Rheinberg: Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft beklagen sich

Rheinberg : Das Zusammenleben klappt noch nicht

Die Bürgersprechstunde der ZUE im Alten Zollhaus in Orsoy war gut besucht. Die Zahl der Klagen über manche der momentan 238 Flüchtlinge steigt. Die Rede war von alkoholisierten Männern, Ruhestörungen und Belästigungen.

Die Orsoyer und die Zentrale Unterbringungs-Einrichtung (ZUE): Schlugen die Wellen der Empörung über die Flüchtlings-Unterbringung anfangs sehr hoch, so hatte man zwischenzeitlich den Eindruck, die Lage habe sich beruhigt und die Orsoyer ihren Frieden mit der Situation gemacht. Doch bei der mit rund 35 Frauen und Männern gut besuchten Bürgersprechstunde im Alten Zollhaus hörte sich das diesmal anders an. Viele Orsoyer sind unzufrieden, fühlen sich nicht mehr richtig wohl in ihrem Ort, sprechen von „gefühlter Unsicherheit“ oder gar von Angst.

ZUE-Leiter Andreas Stomps (Bezirksregierung Düsseldorf) hatte die Anwohner wieder dazu eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch Vertreter der betreuenden Malteser, der Eigentümergesellschaft IPG und der Polizei (Wachleiter Wolfgang Riedel) standen Rede und Antwort.

238 Menschen leben momentan in der ZUE, davon 40 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre. 83 Bewohner sind arabischer, 51 afrikanischer Herkunft, 42 stammen aus Ländern wie Afghanistan, Irak oder Pakistan, die restlichen 62 seien „bunt gemischt“ – Russen, Chinesen etc. Im Schnitt bleiben Einzelpersonen sechs und Familien vier Monate im Haus, bis sie in kommunale Häuser überführt oder abgeschoben werden.

Momentan, das räumte Andreas Stomps ein, gebe es viele „problematische“ Bewohner. Überwiegend seien dies Menschen, die auf ihre Abschiebung warteten und deswegen verzweifelt oder auch aggressiv seien. Das deckte sich mit den Beobachtungen der Anwohner, die sich häufig über Gruppen stark alkoholisierter Männer, über Ruhestörungen bis in den frühen Morgen und über Belästigungen ärgern. „Unsere Kinder trauen sich manchmal nicht mehr vor die Tür“, sagte eine Frau. „Man kann die Fenster nicht mehr offen lassen“, eine andere. „Ich gehe nicht mehr auf dem Wall joggen wie früher, sondern fahre jetzt zum Lohheider See, weil ich keine Lust mehr habe, belästigt zu werden“, eine dritte. Als unerträglich wird zuweilen empfunden, dass mitunter Täter aus der ZUE nach Rechtsverstößen erkannt und angezeigt werden, ihnen aber keine Sanktionen drohen. „Da zweifelt man dann an unserem Rechtssystem“, konstatierte ein Teilnehmer.

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Fragen über Fragen: Warum dürfen die Bewohner nicht Alkohol in der ZUE trinken? Dann müssten sie nicht auf der Straße trinken und andere stören. Oder: Warum gibt es keine Ausgangssperre nach 22 Uhr? Und warum bringt man den Flüchtlingen keine Verhaltensregeln bei? Klare Antworten dazu lieferte Stomps: Alkohol in der Einrichtung verbiete die Bezirksregierung strikt, Ausgangssperren seien unzulässig, weil es sich um freie Menschen handele, und Verhaltensregeln bringe man den Geflüchteten sehr wohl bei. Die Malteser ermunterten die Bewohner zu „Willkommensspaziergängen“, die auch viele Bewohner nutzen. Im Übrigen seien die meisten von ihnen friedlich, freundlich und rücksichtsvoll.

Dass es zu wenig Sanktionsmöglichkeiten gibt, hat die Bezirksregierung erkannt und will dies nun mit „Fallkonferenzen“ ändern. Das bedeutet: Regelverstöße werden in größeren Runden besprochen, dokumentiert, und wer mehrmals unangenehm auffällt, muss mit einem beschleunigten Verfahren und der Abschiebung rechnen. Stomps: „Das zeigt Wirkung.“

Die Rolle der Polizei wurde kritisch angesprochen. Sie spiele Vergehen von Flüchtlingen oft herunter, lautete der Vorwurf. Das wies Wachleiter Riedel entschieden zurück und empfahl: „Rufen Sie immer an, wenn etwas ist. Sie nerven uns nicht, ganz im Gegenteil, das ist wichtig. Nur dann können wir etwas unternehmen.“ Letztendlich ging man in der Überzeugung auseinander, weiter im Gespräch zu bleiben.

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