Musikalische Lesung im Bürgerhaus Budberg Hommage an eine fast Vergessene

Rheinberg-Budberg · Bereits zum vierten Mal besuchte Judith Jakob das Budberger Bürgerhaus. Im Zentrum ihres Programms „Die Nachtigall in meinem Garten schweigt“ steht die jüdische Dichterin Mascha Kaléko.

 Judith Jacobs trug Werke von Mascha Kaléko vor und skizzierte das facettenreiche Leben der Lyrikerin.   Foto: Fischer

Judith Jacobs trug Werke von Mascha Kaléko vor und skizzierte das facettenreiche Leben der Lyrikerin. Foto: Fischer

Foto: Armin Fischer (arfi)

Eine musikalische Lesung mit Texten und Gedichten von Mascha Kaléko stand auf dem Veranstaltungsprogramm vom Bürgerhaus Budberg. Judith Jakob, schauspielerisches wie musikalisches Allroundtalent, sorgte in Begleitung von Joachim Jezewski am Klavier für ausverkaufte Reihen.

„Wir mussten noch Stühle dazu stellen“, freute sich Peter Houken vom Vorstand Bürgerhaus Budberg. Schauspielerin und Sängerin Judith Jakob ist in Rheinberg keine Unbekannte. Bereits zum vierten Mal steht sie auf der Bühne des Bürgerhauses. „Die Nachtigall in meinem Garten schweigt“ nennt sie ihr Programm. Im Mittelpunkt steht die jüdische Dichterin Mascha Kaléko (1907-1975).

Judith Jakob nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise durch das Leben der Alltagspoetin. Bereits in den 1920er Jahren beschrieb Mascha Kaléko das harte Leben der Nachkriegszeit und den Aufstieg Berlins zur „springlebendigen“ literarischen Stadt in ihren Gedichten. Sie schrieb über Liebe, Leid, Trost, Abschied und Einsamkeit und damit Gefühlswelten, die bis heute den Nerv der Menschen treffen. Mal einfühlsam und nachdenklich, mal ironisch und spöttisch hat sie ihr Berliner Umfeld beobachtet.

In der Berliner Vossischen Zeitung wurde 1922 ihr erstes Gedicht veröffentlicht. Berlin, wo sie seit 1918 mit ihren Eltern lebte, wurde die erste Station in ihrem künstlerischen Leben. Sie war in den 1930er Jahren nicht mehr aus dieser Szene wegzudenken, die sie mit Kurt Tucholsky oder Else Lasker-Schüler teilte. Um 1937 wurde beispielsweise ihr „Lyrisches Stenogrammheft“, seit 1933 Bestseller, als schädlich und unerwünscht verboten. Ihre stenografischen Alltagsbeobachtungen, angereichert mit jüdischen Lebensweisheiten, gefielen nicht. Wenig später folgte mit dem Erscheinen ihres zweiten Buches ein Auftrittsverbot und die Auswanderung in die USA. In ihrem Herzen blieb sie jedoch immer in Berlin, was auch ihre spätere Zerrissenheit erklärt. Heimweh nach Nirgendland bezeichnete sie das Gefühl nach ihrem Zuhause und sich selber als ewiges Emigrantenkind.

Das Publikum erlebte aus verschiedenen, teilweise selbstkritischen Blickwinkeln Mascha Kalékos literarisches Schaffen ihrer Zeit, Höhen und Tiefen des familiären Lebens mit Kind und Partner. Joachim Jezewski begleitete, hob musikalisch Passagen aus dem Werk Kalékos hervor. Judith Jakob und Joachim Jezewski gelang ein wundervoller Vortragsabend, der nicht nur an das facettenreiche Leben der jüdischen Lyrikerin erinnerte, sondern auch vor dem Vergessen bewahrte. Der Abend mit seiner beinahe erschreckenden Aktualität schlug mit den Werken Malékos eine Brücke in unsere heutige Zeit. Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum in Budberg.

(sabi)
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