Rheinberg: Hatice Akyüns Leben zwischen zwei Welten

Lesung im To Hoop : Hatice Akyüns Leben zwischen zwei Welten

Die Duisburger Autorin Hatice Akyün las im Alpsrayer To Hoop in intimer Runde aus ihren Büchern.

 Wenn Hatice Akyün über den Beginn ihrer schriftstellerischen Tätigkeit spricht, wird deutlich, wie wichtig ihr gesellschaftspolitisches Engagement ist. „Wir waren damals eine kleine Gruppe von Künstlern, die einfach sagten: Wir wollen in der Gesellschaft mitmachen“, erzählte die 50-jährige Tochter eines 1972 mit der Familie nach Deutschland eingewanderten Bergmanns.

Damit habe man der heutigen Generation den Boden bereitet: „Die Generation von heute sagt selbstbewusst: „Wir wollen ein Stück vom Kuchen abhaben.“ Als sie vor 16 Jahren mit dem Schreiben anfing, sei es ihr wichtig gewesen, neben den Berichten über „Zwangsverheiratung und kriminelle Mafia“ darzustellen, dass es in Migrantenfamilie auch „normale Menschen mit einem Alltag in Deutschland“ gebe. Dafür wurde sie 2009 mit dem „Duisburger Preis für Toleranz und Zivoilcourage“ ausgezeichnet.

Wie sich der Lebensalltag aus ihrer Sicht dargestellt hat, beschrieb sie vor einem Dutzend Zuhörern in sehr entspannt-unterhaltsamer Form bei ihrer Lesung im „To Hoop“ in Alpsray. Zwei Stunden lang las sie Auszüge aus ihrem auch verfilmten Werk „Einmal Hans mit scharfer Soße“, aus „Ali zum Dessert“, in der sie über ihr deutsch-türkisches Leben als Mutter schreibt, dem dritten Buch „Ich küss dich, Kismet“ (es handelt von ihrem Versuch der Auswanderung in die Türkei), und aus der Kolumnensammlung „Verfluchte anatolische Bergziegenkacke“.

Mit sprachlich feinem Florett bekannte sie dabei liebevoll-selbstironisch, dass auch Türken vorehelichen Sex haben. Sympathisch beschrieb Akyün den Zwiespalt des eigenen Vaters, der in Deutschland über das „schlechte Wetter“ und die ihm fehlende Herzlichkeit moppert und über den „schlechten Verkehr und das schlechte Gesundheitssystem“, wenn er in der Türkei ist. „Da fiebert er dann den Chipkarten und seinem Mercedes entgegen – das ist der Zusammenprall von Orient und Okzident.“ Sie erzählte von den ersten Männer-Geschichten, von Annäherungsversuchen, ihrem Flirt mit einem Angler in Hamburg, der ihr zwei Fische verkaufte, obwohl sie Fisch nicht mag: bis zu der heutigen Partnerschaft mit einem Schweizer, den sie erst für einen „anderen Deutschen“ hielt.

2020 will die Autorin ihr fünftes Buch veröffentlichen – vielleicht kommt sie dann wieder nach Rheinberg.