Rheinberg: Nachhaltige Unterstützung für die Gudrun-Hertel-Patenschaft

Patenschaft für eine verstorbene Mitschülerin : Verunglückte Schülerin ist unvergessen

Die damals 17-jährige Gudrun Hertel starb 1981 bei einem Reitunfall. Ihr Abiturjahrgang gründete eine Patenschaft.

Gudrun Hertel wäre heute Mitte 50, wäre möglicherweise verheiratet und hätte vielleicht erwachsene Kinder, die eine Ausbildung absolviert hätten oder studieren würden und schöne Dinge erleben. Dinge, die sie auch gerne erlebt hätte. Ihr blieb all das verwehrt, denn Gudrun Hertel starb früh. Im Alter von 17 Jahren. 1981 war das. Am Rheinberger Stadtrand war sie mit ihrem Pferd unterwegs, das plötzlich scheute und die junge Frau abwarf. Gudrun Hertel stürzte so unglücklich, dass sie an den Folgen starb.

Ein Schock. Für die Familie ohnehin. Aber auch für die Schulgemeinschaft des Amplonius-Gymnasiums. Schüler, Lehrer, Eltern – sie alle waren absolut betroffen über den Tod des jungen, engagierten und beliebten Mädchens, an dessen Beerdigung hunderte Menschen teilnahmen.

Der Vater der Schülerin zog kurz nach dem Tod seiner Tochter aus Rheinberg weg, es gibt heute keine Angehörigen mehr in der Nähe. Allerdings gibt es das Grab noch immer am Annaberg, und es sei stets in einem gepflegten Zustand, berichten ehemalige Schulkollegen. Sie sind verantwortlich dafür, dass die Erinnerung an Gudrun Hertel nicht verblasst und bis heute nachwirkt. In Hertels Jahrgangsstufe reifte damals schnell der Entschluss, irgendetwas im Sinne der Freundin zu tun. Das Ergebnis: Sie gründeten die bis heute bestehende Gudrun-Hertel-Patenschaft. Seit Anfang der achtziger Jahre wird Geld gesammelt, mit dem über die Kindernothilfe immer drei Kinder in Dritt-Welt-Ländern unterstützt werden, bis sie Schule und Ausbildung beendet haben.

„Momanten gibt es drei Patenschaften für Kinder in Sri Lanka, Äthiopien und Bolivien“, beschreibt Monika Seiler. Sie ist Lehrerin am Amplonious-Gymnasium und kümmert sich um die Patenschaft. Sie hat diesen „Job“ von Dagmar Krause-Bartsch übernommen. Bis die Pädagogin 2017 in den Ruhestand ging, war sie 35 Jahre lang die Ansprechpartnerin für die Initiative. In der ersten Etage des Schulgebäudes gibt es eine Vitrine, in der über die Gudrun-Hertel-Patenschaft informiert wird.

„Es ist erstaunlich zu sehen, wie unsere heutigen Schüler mit dem Thema umgehen“, sagt Monika Seiler. Wenn sie etwa an Elternsprechtagen Waffeln backen, diese verkaufen und der Erlös der Patenschaft zugutekommt, sprühten sie förmlich vor Begeisterung und Interesse.

Unermüdlich unterstützt auch der Abitur-Jahrgang von 1983 mit 120 Absolventen die Sache. „Wir treffen uns alle fünf Jahre zu einem Abitur-Treffen“, erzählt Mitorganisatorin Regina Junker aus Budberg. „Und jedes Mal sammeln wir Geld.“ Auch jetzt wieder. Beim 35-Jahre-Abi-Treffen im November kamen 1350 Euro zusammen, die jetzt an Dagmar Krause-Bartsch und Monika Seiler übergeben wurden. „Wir machen auf jeden Fall weiter“, betonte Stefan Koch; der Rheinberger gehört zu den Mitorganisatoren.

Gudrun Hertel hätte das Engagement ihrer Schulkameraden ganz sicher gefreut.

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