1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Rheinberg: Geschnitzter Kreuzweg ziert St.-Marienkapelle Strommoers

St.-Marienkapelle in Winterswick : Geschnitzter Kreuzweg ziert Strommoers

Der Verein zur Erhaltung der St.-Marien-Kapelle Strommoers in Winterswick hat rund um das Kleinod Relief-Tafeln aufgestellt. Die Holzschnitzarbeiten zeigen in 14 Stationen die Leiden Jesu von seiner Verurteilung bis zur Grablegung.

In der Kapelle Strommoers in Winterswick hängt schon seit vielen Jahren ein Kreuzweg. Gemalt: das Leiden Jesu in 14 Bildern. Seit der Zeit um 1600 werden Kreuzwege mit 14 bebilderten Stationen errichtet. Sie zeigen üblicherweise den Weg Jesu von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung und Grablegung. Jetzt hat der Verein zur Erhaltung der St.-Marien-Kapelle Strommoers, der sich erst im vergangenen Jahr gegründet hatte, auch auf dem schön gepflegten Außengelände der Kapelle einen Kreuzweg mit 14 Stationen angelegt – und zwar geschnitzt.

Irgendwann sei Pater Laurentius Englisch, ein als Künstler bekannter Franziskanermönch, zusammen mit Holzschnitzer Burkhard Beckmann aus Orsoy in der kleinen, nur wenige Meter von der Landstraße 137 entfernt gelegenen Kapelle gewesen, erinnert sich Heinrich Schug, der erste Vorsitzende des Kapellenvereins. „Die beiden kennen sich, und so entstand schnell die Idee eines Kreuzwegs.“ Der inzwischen 80-jährige Laurentius lieferte die Entwürfe, der jetzt 82-jährige Beckmann übernahm die Schnitzarbeiten.

Die 14 Tafeln aus dickem Eichenholz, ungefähr 45 mal 30 Zentimeter groß, sind an Vierkanthölzern befestigt und stehen entlang des kleinen Kieswegs, der vom Parkplatz zur Kapelle führt. Dargestellt sind (in dieser Reihenfolge) die Stationen mit den Namen „Richtet nicht“, „Das Kreuz annehmen“, „Gefallen“, „Begegnung mit der Mutter“, „Wer hilft tragen?“, „Veronika“, „Fällt zum zweiten Mal“, „Tröstet die Frauen“, „Er fällt zum dritten Mal“, „Entblößung“, „Angenagelt“, „Unterm Kreuz“, „Im Schoß der Mutter“ und „Am Abend kam die Taube wieder“. Die 14 Stationen des Kreuzweges an der St.-Marienkapelle Strommoers greifen die Tradition des Weges auf, den Franz von Assisi als leiblich gegangenen Weg meditierte. Es sei der Weg, den Jesus gegangen sei, „um uns einen Platz zu bereiten“, wie der Evangelist Johannes beschreibt: „Damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Ihr kennt den Weg.“

Schug und seine Mitstreiter freuen sich über die neue Attraktion, die am Samstag, 15. August, offiziell mit einer Andacht eingeweiht wird. Ach deshalb, weil sie nichts für den Kreuzweg bezahlen mussten. „Eine freundliche Spende“, erklärt der Vorsitzende. Ebenso wie das schicke Holzhaus auf dem Kapellengelände.

Solche Anschaffungen hätte der Verein mit jetzt 54 Mitgliedern finanziell gar nicht stemmen können, erklärt der Vorsitzende. Heinrich Schug gehört auch zum Vorstand der St.-Marienbruderschaft Winterswick – jenem Verein, der sich seit 1989 um die Kapelle kümmert, sie pflegt und renoviert.

Bis 2019 war die Ruhrkohle AG (RAG) noch Eigentümerin der kleinen Kirche. Älteste Hinweise auf das schöne Kleinod reichen bis ins Jahr 1003 zurück. Damals, so erzählt Schug, wurde das Hofgut Mursa im Güterverzeichnis der Benediktinerabtei Werden erwähnt, im gleichen Jahr ging das Hofgut Mursa als Stiftung an die Abtei St. Kunibert in Deutz. 1020 ging das Hofgut als Schenkung an die Abtei Maria im Kapitol in Köln über. 1050 ist das Hofgut Strommoers erstmals schriftlich erwähnt. Nun ist der von engagierten Mitgliedern der Bruderschaft gegründete Kapellenverein Eigentümer. „Die letzten Formalitäten sind jetzt bald abgewickelt“, berichtet Schug. So ist beispielsweise das Grundstück komplett neu eingemessen worden.

Bevor sich die Bruderschaft der Kapelle vor mehr als 30 Jahren annahm, war sie lange Zeit völlig in Vergessenheit geraten. „In den 60er Jahren wurde sie noch regelmäßig für Gottesdienste genutzt, danach nicht mehr“, erinnert sich Heinrich Schug, der in Winterswick aufgewachsen ist.