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Rheinberg: In Budberg werden 90 Pappeln gefällt – trotz Brutzeit

Forstarbeit und Naturschutz : 90 Pappeln werden gefällt – trotz Brutzeit

Waldbesitzer Roderich Freiherr von Loe lässt an der Rheinkamper Straße in Budberg Bäume fällen. Anwohner und Naturschützer sind empört.

Die Kettensäge von Forstarbeiter Erwin Jaspers heult, sein Kollege Eric Smeets greift mit dem Bagger einen Baumstamm nach dem anderen, der monströse Ernte-Lkw („Forwarder“) lädt das Holz und schafft es weg. Seit Ende vergangener Woche werden an der Rheinkamper Straße zwischen den Baggerseen Pappeln gefällt. Rund 90 an der Zahl, viele von ihnen 50 bis 60 Jahre alt. Und das bringt viele Menschen auf die Palme.

Heinz Scholten zum Beispiel. Er wohnt in der Nähe und ist seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlicher Landschaftswächter. „Ich wurde sofort angerufen“, sagt er. „Ich frage mich, warum die Bäume gefällt werden müssen. Ich kann an vielen Stämmen nicht feststellen, dass sie innen hohl und faul sind. Wie will man den Leuten das erklären?“ Helga Martin, die nicht weit weg wohnt, meint: „Mit Entsetzen haben wir vorgestern gesehen, dass auf der Rheinkamper Straße, zwischen Freibad und Hecklerweg/Kastanienallee auf einer Strecke von rund 300 Metern die Bäume jetzt während der Brutzeit abgeholzt wurden. Dort brüten Nachtigall und mehrere Spechte. Wir sind geschockt. Das zum Thema Artenschutz und Klimawandel.“ 

 Der ehrenamtliche Landschaftswächter Heinz Scholten gehört zu denen, die laut fragen: Warum dürfen die Bäume in der Brutzeit gefällt werden?
Der ehrenamtliche Landschaftswächter Heinz Scholten gehört zu denen, die laut fragen: Warum dürfen die Bäume in der Brutzeit gefällt werden? Foto: Ostermann, Olaf (oo)
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Gelten für den Eigentümer andere Gesetze? Wer hat die Genehmigung erteilt? Wie kann man verhindern, dass weiter gefällt wird? Diese und ähnliche Fragen gehen und gingen vielen Menschen durch den Kopf. Auch Sylvia Oelinger vom Naturschutzbund (Nabu): „Uns stört, dass während der Brutzeit gefällt wird. Das ist kein gutes Zeichen, und das hätte man auch anders hinkriegen können.“ Ein Vorwurf, den auch Ulla Hausmann-Radau von den Grünen an den Eigentümer richtet: „Fällen in der Brutzeit, das geht gar nicht.“

Gefällt werden die Pappeln im Auftrag von Roderich Freiherr von Loe. Noch bis Mittwoch. „Ich bin auch nicht glücklich darüber, dass ich die Bäume in der Brutzeit fällen lassen muss, mir tut das auch in der Seele weh“, unterstreicht der Forstbesitzer. „Aber es geht nicht anders, es handelt sich um eine reine Verkehrssicherungsmaßnahme. Bei den Stürmen im Frühjahr sind bereits drei große Pappeln auf die Fahrbahn gefallen, deshalb müssen die Bäume entlang der Straße weg. Wenn ein Baum umkippt und jemandem etwas passiert, bin ich verantwortlich“, ergänzt von Loe.

Er habe vorgehabt, die Bäume schon im Februar oder März fällen zu lassen – ohne Erfolg. „Versuchen Sie mal, ein Unternehmen dafür zu kriegen“, so von Loe. Im Vorfeld der Fällungen habe er jeden einzelnen Baum nach Vogelnestern abgesucht. „Ich brauche zwar keine Fällgenehmigung für diese Maßnahme“, unterstreicht der Forstwirt. „Aber ich habe bestimmte artenschutzrechtliche Auflagen zu erfüllen. Dazu gehört, es zu vermeiden, dass geschützte Vogelarten zu Schaden kommen.“ Einmal habe er geglaubt, eine Spechthöhle entdeckt zu haben. Aber es habe sich um ein Wildbienennest gehandelt – „das habe ich mit Hilfe eines Imkers herausnehmen lassen“, so der Budberger. Er habe den Landesbetrieb Wald und Holz NRW und auch die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Wesel über seine Fällung informiert, versichert von Loe, der weitere Fällungen im Herbst an der Wolfskuhlenallee in Budberg plant.