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Rheinberg: Lore Rabe spricht über die Musikalische Gesellschaft

40 Jahre klassische Konzerte in Rheinberg : Lebenswerk Musikalische Gesellschaft

Der Verein für klassische Musik wurde vor 40 Jahren gegründet. Die erste Vorsitzende ist von Beginn an dabei.

Am 22. November 1979, vor 40 Jahren also, wurde die Musikalische Gesellschaft Rheinberg als Verein gegründet. Wenig später, am 27. Januar 1980, fand das erste Konzert des Klassik-Vereins statt. Damals noch im Foyer des Schulzentrums – die Stadthalle war noch nicht gebaut. Zum Jahreswechsel stehen die Zeichen bei der Musikalischen Gesellschaft nun auf Rückbesinnung, aber der Blick ist vor allem in die Zukunft gerichtet. Die RP hat sich mit Lore Rabe unterhalten. Die Rheinbergerin ist „Gesellschafterin“ der ersten Stunde und seit 1990 1. Vorsitzende. Sie löste damals den Gründer Ewald Zimmermann an der Spitze des Vereins ab.

Frau Rabe, welche Erinnerungen haben Sie an das erste Konzert der Musikalischen Gesellschaft vor bald 40 Jahren?

LORE RABE Es fand im Foyer des Schulzentrums statt und war sehr gut besucht. Ausführende waren damals die Sänger Hermann Weber und Dankwart Bender, die Geiger Helmuth Vogel und Karel Sovicek sowie der Bratschist Alfred Muth. Ich war selbst als Pianistin dabei, ebenso wie Ewald Zimmermann. Alle Mitwirkenden sind schon in den Jahren zuvor in der vom Rheinberger Kulturamt durchgeführten Reihe „Wir stellen vor“ aufgetreten.

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Auch da waren Sie damals die erste.

     Die junge Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg gestaltet unter der Leitung von Juri Gilbo am 1. März in der Stadthalle das Jubiläumskonzert der Musikalischen Gesellschaft.
Die junge Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg gestaltet unter der Leitung von Juri Gilbo am 1. März in der Stadthalle das Jubiläumskonzert der Musikalischen Gesellschaft. Foto: jens paul taubert

RABE Ja, ich habe von 1971 bis zum künstlerischen Abschluss im Fach Klavier 1976 an der Folkwang-Hochschule studiert. Mein Abschlussprogramm habe ich damals vor dem Examen in dieser Reihe gespielt.

Ist so die Idee entstanden, einen Verein zu gründen?

RABE Womit ich damals nicht gerechnet hatte: Zum Vorspiel kam Dr. Ewald Zimmermann aus Orsoy, ein Musikwissenschaftler, der für die RP eine Kritik über das Konzert schrieb. Dadurch lernten wir uns kennen, ich bekam durch ihn Kontakt zu vielen Musikern bei seinen zahlreichen Hauskonzerten. So entstand dann die Idee, die Gesellschaft zu gründen.

Nun gibt es die Musikalische Gesellschaft seit 40 Jahren. Und sie arbeitet mit erstaunlicher Kontinuität.

RABE Ja, wir haben ausnahmslos pro Spielzeit acht bis zehn Konzerte veranstaltet. Bisher also rund 400. Ich selbst habe nur ein einziges verpasst.

Für Sie ist der Verein eine Lebensaufgabe geworden.

RABE Das kann man wirklich so sagen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht für die Gesellschaft aktiv bin. Dabei ist mir der persönliche Kontakt zu den Künstlern und den Agenturen sehr wichtig. Vieles lebt vom gegenseitigen Vertrauen, von den intensiven Gesprächen, die man miteinander führt. Wenn alles nur geschäftsmäßig und kalt, ohne Emotionen, abliefe, wäre ich schon lange nicht mehr dabei.

Wird dieses Engagement denn honoriert?

RABE Auf jeden Fall! Wir hatten schon große Künstler hier, die mir gesagt haben: Legen Sie die Höhe der Gage fest, Sie machen das schon. Weil diese Künstler wussten, dass wir nur ein kleines Budget zur Verfügung haben, aber gerne bei uns aufgetreten sind. Das sind doch die schönsten Geschenke, die man bekommen kann.

Auf der anderen Seite geben Sie auch eine Menge.

RABE Für mich ist es selbstverständlich, dass ich Künstler auch mal persönlich am Duisburger Bahnhof abhole und sie nach Rheinberg bringe. Früher haben die Künstler sogar privat bei uns zu Hause übernachtet oder haben sich in unserem Wohnzimmer eingespielt. Ich bekomme noch heute persönliche Dankesschreiben von Musikern. Das freut mich jedesmal sehr.

Das Angebot der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg hat sich über die Jahre kaum verändert, oder?

RABE Das stimmt. Wir haben kammermusikalische Konzerte, einmal oder zweimal pro Jahr treten große Besetzungen auf. Hinzu kommen Klavierabende und als Abschlusskonzert gibt es stets etwas Leichteres, Populäreres. Das kommt nach wie vor beim Publikum gut an.

An welche Besonderheiten aus 40 Jahren erinnern Sie sich?

RABE Ach, das sind so viele gewesen. Wir hatten zum Beispiel die Wiener Sängerknaben in der Stadthalle. Der Monteverdi-Chor war da, viele große Solisten, das kann man alles gar nicht aufzählen.

Und Sie kooperieren schon lange mit dem Deutschen Musikrat.

RABE Ja. Durch den Deutschen Musikrat werden uns zu günstigen Bedingungen Künstler vermittelt, die als Preisträger aus dem jährlich stattfindenden Wettbewerb des Deutschen Musikrates hervorgegangen sind. Diesmal beim Konzert mit dem Eliot Streichquartett am 29. März zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven.

Sie können sich glücklich schätzen: Ihre Konzerte sind fast immer gut besucht. Und das nicht nur, weil die Eintrittspreise günstiger sind als in vielen anderen Städten.

RABE Ja, wir haben ein sehr treues Publikum, das auch von weit her zu uns kommt.

Die Jugend liegt Ihnen sehr am Herzen.

RABE Richtig. Deshalb haben Kinder und Jugendliche bei uns grundsätzlich freien Eintritt.

Welche Rolle spielte Musik in Ihrer eigenen Kindheit?

RABE Eine sehr große. Ich bin mit meinen Eltern und meinen beiden Schwestern in Reinbek bei Hamburg aufgewachsen. Mein Vater war Architekt von Beruf, er hat aber leidenschaftlich gerne Klavier gespielt. Ihm war es sehr wichtig, dass wir schon als Kinder Klavierunterricht bekamen. Da wurde genau festgehalten, wer wie lange und was geübt hatte. Heute bin ich meinem Vater sehr dankbar dafür.

Sie haben selbst bei vielen Aufführungen gespielt. Auch heute noch?

RABE Ich spiele gelegentlich zusammen mit anderen Instrumentalisten zum Beispiel in Seniorenheimen. Es ist sehr schön zu sehen, wie Musik die Menschen berührt. Das macht mir sehr viel Freude.

Wie geht es weiter mit der Musikalischen Gesellschaft?

RABE Die Arbeit in einem sehr harmonischen Team macht mir sehr viel Freude. Aber mir ist bewusst, dass es nicht ewig weitergehen kann.