Rheinberg: Laudana Backhaus ist Rheinbergs beste Gardetänzerin

Karneval in Rheinberg : Mehr als „Hacke, Spitze, hoch das Bein“

Laudana Backhaus (15) ist Funkenmariechen mit Herzblut. Zu Beginn der Karnevalssession 2018/2019 wurde sie zu Rheinbergs bester Gardetänzerin gekürt. Sie erklärt, worauf es bei dem Sport ankommt.

Wenn Laudana Backhaus über ihren Sport redet, funkeln ihre Augen so sehr wie die Strasssteine auf ihrem Kostüm. Laudana ist Funkenmariechen mit Herzblut. Dabei ist sie – anders als viele Mariechen – nicht mit dem Karneval aufgewachsen. „Ich habe verschiedene Sportarten ausprobiert, aber die waren mir zu langsam. Als mich meine Mutter mit zum Kinderkarneval ins Zelt genommen hat und ich zum ersten Mal so eine Tanzgarde gesehen habe, wollte ich direkt mittanzen“, sagt sie. Gardetanz ist nicht nur buntes Konfetti, sondern anerkannter Leistungssport.

Angefangen hat die 15-Jährige vor sechs Jahren in der Garde des 1. KG Rot-Weiß Borth. Schnell wurde ihr angeboten, alleine zu trainieren. Eine besondere Ehre, denn Solomariechen sein zu dürfen, ist die Königsklasse im karnevalistischen Tanzsport. Extreme Dehnbarkeit und Akrobatik wird verlangt. Flickflack, Handstand, Spagat und Salto reihen sich aneinander. Eine allzeit aufrechte Haltung ist gefordert. Und Schnelligkeit. „Der Gardetanz besteht aus 50 Prozent Tanz, 30 Prozent turnerischen Elementen und 20 Prozent Ausstrahlung“, beschreibt Laudana die Grundbausteine.

Was oft leicht aussieht, ist das Resultat eines jahrelangen Trainings. „Viele denken, es ist nur ein dreiminütiger Tanz. Aber wenn ich von der Bühne komme, bin ich so kaputt, als wäre ich einen Marathon gelaufen“, schildert Laudana die körperliche Anstrengung.

Dafür steht die Wallacherin jeden Freitag vier Stunden im Awo-Kindergarten und trainiert. Da der Karnevalsverein offiziell nicht als Sportverein eingetragen ist, bekommen die Funkenmariechen keine Nutzungszeit in städtischen Sporthallen. Laudanas Vater Martin Backhaus ist selbst im 1. KG Rot-Weiss Borth aktiv und bemängelt die Trainingssituation der Mariechen: „Es ist schade, dass so eine Sportart in den Hinterzimmern verschwindet.“ Vielen Karnevalsvereinen gehe es so, fügt er hinzu. Stünde ein richtiger Hallenboden und eine Spiegelwand zur Verfügung, könne man mehr herausholen.

Das straffe Trainingsprogramm der Europaschülerin zahlt sich aus. Bei den Stadtmeisterschaften im November bekam sie die höchste Tageswertung und ist zu Rheinbergs bester Gardetänzerin gekürt worden. Die aufregende Wettkampfatmosphäre ist für sie ein tolles Gefühl. „Wenn ich tanze, bin ich in meiner eigenen Blase. Danach tut alles weh. Ich bin kaputt, aber glücklich.“

Das Hoppeditzerwachen am 11. November ist offizieller Startschuss der Karnevalssession und gleichzeitig der Beginn der intensivsten Zeit eines jeden Funkenmariechens. Um die 30 Auftritte hat Laudana pro Session. An manchen Tagen steht sie auf drei verschiedenen Bühnen. Vier Monate lang reihen sich Turniere an Sitzungen. Bis zu den Karnevalsfeiertagen Anfang März.

Ist die Session vorbei, geht es wieder von vorne los: Bewertungsbögen von Turnieren werden studiert, neue Musik gesucht, Choreographien einstudiert, ein neues Kostüm angefertigt, Muskeln gedehnt und Kondition gestärkt. Nach Karneval ist eben vor Karneval. Die vierte Jahreszeit ohne Glitzerkostüm, Federhut und geflochtenen Zöpfen? Für Laudana unvorstellbar: „Ein Leben ohne Karneval ist möglich, aber sinnlos.“

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