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Rheinberg: Klassen-Obergrenze fürs Gymnasium vorgeschlagen

Debatte in Rheinberg : Obergrenze fürs Gymnasium vorgeschlagen

Norbert Giesen, Chef von Rheinbergs Europaschule, löst im Schulausschuss eine kontroverse Debatte aus.

Norbert Giesen, Direktor der Europaschule, hat im Schulausschuss in Rheinberg eine Debatte losgetreten, die nachwirken wird. Der scheidende Schulleiter – er geht im Sommer in den Ruhestand – hat vorgeschlagen, am Gymnasium nur noch eine bestimmte Anzahl von Klassen pro Jahrgang zuzulassen. „Der Schulausschuss sollte sich Gedanken darüber machen, ob man die Zügigkeit am Amplonius-Gymnasium auf vier Klassen pro Jahrgang begrenzt, um besser steuern zu können, welche Schüler an welcher Schule angemeldet werden“, so Giesen. Ihm komme es darauf an, dass bestehende Missverhältnis zwischen dem Gymnasium und der Europaschule, die zum nächsten Schuljahr in eine Gesamtschule umgewandelt wird, zu korrigieren.

Üblicherweise sei es in Städten, in denen es beide Schulformen gebe, dass etwa 60 Prozent der Kinder auf eine Gesamtschule und 40 Prozent aufs Gymnasium gingen, sagte Giesen weiter. „In Rheinberg ist es umgekehrt, das Verhältnis stimmt nicht. Und das ist nicht gut.“ Bei der Frage, woran es liege, dass in Rheinberg mehr Jungen und Mädchen zum Gymnasium gehen als zur Europaschule mit ebenfalls gymnasialer Oberstufe, könne er nur spekulieren. Die Rückkehr des Amplonius-Gymnasiums zu G9 (neun Jahre Schulzeit bis zum Abitur) könne ein Grund sein. Vielleicht liege es auch daran, dass an der Europaschule zunächst keine Ziffernnoten erteilt wurden (bisher noch in den Jahrgängen fünf und sechs), stattdessen gab es kompetenzorientierte Leistungsbewertungen.

Beide Schulen leisteten gute Arbeit, hob Giesen hervor. Allerdings wechselten Jahr für Jahr Schüler vom Gymnasium auf die Europaschule und hätten dann Schwierigkeiten, in dem anderen Schulsystem Fuß zu fassen. Giesen: „Fakt ist, dass wir nicht mehr auf die Schülerzahlen kommen wie bisher.“ Er sehe es als scheidender Schulleiter als seine Pflicht an, solche schulpolitischen Dinge anzusprechen.

Marcus Padtberg, Direktor des Amplonius-Gymnasiums, packte beim Vorschlag seines Kollegen das blanke Entsetzen. „Was Herr Giesen vorschlägt, bedeutet einen immensen Eingriff in unsere Schulkonzeption“, mahnte er. „Wir sind stabil fünfzügig. Würde man die Jahrgänge auf vier Klassen begrenzen, wäre das eine Entmündigung der Eltern. Das hätte massive Auswirkungen auf unsere schulische Arbeit.“

Im Ausschuss war man der Meinung, dass es kein gutes Signal sei, sich über den Elternwillen hinwegzusetzen. Bürgermeister Frank Tatzel meinte: „Ich hielte das für keine gute Entscheidung. Wir wollen den Elternwillen nicht untergraben.“