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Rheinberg: Jugendbetreuer gibt Ehrenurkunde zurück

Kritik an Einsparungen im Vereinssport :  Jugendbetreuer gibt Ehrenurkunde zurück

Willi Bourgund trainiert seit rund 35 Jahren den Hockey-Nachwuchs beim TuS 08 Rheinberg. Er protestiert dagegen, dass den Rheinberger Sportvereinen die finanziellen Mittel gekürzt werden sollen.

Die Sportvereine sollen weniger Geld bekommen. Das hat der Rat bereits beschlossen. Der Stadtsportverband hat deutlich gemacht, dass er diese Entscheidung nicht widerstandslos hinnehmen will. CDU, Grüne und FDP haben ihrerseits auf die angespannte Haushaltslage hingewiesen. Die Diskussion bleibt nicht ohne Folgen. Mit Willi Bourgund meldet ich jetzt erstmals ein Aktiver mit einem klaren Signal zu Wort. Er hat einen offenen Brief unter anderem an Bürgermeister Dietmar Heyde geschickt. Darin schreibt der Sportler, dass er „aufs Schärfste gegen die Einsparungspläne der Verwaltung sowie der CDU, der FDP und der Grünen bezüglich des Vereinssports in Rheinberg“ protestiere. Gleichzeitig hat er seine Ehrenamtsurkunde der Stadt Rheinberg zurückgegeben, die er vor vier Jahren für die Betreuung der Kinder im Sport erhalten hat. Bourgund: „Darüber hinaus überlege ich zurzeit, ob ich nicht die Jugendarbeit und Mitgliedschaft im Sportverein gänzlich niederlege.“

Willi Bourgund ist seit mehr als 55 Jahren Mitglied des TuS 08 Rheinberg und gehört seit 35 Jahren der Hockey-Abteilung des TuS in der Jugendarbeit an. „Ich leiste dort geschätzt durchschnittlich fünf Stunden in der Woche unentgeltliche Jugendarbeit. Für meine Helfer sieht das nicht anders aus“, so der Rheinberger. Zudem betreuten Mitglieder der Hockey-Abteilung des TuS 08 die Sport AG der Europaschule in Rheinberg. Eine weitere Sport AG an der Grundschule Am Rheinbogen in Budberg sei in Planung.

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Bourgund: „Das sind viele Stunden Jugendarbeit in der Woche, die wir nicht nur für unseren Sport, sondern auch für die Stadt Rheinberg leisten. Der Umfang ist in anderen Abteilungen und Vereinen sicher noch größer. Die Stadt Rheinberg hat weder die Möglichkeit noch das Geld, diese Jugendarbeit durch eigene Kräfte leisten zu können.“ Es gehe um Jugendarbeit, um Kinder, die schon jetzt teilweise motorisch gestört, zu dick seien und zu wenig Bewegung hätten. „Das scheint man in der Verwaltung und bei einigen im Rat vertretenen Parteien noch nicht verstanden zu haben.“ Wenn die Sportvereine ihre Tätigkeit einstellten, hätte die Stadt ein Problem, das noch viel größer sei als das Haushaltssicherungskonzept.

Das drohende Haushaltssicherungskonzept solle jetzt offenbar als „Totschlagargument“ für die geplanten Einsparungen im Vereinssport herhalten. Dabei trügen die Vereine ganz sicher keine Schuld an der schlechten finanziellen Situation der Stadt. In Rheinberg seien große Summen für Sportorganisationsuntersuchungen, Sportstättenkonzepte, Mobilitätskonzepte und andere externe Berater ausgegeben worden, „deren Ergebnisse fast alle in den Schubladen der Verwaltung und Politik verschwunden sind oder nach der jetzigen Lage noch verschwinden werden, weil sie nicht mit der ideologischen Verkrustung der Parteien übereinstimmen. Da hat auch niemand im Rat der Verschwendung das Wort geredet“, so der Rheinberger.

Inzwischen sei es so, dass viele in den Vereinen ehrenamtlich tätige Helfer ihre Clubs nicht nur durch ihre Arbeit unterstützten, sondern auch mit Geldspenden. Der Betreuer: „Sonst wären die Vereine schon jetzt nicht mehr lebensfähig.“

„Warum sollen jetzt die Vereine Lösungen finden?“, fragt das TuS-Mitglied. „Weil Politik und Verwaltung nicht zu bürgerorientierten Lösungen in der Lage sind? Weil die Parteien untereinander zerstritten sind und sich mehr mit sich beschäftigen als mit dem Wohl des Bürgers? Das wird in Rheinberg dazu führen, dass hier bald gar nichts mehr geht. Der Letzte macht das Licht aus!“

Er bittet den Bürgermeister und die betroffenen Parteien darum, die geplante Mehrbelastung der Rheinberger Sportvereine fallen zu lassen. „Verspielen Sie das in Sie gesetzte Vertrauen nicht“, warnt Willi Bourgund.

(up)