, sagte sie.

Außerdem geben die Experten von Polizei und Deutscher Verkehrswacht den Teilnehmern den dringenden Rat mkit auf den Weg, beim Fahren einen Helm zu tragen. Fahrradhändler Georg Schmitz ist von der neuen Kooperation absolut überzeugt: „Um unsere Kunden zu sensibilisieren, würden wir das gerne zwei- bis dreimal im Jahr anbieten.“

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