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Rheinberg: Modell der Reichelsiedlung als Vorbild

Rheinberg : Rheinberger Modell als Vorbild

In der Reichelsiedlung arbeiten Eigentümer, Mieter, Kirchen und Politiker eng zusammen. Das soll jetzt auch in Wipperfürth im Bergischen Land Schule machen. Dort haben die Rheinberger Investoren 135 Wohnungen gekauft.

Vor acht Jahren kam die Wende: Eine Gruppe von fünf Investoren übernahm die rund 700 Wohnungen in der Reichelsiedlung. Nicht alle auf einmal, sondern peu à peu. Die hatten zuvor der Landesentwicklungs-Gesellschaft (LEG) und später dann dem Großaktionär Whitehall gehört. Investiert wurde wenig, die einstmals vom Textilunternehmer Herbert Reichel für dessen Mitarbeiter gebaute Siedlung verfiel zusehends und wurde zu einem Problemviertel.

2010 aber begann die Erfolgsgeschichte. Nach und nach wurden die Wohnblocks saniert, außen und innen. Wärmedämmung, moderne Heizungsanlage, neue Badezimmer – das alles wurde realisiert, ohne dass die Mieten (bisher) signifikant stiegen.

Neben der baulichen Sanierung ging es auch atmosphärisch voran. Es bildete sich eine Mieterinitiative, die Diakonie bot eine regelmäßige Sozialberatung an, einmal pro Quartal (inzwischen nur noch zweimal im Jahr) gab es Gespräche, an denen neben den Investoren bzw. Eigentümern Politiker, Kirchenvertreter und Anwohner teilnahmen. Die Akteure lernten sich kennen, entwickelten Vertrauen, fanden gemeinsam Lösungen.

 Auch die Häuser der Wohnprojekt Wipperfürth werden erneuert.
Auch die Häuser der Wohnprojekt Wipperfürth werden erneuert. Foto: ITS Concept
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Mit der städtischen Begegnungsstätte Reichelsiedlung gibt es eine zentrale, gut besetzte Anlaufstelle an der Eschenstraße. Das inzwischen installierte Quartiersmanagement mit eigenem Büro und vielfältigen Aktionen erweitert den Kanon gesellschaftlichen Lebens in der Siedlung. Was dort über Jahre geschaffen wurde und gelebt wird, findet in Rheinberg keine großartige Beachtung. Weil man das, was man hat und kennt, als normal empfindet.

Jetzt aber kam Besuch aus Wipperfürth im Bergischen Land und rückte die Rheinberger Verhältnisse ins rechte Licht. „Die Strukturen und die Vernetzung hier sind großartig. Davon können wir in Wipperfürth nur träumen“, sagte am Dienstag Bernd Sax. Er sitzt als Sachkundiger Bürger im Stadtentwicklungsausschuss der 22.000-Einwohner-Stadt und wohnt in der Nachbarschaft einer Siedlung, die mit der in Rheinberg vergleichbar ist.

Dort geht es um 135 renovierungsbedürftige Wohnungen der „Wohnprojekt Wipperfürth“ aus den fünfziger und sechziger Jahren, die die Rheinberger Investoren-Gruppe in diesem Jahr gekauft hat. Mehrfamilienhäuser mit einer ähnlichen Historie wie in der Reichelsiedlung. Erst Deutsche, dann Türken, Aussiedler, zuletzt Flüchtlinge – „dann hat so eine Siedlung ein Image“, sagt Peter Hennecken, Pfarrer im Ruhestand und Mitglied einer ökumenischen Initiative, die sich um die Mieter kümmert.

Arnold Bauens von ITS-Concept – das Unternehmen bündelt die Aktivitäten der Investoren hüben wie drüben – riet den Wipperfürthern: „Schauen Sie sich an, wie die Rheinberger das gemacht haben. Davon können Sie viel übernehmen.“

Gesagt, getan. Am Dienstag besuchte eine achtköpfige Gruppe – Mieter, Politiker, Verwaltungs- und Kirchenleute – die Reichelsiedlung, durch die Arnold Bauens führte, bevor es im Haus der Generationen ein Mittagessen und Abschlussgespräch gab. „Wir hätten damals nicht gedacht, dass die Truppe der handelnden Personen so lange aktiv bleibt und wir so viel gemeinsam erreichen“, sagte Bauens.

Vielleicht können die Wipperfürther das in einigen Jahren auch sagen.