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Rheinberg: „Helgedelic“ auf der Adler-Bühne Helge Schneider und "The Deadly Bros."

Konzert : „Helgedelic“ auf der Adler-Bühne

Nur für Genossen: Der berühmte Musik- und Quatschmacher Helge Schneider spielte im und für das Kulturlokal.

Wie der berühmte Musik- und Quatschmacher Helge Schneider ein Adler-Genosse geworden und wie es zu seinem Konzert im Schwarzen Adler gekommen ist – darüber ist in den vergangenen Wochen viel erzählt und geschrieben worden. Schneider präsentiert den 200 Zuhörern im Adler – die Karten sind nur an Genossenschaftsmitglieder verkauft worden – nun seine Version: „Da kam einer mit einem Zettel, den habe ich einfach unterschrieben. Und dann stand da was von Spende. Da habe ich gedacht: Oh nein, dann spiele ich doch lieber da!“

Gesagt, getan. Helge Schneider, der sonst mühelos die großen Hallen und Häuser füllt, gibt sich an der Baerler Straße die Ehre. Die Betonung liegt dabei auf „spielen“. Denn der Komiker verzichtet weitgehend auf seinen genialen Klamauk und zeigt lieber, was er musikalisch drauf hat. „Wir spielen heute eigene Stücke und ein paar von anderen“, kündigt er an. „Und das lassen wir uns auch von der AfD nicht verbieten“, spricht’s, begleitet von einem deftigen Schimpfwort, das Schneider in seinen Vocoder spricht. Das Gerät lässt Sprache und Gesang klingen wie eine Computerstimme.

Schon beim Vorgespräch beschreibt Helge Schneider das Konzept von „The Deadly Bros.“ So nennt er sein Trio mit dem Blues- und Jazz-Gitarristen Henrik Freischlader und Pete York, der in den Sechzigern als Drummer der Spencer Davis Group ein echter Pop-Star war. Schneider: „Wir spielen, worauf wir Lust haben, viel psychedelisches Zeug.“ Helgedelic könnte man sagen. Wer auf legendären Helge-Blödsinn wie Katzeklo, Bonbon aus Wurst oder sexy Käsebrot spekuliert, wird enttäuscht.

Die drei Männer gehen es improvisatorisch an, trommeln sich warm („Ein echtes Bongo-Solo aus der Bongolei“), nehmen jazzig Fahrt auf, legen sensationelle Soli hin, swingen und grooven, bis Dirigent Helge die Kurve kratzt und plötzlich einen ganz anderen Film anspielt. Dann singt er „Hey Big Spender“, kurbelt das metallische Uralt-Riff von „In a gada da vida“ an, zitiert „A whiter shade of pale“ auf seiner majestätischen Hammondorgel oder imitiert die Stimme von Westernhagen: „Pippi ist kein Name, sondern ein Getränk. Man kann sich ja mal vertun.“ Das Publikum kringelt sich vor Lachen.

So hüpfen die drei tödlichen Brüder von hü nach hott, vom Jazz-Klassiker „Sweet Georgia Brown“ hin zum hingehaucht langsamen „Stormy Monday Blues“. Am Ende, wen wundert’s, landen sie beim Rock’n’Roll: „Eight o’clock, nine o’clock, ten o’clock Rock, eleven o’clock, twelve o’clock, thirteen, fourteen o’clock Rock“, holpert es. Was für ein herrlicher Schwachsinn.

Zwischendurch lässt er sich dann natürlich doch hinreißen und blödelt, was das Zeug hält. Peter York, sein stramm auf die 80 zugehender britischer Trommel-Freund mit Wahlheimat München, leide unter dem Brexit, faselt Doc Schneider. „Bisher hat er sich seine Haarteile immer in Liverpool bestellt, jetzt muss er sie in Köln holen.“ Weil es doch gemein sei, Witze auf Kosten eines Freundes zu machen, nimmt er alles zurück und beteuert, Pete habe echte Haare: „Die hat er von Sinatra übernommen, hat sie sich einpflanzen lassen. Gebraucht.“

Helge Schneider im Adler, 36 Jahre nach seiner Premiere: Das Publikum ist begeistert, tritt zufrieden den Heimweg an, lacht viel und bekommt sensationelle Blues-Jazz-Rock-Improvisationen zu hören. Ein toller Abend. Und dank Helge Schneiders Großzügigkeit dürfen sich die Adler-Genossenschaft und die Kulturinitiative Schwarzer Adler auch über eine schöne Finanzspritze freuen. Eine runde Sache also – für alle.