Rheinberg: Kirchengemeide schafft „FreiRaum“

Interview mit Pastor Udo Otten: Zahl der Kirchenbesucher nimmt ab

Die Evangelische Kirchengemeinde will dem schwindenden Gottesglauben mit „FreiRaum“ begegnen.

Die evangelische Kirchengemeinde Rheinberg lädt für Sonntag, 13. Januar, um 11 Uhr zu einem Segnungsgottesdienst in ihre Kirche an der Rheinstraße ein. Dieser ist Teil eines neuen Konzepts, das die Gemeinde „Gottesdienst FreiRaum“ nennt. Pastor Udo Otten erläutert die Hintergründe und Ziele im Gespräch mit der RP.

Herr Pastor Otten, was verbirgt sich hinter dem Wort FreiRaum?

Zunächst mal: Die Gemeinde kann mit durchschnittlich 50 Gottesdienstbesuchern pro Sonntag und auch jetzt wieder 20 Konfirmanden im Vergleich noch eine recht gute Bilanz ziehen. Aber auch bei uns nimmt die Zahl der Kirchenbesucher ab. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, woran es liegt und was wir tun können.

Und was sind die Gründe für zunehmend leere Kirchen?

Otten Es gibt weltweit eine zunehmende Säkularisierung. Der Gottesglaube schwindet – und für die, die noch glauben, der Anschluss an Kirche. Ich vermute: einer der Gründe liegt auch in der herkömmlichen Form, wie wir Gottesdienste feiern mit ihrer klassischen Liturgie, den klassischen Liedern und der Orgel als Hauptinstrument. Wir treffen damit das Lebensgefühl nur noch einer Minderheit der Menschen. Wir dürfen unseren ,Stamm‘ nicht verlieren, müssen zielgruppenorientierter denken: Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen brauchen auch unterschiedliche Gottesdienstformen zu unterschiedlichen Gottesdienstzeiten.

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Einen „FreiRaum“ also.

Otten Besser: Viele unterschiedliche Freiräume jeweils am zweiten Wochenende im Monat. Am zweiten Advent haben Gottesdienstausschuss, Presbyterium und Gemeinde sich erstmals in das Experiment gestürzt. Wir haben im Chorraum am Samstagabend einen großen Sitzkreis für gut 50 Teilnehmer gebildet, bei schöner Beleuchtung Geschichten erzählt und viele, oft neue Adventslieder gesungen. Die Bilanz auch der Teilnehmer aus den Nachbargemeinden war höchst erfreulich. Im Februar wollen wir im Haus der Generationen Essen und Beten – „Brunch and Bible“, auch beides gleichzeitig. Es wird Gottesdienste geben zum Beispiel für Menschen, die sich sorgen, oder die verliebt sind. An auch an unterschiedlichen Orten und Zeiten. Der normale Gottesdienst am Sonntag fällt dann aus.

Und an diesem Sonntag?

Otten Wir packen einen Rucksack fürs neue Jahr, reden und singen, und jeder kann sich wie bei der Konfirmation feierlich ganz persönlich segnen lassen. Ein Experiment halt. Schauen wir am Ende des Kirchenjahres einmal, ob es so klappt.

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