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Rheinberg: Jetzt fängt die Arbeit für die Adler-Genossenschaft erst richtig

Genossenschaft :  Jetzt fängt die Arbeit im Adler erst richtig an

Zum 1. Januar übernimmt eine neu gegründete Genossenschaft das traditionsreiche Kulturlokal in Vierbaum. Fritz Wagener aus Orsoyerberg ist der Vorstandsvorsitzende dieser Genossenschaft – und er ist ihr Gesicht und Motor.

Das Handy klingelt. Mitten im Gespräch mit Fritz Wagener. Der entschuldigt sich kurz und geht ran. Es geht um den Schwarzen Adler, am anderen Ende der Leitung ist eine Mitarbeiterin des Unternehmens, das in der Vierbaumer Gaststätte das Kassensystem zur Verfügung stellt. Die Geräte sollen so umgestellt werden, dass sie ab Januar den Umsatz der Adler-Genossen separat ausweisen können. Nur eines von 1000 Dingen, die Fritz Wagener und seine Mitstreiter vor dem nahtlosen Übergang der Gaststätte mit Restaurant und Kulturbetrieb klären müssen. Manche sind Kleinigkeiten, andere eminent wichtig. Und alle zielen auf den 1. Januar 2020. Ab dann gehört die Gaststätte mit Saal und Biergarten an der Baerler Straße nicht mehr Ernst Barten, sondern der Genossenschaft Schwarzer Adler Vierbaum.

„Wir sind auf der Zielgeraden mit unserer Idee“, schreibt Wagener gerade in einem Brief an alle Genossen. „Und wir haben es wirklich in dieser so kurzen Zeit von Juli bis jetzt geschafft. Haben eine Genossenschaft gegründet und 275.000 Euro von mehr als 250 Mitgliedern als Eigenkapital erhalten.“

Fritz Wagener Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Schwarzer Adler Vierbaum eG Foto: Uwe Plien

Wagener wurde zwischenzeitlich zum Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft gewählt. Auch wenn der 68-Jährige unentwegt betont, dass der Übergang nur im Team möglich gewesen und dass er nur ein Rädchen im Getriebe sei, so ist er doch das Gesicht und der Motor der Genossenschaft. Eine Satzung entwerfen und ausarbeiten, einen Businessplan schreiben, Personalgespräche führen, Infoabende organisieren und durchziehen, mit Eigentümer, Makler, Genossenschaftsverband, Ordnungsamt der Stadt, Architekten und Sachverständigen reden und verhandeln: In den vergangenen Monaten verging kaum ein Tag, an dem Fritz Wagener sich nicht intensiv mit seinem Lieblingslokal auseinandergesetzt hat. Und zwei, drei Situationen habe es gegeben, „da habe ich gesagt, wenn ich das nicht durchkriege, mache ich nicht weiter“, ruft der Initiator in Erinnerung. Weil er die Dinge geklärt haben und sich später nicht vorwerfen lassen möchte, nicht an alles gedacht zu haben.

Wie er zu der Idee gekommen ist, den Schwarzen Adler in eine Genossenschaft zu überführen? „Es kamen bei mir drei Sachen zusammen“, erinnert sich Wagener. „Ich hatte zufällig ein paar Monate vorher ein längeres Gespräch mit einem pensionierten Leiter eines Genossenschaftsverbandes, der mit Begeisterung von dieser Form berichtete, ein Unternehmen kooperativ zu führen. Und mit einzigartigen Privilegien gegenüber anderen Unternehmensformen. Das hatte ich so nicht gewusst.“

Hinzu kam seine persönliche Geschichte mit der Traditionsgaststätte Olischläger in Rheinhausen-Friemersheim. Als Kind und Jugendlicher sei er oft dort gewesen – die Besitzer waren seine Großeltern, seine Mutter ist dort aufgewachsen. Wagener: „Und wenn man da jetzt vorbeifährt, sieht man nur noch Wohnungen.“ Als er im Mai erfuhr, dass Adler-Chef Ernst Barten zum Jahresende aufhören und deshalb verkaufen wollte, „hatte ich sofort das Bild vor Augen, dass hier demnächst auch Wohnungen entstehen“. Und dass das über Jahrzehnte vertraute Nach-dem-Sport-Bier am Freitagabend mit alten Kumpels im Vierbaumer Adler dann nicht mehr möglich sein würde.

Mit Werner Susmann (inzwischen Vorsitzender des Aufsichtsrates der Genossenschaft) und Marco Nöchel (der wie auch Manfred Neuhoff dem Vorstand angehört) ging er das Projekt „Genossenschafts-Gründung“ an. Erfolgreich, denn inzwischen sind alle Hürden ausgeräumt.

Fritz Wagener – er ist zweifacher Vater und zweifacher Großvater – ist studierter Diplom-Kaufmann und war mehr als 30 Jahre leitender Angestellter bei der Ruhrgas AG, die später ein Teil von EON wurde. Er war im Personalmanagement beschäftigt und dort zuständig für die Führungskräfte, auch für die in Tochterunternehmen beschäftigten. „Dadurch kannte ich mich mit vielen Dingen aus, die für die Gründung der Genossenschaft erforderlich waren“, erzählt er. Er weiß auch, dass die Arbeit am Neujahrstag erst richtig beginnt. „Jetzt muss der Schwarze Adler leben“, unterstreicht der Orsoyerberger, „jetzt müssen die Leute kommen und dazu beitragen, dass der Plan aufgeht.“

Fritz Wagener, der den Jahreswechsel natürlich im Schwarzen Adler feiern wird, ist eines vollkommen klar: Sein Handy wird in Zukunft noch sehr, sehr oft klingeln.