Rheinberg: Kabarettist Philipp Weber enttarnt Werbestrategien im Turbotempo.

Kabarett : Werbestrategien im Turbotempo enttarnt

Der Kabarettist Philipp Weber trat mit seinem Programm „Weber No.5: Ich liebe ihn!“ in der Rheinberger Stadthalle auf. Seine Gesellschaftskritik war bitterböse und bitterernst und erreichte die Zuschauer. Die waren ziemlich begeistert.

Philipp Weber tourt mit seinem Programm „Weber No.5: Ich liebe ihn!“ durch die Republik. Station machte er in Rheinberg, wo er ein restlos begeistertes Publikum hinterließ. Sich einfach hinsetzen und sich wortreich berieseln lassen, das ist nicht das Ziel des Abends, wie das Publikum schnell merkte. Im Gegenteil. Auch wenn Weber vorbereitet ist, sich zunächst noch in Nettigkeiten mit viel Lokalkolorit bewegte, den Niederrhein dabei hochleben ließ. Er setzte einiges voraus, wenn er sein Publikum im Turbotempo wortreich beinahe schwindelig redete. Er lief auf der Bühne hin und her, sprang vom Stuhl, der einzigen Requisite, auf, beugte sich ins Publikum, pickte sich Zuschauer heraus. Weber redete beim Ein- und Ausatmen nicht über irgendwelchen Klamauk, sondern redete sich in Rage. Manchmal zu schnell, überholt sich dabei selber und wurde in der Sprache undeutlich.

Die reich bestellten Felder von Werbe- und Marketingstrategien sind sein Betätigungsfeld. Nach dem Motto „Der Mensch kauft Dinge, die er nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die er nicht mag.“ Als Verbraucherschützer und Menschenfreund agierte er, wenn er über Artikel sprach, die die Menschheit kauft, ohne sie jemals zu nutzen, nur weil der Verbraucher auf die vorausgeeilte Werbung reingefallen ist. Ist Werbung Manipulation oder einfach nur die gut gemachte Präsentation eines Produktes? So braucht kein Mensch ein 45-teiliges Messerset, eine Salatschleuder, den Milchaufschäumer, einen Mayonnaise-Maker oder solche Gerätschaften, die erfolgreich Obst und Gemüse dehydrieren, sprich dörren. Vor allem: Hält die Werbung, was sie verspricht? Und dann war da noch das Thema Grillen mit dem Weber-Grill. Gibt es Käufer, die direkt und unmittelbar vom Produkt profitieren? Die meisten Verbraucher seien einfach in die Falle von Marketing und Werbung getappt. Denn sei der Verstand dank Werbung ausgeschaltet, öffne sich schnell das Portemonnaie. Weber hob gängige Werbung aus den Angel, hinterfragte aktuell laufende Fahrradhelm-Kampagnen wie die von Verkehrsminister Andreas Scheuer. Braucht der Radler wirklich noch einen Fahrradhelm im Bett? Weber ist „nicht der Büttel des internationalen Konsums“, sondern eher der Kritiker. Nicht nur, wenn es um Luxusuhren der Marke mit dem X am Namensende geht, mit denen Taucher und Nichttaucher bis in 1200 Meter Tiefe vorstoßen können. Weber beobachtet, analysiert. Was zunächst als satirische Spitze und ironisches Highlight daherkommt, ist bitterböse und bitterernst, bereitet dem Verbraucher im Publikum Schmerzen. Längst hat der sich als Opfer im täglichen Kampf um die Marktanteile erkannt. Erfolgreiche Werbung ist ein Leben lang präsent, so mit Slogans wie „Nur wo Nutella draufsteht, ist auch Nutella drin“. Mancher erinnert sich an die Spülmittelwerbung von Palmolive und Tante Tilly. Bis heute fische Käpt‘n Iglo erfolgreich auf Kindertellern herum. Je früher gesetzt, desto besser.

Marke werde zum Lebensbegleiter. Für jeden Lebensabschnitt die passenden Produkte, um sich und anderen ein Lebensgefühl auf höchstem materiellen Niveau vorzugaukeln.

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