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Rheinberg: KAB Ossenberg steht nach 112 Jahren vor dem Aus

Interview mit Wolfgang Sommer : KAB Ossenberg steht nach 112 Jahren vor dem Aus

Der langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe erklärt, warum Mitte des Jahres endgültig Schluss ist.

Die Ortsgruppe Ossenberg der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) steht 112 Jahre nach ihrer Gründung 1908 vor dem Aus. Bei der Jahreshauptversammlung im Josefshaus fand sich kein Vorstand. Die RP sprach mit dem langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Sommer.

Herr Sommer, Sie gehören der KAB seit Anfang der 70er Jahre an, engagierten sich ab 2002 als Schriftführer im Vorstand und übernahmen 2010 den Vorsitz von Paul Larmanns. Warum machen Sie nicht weiter?

Wolfgang Sommer Wir haben in der Ossenberger KAB 64 Mitglieder, der Altersdurchschnitt liegt bei 76 Jahren. Ich selbst bin 80 Jahre und hätte dennoch weitergemacht. Allerdings nur unter der Bedingung, dass auch die anderen Vorstandsämter besetzt werden. Dazu ist es aber nicht gekommen, deshalb mache auch ich Schluss.

Kam das überraschend?

Sommer Nein. Im November haben wir unseren jährlichen Besinnungsnachmittag erstmals ohne pastoralen Beistand abgehalten. Ganz bewusst, weil wir damals schon überlegt haben, wie und ob es weitergehen kann. Die Mitglieder konnten also ahnen, was passiert.

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Wie wurde die Entscheidung aufgenommen?

Sommer Es ist natürlich traurig. Mir persönlich geht das sehr nahe, ich musste in der Sitzung ein paar Mal schlucken. Ich habe die KAB-Arbeit immer mit sehr viel Herzblut betrieben. Andere KAB-Gruppen in der Umgebung haben aber die gleichen Probleme wie wir.

Gibt es kein Interesse mehr an KAB-Arbeit?

Sommer Jüngere Menschen sind offensichtlich nicht mehr für ein Engagement in einem christlich geprägten Verein zu begeistern. Wir haben uns in Ossenberg ein eigenes Profil erarbeitet, haben viele lokale Themen, auch politische, aufgegriffen.

Wie geht es jetzt weiter mit der Ortsgruppe?

Sommer Weil wir in Ossenberg keine eigenständige juristische Vereinigung sind, bleiben wir alle erst einmal KAB-Mitglieder im Bezirksverband Niederrhein. Mit Pfarrer Martin Ahls habe ich gemeinsam mit Theo Braems einen Gedankenaustausch geführt. Jetzt sind noch viele Formalitäten zu erledigen.

Wann ist dann endgültig Schluss?

Sommer Mitte des Jahres. Unser Ostereier-Essen, einen Ausflug zur Landesgartenschau und eine Radtour werden wir noch durchführen.