Rheinberg: Grüne-Politikerin kritisiert Warenvernichtung bei Amazon

Rheinberg : Amazon will nur sparsam vernichten

Der Internet-Großhändler räumt ein, dass er manche Retouren als Abfall deklariert. Das Unternehmen arbeitet daran, dass in Zukunft noch weniger Produkte weggeworfen werden.

Im Internet ist der Einkaufsbummel nur einen Mausklick entfernt. Viele Kunden nutzen mittlerweile gern und regelmäßig das große Angebot von Onlinehändlern. Branchenprimus: Amazon. Und der geriet in den vergangenen Monaten ins Kreuzfeuer der Kritik. Angeblich werden dort täglich neuwertige Waren im großen Stil vernichtet. Auch der Standort Rheinberg soll von der groß angelegten Vernichtung betroffen sein, heißt es in einem Bericht der „Greenpeace Nachrichten“ (Ausgabe 3/2018). Über die beschriebene Verschwendung von Ressourcen zeigt sich Barbara Ettwig von den Rheinberger Bündnisgrünen betroffen.

Antje Kurz-Möller, Pressesprecherin von Amazon Rheinberg, kennt diesen Greenpeace-Artikel nicht, berichtet aber, dass diese Vorwürfe schon von einem Fernsehmagazin erhoben worden sind. „Unser primäres Ziel ist es, so wenig Ware wie möglich zu vernichten“, wiegelt sie ab. Zu diesem Zweck habe man ein „Programm zu Vermeidung von Produktentsorgung“ aufgelegt. Die Zerstörung von Ware könne immer nur die ultima ratio sein, so Kurz-Möller.

Deshalb gebe Amazon seinen Kunden möglichst viele Informationen zur Kaufentscheidung an die Hand, die helfen, unnötige Rücksendungen zu vermeiden. „Übrigens werden in Rheinberg gar keine Retouren angenommen“, informiert die Pressesprecherin von Amazon Rheinberg. Grundsätzlich gehen Retouren bei Amazon nach Prüfung in den Wiederverkauf. Waren mit kleinen Mängeln oder Fehlern werden bei sogenannten Warehouse Deals zu vergünstigten Preisen angeboten. Können Produkte nicht verkauft werden, werden diese Aufkäufern angeboten.

Zudem arbeite Amazon eng mit der Plattform Innatura zusammen, die fabrikneue Sachspenden an gemeinnützige Zwecke vermittelt. „Wir übermitteln Innatura, was wir spenden können. Diesen Bestand kann die Organisation ihrem Bedarf entsprechend abrufen“, erläutert Antje Kurz-Müller das Prinzip. Lebensmittel werden komplett an örtliche Tafeln gespendet. Andere Produkte wie Elektronik werden gegebenenfalls in Einzelteile zerlegt und recycelt. „Das ist oft sinnvoller, als die Waren zurück nach China zu schiffen“, so die Sprecherin.

Viele Händler nutzen Amazon aber auch als Plattform, um ihre Ware zu verkaufen. „Diese Produkte gehören natürlich nicht Amazon. Hier bemühen wir uns, in Absprache mit den Händlern eine Lösung für Ware zu finden, die nicht mehr abverkauft werden kann“, so Kurz-Möller weiter.

Gerade bei Kleidung bestellen Kunden erfahrungsgemäß gerne in mehreren Größen und Farben, wohl wissend, dass ein Großteil dessen wieder zurückgeschickt wird. Retouren kostenpflichtig zu machen, könnte dazu beitragen, den Anteil zu vernichtender Waren weiter zu reduzieren. „Das betrifft den Standort Rheinberg nicht, da von hier keine Kleidung versendet wird“, informiert die Pressesprecherin. Grundsätzlich widersprächen kostenpflichtige Retouren aber dem Credo, ein kundenfreundliches Unternehmen zu sein.

Über konkrete Zahlen, in welcher Größenordnung und Häufigkeit Produkte vernichtet werden, informiert der Internethändler Amazon nicht.

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