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Rheinberg: Klare Ansagen bei Jürgen Beckers Vorpremiere im Adler

Kabarett : Klare Ansagen bei Beckers Vorpremiere im Adler

Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker begeisterte das Publikum im Schwarzen Adler.

Es kommt vor, dass Künstler neue Programme vor kleinem Publikum ausprobieren, bevor sie auf großer Tournee sind. So nutzte der bundesweit bekannte Kabarettist Jürgen Becker aus Köln im „Adler“ die Chance, sein neues Stück „Die Ursache liegt in der Zukunft“ auszutesten – und er wurde direkt, offen, eindeutig und machte klare Ansagen.

Dass es mal ein paar politische Spitzen gab („Wenn Sie FDP googeln, kommt 20-mal Antidepressiva“) oder eine Prise Nostalgie („Früher gab es Fenstergucken, heute heißt das Flatscreen“) – geschenkt. Wie nuanciert er Netzkritik („Die Emsdettener Stadtwerke wissen alles über mich und mein e-Auto“) oder die Warnung vor der aufstrebenden Großmacht China („Huawei sponsert Kirche in Berlin - da gibt es statt Hostien die acht Kostbarkeiten“) formulierte - spannend.

Auch wie er eine Gesellschaft sezierte, in der sogar Freizeit „effizient“ sein muss oder 20.000 Tote durch Krankenhauskeime gegen jährliche 240 Milliarden Euro Gewinn deutscher Kliniken stellte – zugespitzt formuliert.

Diesmal wurde Jürgen Becker aber sehr viel grundsätzlicher, weil das System an sich in Bewegung geraten sei. Da ist sein Unverständnis über das Aufkommen rechter und rechtsradikaler Strömungen und einer AfD, die „weg von Demokratie zur Geriatrie“ und Jahrzehnte zurück will. Und deren Wahl im Osten durch geringeres Einkommen und Nicht-Anerkennung ihrer Biographie nicht begründet werden könne.

Da ist die Angst vor dem Klimawandel und die Auswirkungen eines „pervertierten“ globalen Kapitalismus, in dem „95 Prozent der Menschen noch nie ein Flugzeug gesehen hat“, und „60 Prozent der gekauften Klamotten“, die in Bangladesh zum Billiglohn produziert werden, nicht getragen werde. „Geht’s kränker ?“, so seine Frage.

Aber Becker wäre nicht Becker, wenn er diese harte Kritik mit seinem typischen Humor verkleiden würde. „Die Produktion von einem T-Shirt verbraucht 15.000 Liter Wasser – wenn Reiner Calmund einkauft, sinkt der Meeresspiegel.“

Seine Hoffnung ist ein Post-Kapitalismus mit weniger Konsum und Verzicht, der auch mal weh tun dürfe. Er setzt auf „eine Jugend, die die Geschichte mit baut“. Und im Kardinalsgewand bot er eine neue Utopie für das Land: „Jürgen Klopp als Bundeskanzler“, der die Leute zur Nachhaltigkeit motiviert, „Tempo 100 für E-Bikes, Fahrrad-Autobahnen und Seilbahnen“, dem Aufteilen der Unternehmergewinne und der „Heiligsprechung des Kondoms“ .

Und, typisch Jürgen Becker: Weil er selbst aus dem „Paradies Köln“ kommt, ging er mit einem Kasten Kölsch durch die Publikumsreihen im Schwarzen Adler und gab nach dem Motto „Freibier for future“ eine Runde für alle.