Rheinberg: Kirchengemeinden müssen sich von Immobilien trennen

Rheinberg : Weitere Veränderungen für St. Peter

Die Kirche am Großen Markt wird umgebaut. Pastor Martin Ahls rechnet auch mit kritischen Stimmen.

Im Pfarrheim „Altes Zollhaus“ wurde es beim traditionellen Neujahrsempfang der Pfarrei St. Peter am Dreikönigstag eng. Erstmals nach der Fusion im vergangenen Jahr nutzten auch die Gemeindemitglieder aus Borth, Ossenberg, Budberg und Orsoy das Treffen zum Erfahrungsaustausch. Martin Ahls betonte in seinem Rückblick, dass das abgelaufene Jahr bei allen Veränderungen und Beschwernissen sehr viel Schönes und Beeindruckendes mit sich gebracht habe.

Der Pfarrer der Großgemeinde hob neben vielen gemeinsamen Veranstaltungen im Kirchenjahr die vielen ökumenisch geprägten Angebote wie etwa die Schulgottesdienste hervor: „Selbst Beerdigungsgottesdienste anderer Konfessionen oder in anderen Kirchen sind für uns selbstverständlich, da muss man sich nicht mehr jedes Mal für anstrengen.“ Dafür gab es spontanen Applaus von den über 100 Anwesenden.

Auch in diesem Jahr müssen sich die Gläubigen auf Veränderungen einstellen. „Ich habe das Gefühl, das 2019 nicht langweilig wird“, so Ahls. Zu den anstehenden Projekten zählt der Umbau der Pfarrkirche St. Peter. Die Anordnung der Bänke wird zeitgemäß gestaltet, der Altar rückt mehr in den Mittelpunkt. Martin Ahls rechnet bereits vor Beginn der Bauarbeiten mit Kritik: „Es wird nicht jedem alles gefallen. Aber das muss man aushalten. Jede Entscheidung wird im Kirchenvorstand ausführlich diskutiert. Es ist uns wichtig, nicht sagen zu wollen: Wir haben da mal drüber gesprochen.“

Das gilt auch für die Orsoyer Kirche St. Nikolaus mit ihren riesigen Wänden. Ahls: „Wir überlegen im Moment forciert, wie es weitergehen kann und welche Kosten für die Renovierung notwendig sind.“ Ein viel diskutiertes Thema war in den letzten Wochen die Aufgabe der Eversaeler Kapelle St. Hermann-Josef und die weitere Nutzung des Gebäudes. Ahls kann das nicht nachvollziehen: „Das Thema stand bereits vor zwei Monaten in unserem Pfarrbrief, danach ist nichts passiert. Wir haben in den Gremien Entscheidungen getroffen, und die haben ihre Berechtigung. Ich bin der Letzte, der jemandem etwas wegnehmen möchte, auch wenn dieses Gefühl unterschwellig aufkommt.“ Den Pfarrer irritierte vor allem die Form der Kritik: „Mit Heimlichkeiten tue ich mich schwer. Es gibt Telefon, man kann uns eine E-Mail schreiben. Ich hoffe auf mehr Kommunikation.“

Heiner Berg, Vize-Vorsitzender des Kirchenvorstandes, erläuterte den Hintergrund: „Wir haben in den nächsten 25 Jahren bis zu 25 Prozent weniger Gläubige. Darauf müssen wir uns einstellen.“ Das hat auch wirtschaftliche Folgen. Das Bistum Münster gehe davon aus, in den kommenden Jahrzehnten rund ein Viertel der Kirchenimmobilien abbauen zu müssen. „Wir als Vorstand haben eine Verantwortung für die Kirche und für ihr Vermögen. Aber bei allen unseren Entscheidungen muss der Mensch im Vordergrund stehen.“

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