Handwerk in Rheinberg Goldener Meisterbrief für Helmut Rust

Rheinberg · Der heute 92 Jahre alte Handwerker und Unternehmer hat die Meisterprüfung erst mit Anfang 40 abgelegt. Heute führt sein Sohn Axel die Malerwerkstatt Rust an der Hubert-Underberg-Allee in Rheinberg. Der Senior-Chef kann viel erzählen.

 Innungsobermeister Günter Bode (v.l.) verleiht Helmut Rust den Goldenen Meisterbrief. Rechts steht Axel Rust.

Innungsobermeister Günter Bode (v.l.) verleiht Helmut Rust den Goldenen Meisterbrief. Rechts steht Axel Rust.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Helmut Rust ist ein Phänomen. Der Mann ist 92 Jahre alt, wirkt aber locker 20 Jahre jünger. Er lacht viel, plaudert mit kräftiger Stimme über sein Leben, hat alle Zahlen, Daten, Fakten, Anekdötchen und Erinnerungen parat und sagt irgendwann: „Wissen Sie, ich habe in meinem langen Leben so viel erlebt, ich könnte ein Buch darüber schreiben.“

Am Freitag war Helmut Rust in der Malerwerkstatt Rust an der Hubert-Underberg-Allee, wo sein Sohn Axel, der den Betrieb schon seit der Gründung 1987 führt, seine Ehefrau Silke und die engsten Mitarbeitern alles für eine schöne Feierstunde vorbereitet hatten. Getränke, leckere Häppchen, selbst gebackener Kuchen und Kaffee. Der Anlass war ein besonderer: Helmut Rust wurde der Goldene Meisterbrief überreicht. Vor 50 Jahren hatte er seine Prüfung zum Maler- und Lackierermeister in Detmold bestanden. Die Meisterschule hatte Rust in Lemgo besucht.

Den Goldenen Meisterbrief überreichte der Obermeister der Maler-Innung im Kreis Wesel, Günter Bode. Für den Moerser war das ein besonderes Vergnügen. Denn Bode legte seine Meisterprüfung am selben Tag und am selben Ort ab wie Helmut Rust. „Mit dem Unterschied, dass ich damals erst 23 Jahre alt war und Helmut mit 42 Jahren schon ein gestandener Handwerker und Familienvater“, so der Obermeister.

Dass er sich so spät dazu entschieden hat, die Meisterprüfung abzulegen, lag in seinem beruflichen Werdegang begründet. Geboren 1931 in Homberg, absolvierte er seine Ausbildung von 1946 bis 1949 im Malerbetrieb Adolf Moos in Homberg. Sechs Gesellenjahre im Betrieb schlossen sich an. Danach wechselte Helmut Rust zur Firma Kurt Jacques in Rheinhausen. „Dort war ich von 1964 bis 1973 als technischer Angestellter im Büro“, so der Senior, der seit 1968 in Eversael zu Hause ist. In den sieben Jahren danach war er zunächst Geschäftsführer der Malerabteilung, bevor er dann ab 1980 Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Jacques Malerbetrieb GmbH war.

1987 erfolgte die Gründung der Malerwerkstatt Rust, bevor das Unternehmen 1991 in die damals neu gebauten Räume an der Hubert-Underberg-Allee umzog. Dort beschäftigt Axel Rust heute 18 Mitarbeiter und ist breit aufgestellt: Private und gewerbliche Kunden, auch Industriebetriebe lassen die Rust-Maler für sich arbeiten. Neben klassischen Maler- und Tapezierarbeiten werden Estriche gelegt und Innen- und Außenputze aufgebracht. Aufträge kommen auch von weit her. So war Rust in Linz am Rhein am Bau eines kompletten Einkaufszentrums beteiligt.

Axel Rust hat bisher 102 junge Leute ausgebildet, davon acht im kaufmännischen Bereich. Zuweilen arbeiten die Rheinberger zusammen mit Nachunternehmen. Dadurch, dass der Wohnungsbau in Deutschland lahmt, sieht Rust „große Herausforderungen auf unsere Branche zukommen“. „Die Stimmung ist derzeit nicht gut“, so der Unternehmer, „aber wir müssen nach vorne schauen.“

Helmut Rust hat noch bis 2001 im Unternehmen mitgearbeitet. Heute kümmert er sich um den Gemüsegarten auf dem Betriebsgrundstück – sein Hobby. Als Unternehmer sei ihm zugute gekommen, dass er früher als Geschäftsführer der Firma Jacques viel über Verhandlungstaktik gelernt habe. „Ich war immer dabei, wenn mit Thyssen, Krupp oder Babcock verhandelt wurde. Das war eine gute Schule.“

(up)