Rheinberg: Heitere Reise auf Hape Kerkelings Spuren

Theater-Aufführung in Rheinberg : Heitere Reise auf Hape Kerkelings Spuren

Das Westfälische Landestheater nahm das Publikum in der Stadthalle mit dem Stück „Ich bin dann mal weg“ auf den Jakobsweg.

Bis ins 15. Jahrhundert zog Santiago de Compostela in Nordspanien mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. Seit den 70er Jahren ist die Wallfahrt nicht nur als touristisches Erlebnis wieder modern geworden: Viele Menschen erleben die Pilgerreise als Suche nach Spiritualität oder sich selbst. Einer von ihnen war Hape Kerkeling. Nach einem Zusammenbruch auf der Bühne legte der Komiker eine Auszeit ein. Er beschloss, auf dem Jakobsweg zu pilgern, um „so etwas wie einen Sinn in seinem Leben zu finden“, wie er damals erklärte.

Und Kerkeling marschierte im Juni 2010 nicht nur los, sondern schuf danach mit dem Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ auch einen Bestseller. Das Westfälische Landestheater hat die Pilger-Geschichte in seinen Spielplan aufgenommen und bereist damit die deutschen Bühnen. Am Dienstagabend spielten sie das Stück in der Rheinberger Stadthalle.

In der Theaterfassung von Monika Reithofer macht sich Mike Kühne als Hape Kerkeling auf den Jakobsweg. Und manches Mal glaubte man, da agiere gerade der „echte“ Kerkeling auf der Bühne. „Aha, jetzt bist du also durchgeknallt“, habe seine Freundin Isabell lapidar kommentiert, als er, der bekennende Couch-Potato, verkündete, seinen elf Kilogramm schweren knallroten Rucksack zu packen und sich auf den Weg zu machen.

„Wer den Jakobsweg geht, geht ihn, weil er keinen anderen Weg mehr gehen kann“, erklärt Kühne dem Publikum in der fast voll besetzten Stadthalle. Und auch, dass das Pilgermenü Pommes mit Fleisch sei und man seinen ersten Stempel schon bekomme, obwohl man noch keinen Meter gewandert sei. „Mesdames et Messieurs, Sie sind jetzt Pilger – am Ende bekommen Sie ein vergoldetes Zertifikat“, so wurden die Pilger am Startpunkt, in dem Städtchen St. Jean Pied de Port nahe der französisch-spanischen Grenze auf die Reise geschickt. Pardon, Wanderschaft. Auch Kerkelings Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen auf dem 800 Kilometer langen Camino Francés werden beschrieben. Etwa mit der bissigen Journalistin Lena, der zurückhaltenden Stella und dem Lebenskünstler Americo. Sie alle halfen Kerkeling durchzuhalten. Nach jeder Tagesetappe werden die Bühnenbilder ineinander verschoben, zwischendurch spielt die Regie Ausschnitte aus der Buch-Verfilmung ein, in denen die Oma zu sehen ist, bei der der Entertainer groß geworden ist. Sie sitzt in der Küche, spricht mit Hape, der auf seiner Pilgerreise oft an seine Grenzen kommt. „Und iss mal wieder“, ermahnt sie ihn.

Zwei Stunden wurde das Publikum in der Stadthalle in dem zeitgenössischen Stück mit auf den Jakobsweg genommen. Und es bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus.