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Rheinberg: Letzte Chance für das Trafo-Türmchen

Nutzer für Landmarke in Rheinberg gesucht : Letzte Chance für das Trafo-Türmchen

Wenn das Unternehmen Westnetz für die ausrangierte Landmarke am Lohmühler Weg in Vierbaum keinen Interessenten findet, wird das 60 Jahre alte Stromhäuschen abgerissen. Die Grundstücksverhältnisse sind schwierig.

Die Zeit läuft ab für das ausrangierte Trafo-Türmchen an der Ecke Lohmühler Weg/Baerler Straße in Vierbaum. „Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird der Turm bald abgerissen“, sagt Michael Sonfeld mit dem Blick des Bedauerns. Der Rheurdter hat bis zum Erreichen des Rentenalters lange für Westnetz beziehungsweise RWE gearbeitet und sich dort um Liegenschaften des Unternehmens gekümmert. Jetzt betreut er ehrenamtlich das Projekt „Turmtransformation“. Kurzum: Er soll die oft zehn oder zwölf Meter hohen Landmarken vor dem Abriss retten, indem er Privatpersonen, Vereine, Nachbarschaften oder Initiativen findet, die die kleinen Gebäude übernehmen und einer neuen Nutzung zuführen.

„40 Trafo-Türmchen habe ich in den Kreisen Wesel und Kleve schon entwickelt“, erzählt der Rheurdter. Einer davon steht am Eyländerweg auf der Bislicher Insel in Xanten und dient heute als kleiner Aussichtsturm. Gerne werden die ehemaligen Trafo-Stationen als Brut-, Nist- oder Rückzugsorte für Vögel oder Fledermäuse hergerichtet und dienen so dem Natur- und Artenschutz. Auch das kleinste Strommuseum in Deutschland, in Schermbeck-Damm, ist in einer ehemaligen Trafo-Station untergebracht. Und in Warstein-Allagen befindet sich ein Scriptorium in den kleinen Räumen, wo einst Starkstrom heruntergebremst wurde: ein öffentlicher Bücherschrank und Lesezimmer. Der Klartext-Verlag hat sogar ein Buch über die Türmchen herausgegeben. Es heißt „Von Turm zu Turm – Tipps und Touren rund um ein Stück Stromgeschichte“.

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Michael Sonfeld hatte sich schon gefreut, glaubte er doch, einen Abnehmer für das Vierbaumer Türmchen gefunden zu haben. Die Genossenschaft Schwarzer Adler Vierbaum wollte ihn übernehmen. „Wir hatten überlegt, ihn so herzurichten, dass man dort hin und wieder ganz kleine Kunstausstellungen durchführen oder die Räume als Mini-Atelier nutzten kann“, sagt Fritz Wagener, der Vorstand der Genossenschaft. Allerdings gestaltete sich die Übernahme als äußerst kompliziert. 

Und das wegen der Grundstücksverhältnisse. „Früher stand der 1962 errichtete Turm mitten auf einem Bauernhofgelände“, hat Sonfeld recherchiert. „Als der abgerissen wurde, blieb die Trafo-Station stehen, aber die Grundstücksverhältnisse wurden nicht vernünftig geklärt.“

Konkret: Ein Teil der gar nicht großen Fläche gehört verschiedenen Privatleuten, ein Teil ist öffentliche Grünfläche und ein Teil öffentliche Straßenfläche. Allein der angrenzende Garagenhof hat acht Eigentümer. So gab es Gespräche mit allen Beteiligten, die aber nicht fruchteten. Michael Sonfeld: „Fritz Wagener von der Adler-Genossenschaft, Dieter Paus und Anja Middeldorf von der Stadt Rheinberg, Westnetz-Planungsleiter Alexander Schneider und sein Team sowie Dirk Krämer, Kommunalbetreuer von Westenergie, haben wirklich alles versucht, aber leider ohne Erfolg.“

So setzt Michael Sonfeld jetzt einen letzten Hilferuf in der Hoffnung ab, dass noch jemand versucht, das Trafo-Türmchen am Lohmühler Weg zu retten. Sonfeld ist telefonisch unter der Nummer 01573 7355798 zu erreichen. Westnetz stellt neuen Nutzern die Türme inklusive der Grundstücksfläche kostenlos zur Verfügung, übernimmt die Notarkosten und stellt die Kosten, die das Unternehmen für den Abriss spart, als Anschubfinanzierung zur Verfügung. 

www.turmtransformation.de

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