1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Rheinberg: Live-Musik in Zeiten von Corona

Kulturinitiative Schwarzer Adler : Live-Musik in Zeiten von Corona

Beim x-ten Konzert von Ana Popovic im Schwarzen Adler war alles anders als sonst. Schlagzeuger und Bassmann durften die USA nicht verlassen, statt 200 Fans durften diesmal nur 80 im Saal dabei sein. Sitzend und viele mit Maske.

Ana Popovic beehrt den Schwarzen Adler seit 20 Jahren – genau so lange ist die inzwischen 44-jährige Gitarristin und Sängerin aus Belgrad „on the road“, tourt weltweit und liefert den Menschen ihre vitale Mischung aus Blues, Rock, Funk und Soul regelmäßig frei Haus. Ihr erster Auftritt im Schwarzen Adler kam damals nur zustande, weil der große Bernard Allison sie im Vorprogramm auftreten ließ. Seither war die Musikerin nahezu jedes Jahr zu Gast im Saal an der Baerler Straße. Immer hoch motiviert, immer mit neuen Songs, immer gefeiert und bejubelt.

Das lief stets nach einem bestimmten Schema. Der Vorverkauf begann, kurz danach waren die 200 Tickets vergriffen, und wenn die Popovic und ihre Band die Bühne betraten, quetschten sich die Fans davor und feierten tanzend und singend eine feine Blues-Party.

Diesmal war alles ganz anders. So kamen nur die Chefin und ihr Keyboarder Michele Papadia in Vierbaum an. Bassist Buthel Burns und Schlagzeuger Jerry Wayne Kelley Jr. wollten von New York nach Amsterdam fliegen, jedoch wurde ihnen die Ausreise verweigert, weil Amsterdam ein Corona-Hotspot ist.

So kamen die Zuschauer im Schwarzen Adler nun in den Genuss eines ganz neuen Konzertgefühls. Ana Popovic (die sich beim Ausladen des Equipments zu allem Überfluss auch noch einen Fuß verknackst hatte) sitzend auf der Bühne, neben ihr Michele Papadia. Wie ein Folk-Duo sahen die beiden aus. Vor allem dann, wenn Ana Popovic zur akustischen Gitarre griff. „Die habe ich mir erst hier in Deutschland gekauft, damit ich in der kleinen Besetzung nicht die ganze Zeit auf der elektrischen Gitarren spielen muss“, erzählte sie dem Publikum.

Und die Zuhörer? Nicht 200, nur 80 durften dabei sein und die Live-Musik genießen. Nicht im Stehen, sondern auf Klappstühlen wie im Kabarett. Viele hatten die Masken aufgelassen. Manch einen konnte man dabei beobachten, wie er das Glas ansetzte, ohne den Schutzstoff vorher abzunehmen. Die Corona-Pandemie hat ihre Tücken.

Für Ernst Barten, noch Vorsitzender der Kulturinitiative Schwarzer Adler, war der Abend trotz der merkwürdigen Umstände ein Anlass zum Glücklichsein. „Endlich mal wieder ein Konzert im Adler“, schwärmte er, wissend, dass tags darauf schon wieder alles anders sein würde, dass beispielsweise nur noch 67 Besucher (ein Drittel des maximalen Fassungsvermögens) in den Saal dürfen. Am Montag kam dann die nächste Hiobsbotschaft: Der Abend mit Carmela de Feo, er sollte am 22. Oktober stattfinden, ist auf den 12. Mai des nächsten Jahres verschoben worden. Neue Corona-Vorgaben.

Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen und sich den Herausforderungen stellen – nach der Devise verfährt Ana Popovic, die es in ihrem Leben stets nach Westen gezogen hat. Von Belgrad ging sie zum Studium nach Amsterdam, von dort aus nach Memphis/Tennessee, bevor sie mit ihrer Familie nach Los Angeles umzog, wo sie jetzt lebt. Sie und Michele Papadia beschlossen, die Tour als Duo durchzuziehen. Überraschend kommt eben oft und bietet neue Perspektiven. Im Adler hatte man den Eindruck, dass es den beiden Profis durchaus gefiel, mal ohne Rhythmus-Gruppe aufzutreten. Das Publikum hatte auf jeden Fall Spaß, konnte es der Gitarristin doch ganz ausgeruht auf die Finger schauen. Ihr sei es wichtig, trotz Corona live zu spielen, versicherte Ana Popovic: „Es ist sehr, sehr wichtig, dass es mit der Musik weitergeht.“