Rheinberg: Fehler im Amplonius-Buch

Stadtgeschichte : Ärger wegen Fehlern im Amplonius-Text

Ein Rheinberger weist nicht nur auf falsche Schreibweisen hin – er stellt das Bronze-Denkmal grundsätzlich in Frage.

Kaum ist der Jubel um die vor der St.-Peter-Kirche errichtete Amplonius-Bronzestatue verklungen (wir berichteten ausführlich), gibt es deswegen Ärger. Der Grund: Im Text des aufgeschlagenen, auf dem Sockel aus Basaltstein liegenden Buches, sind Fehler gemacht worden. An einer Stelle heißt es „Unzählige Rheinberger Jungen bot Amplonius die Möglichkeit ...“ Da fehlt im ersten Wort ganz offensichtlich ein „n“. Etwas weiter oben steht geschrieben: „Noch heute gilt die Bibliotheka Amploniana als weltweite größte.“ „Weltweit“ müsste es heißen, aber auch so stimmt was nicht mit diesem Satz. Als weltweit größte was? Bibliothek? Das mit Sicherheit nicht.

Edeltraud Hackstein ist 1. Vorsitzende des Heimatvereins Rheinberg. Ihr Verein hat das Statuen-Projekt realisiert. Sie sagt: „Der Text, um den es hier geht, ist aus Versatzstücken anderer, seit langem bestehender Texte zusammengesetzt worden. Der Text ist mehrfach von verschiedenen Leuten gegengelesen worden. Dass zwei Fehler darin sind, ist peinlich, aber das lässt sich nicht mal eben so ändern. Ich werde mit dem Bürgermeister darüber sprechen und wir werden überlegen, ob und was man machen kann.“

Auch Hans-Peter Fonteyne, der mit der Gestaltung der Amplonius-Statue beauftragte Künstler, ist ratlos. „Das kann eigentlich nur bei der Firma passiert sein, die das Klischee produziert hat. Der Text ist vorher zig Mal gelesen worden und war in Ordnung.“ Die Fehler zu beheben, sei nur mit großem Aufwand möglich. „Ich rechne mit Kosten zwischen 2000 und 4000 Euro.“ Ihm sei das peinlich, sagt Fonteyne; er habe die Fehler nicht zu verantworten, befürchtet aber, dass sie auf ihn zurückfallen. „So etwas ist noch bei keiner der von mir entworfenen Statuen passiert“, versichert der Sonsbecker.

Auf die Fehler aufmerksam gemacht hat der Rheinberger Wolfgang Faets. Ihm geht es allerdings nur vordergründig um die Schreibfehler – Faets bringt grundsätzliche Kritik an der amplonianischen Erinnerungskultur an. Der pensionierte Lehrer sieht die ausschließlich durch Spenden finanzierte Statue als Beispiel dafür, wie heute mit Kunst im öffentlichen Raum umgegangen werde. Er frage sich, „ob hier wieder einmal eine Variation des Hein-Hoppmannschen-Phantasieamplonius vorliegt oder ob es sich vielleicht doch um eine Darstellung von Darth Vader nach Abnehmen der Maske handelt“.

Als eigentliches Problem „dieses sogenannten Denkmals“ sieht Wolfgang Faets einen Punkt, von dem er glaubt, dass alle an diesem Projekt Beteiligten ihn nicht als Problem gesehen, geschweige denn verstanden haben: „Amplonius“, so der Kritiker, „kennzeichnen zwei außerordentliche Leistungen, die beide besonderer sozialer Art sind und ohne die er – bei aller Größe und Besonderheit seines Lebenslaufs – komplett vergessen wäre: Erstens ist das die Schenkung seiner Bibliothek an die Universität Erfurt, damit Studenten Zugang zu diesem Wissensschatz erhielten – damals eine Zuwendung ungewöhnlicher Art. Zweitens ist da die Zuverfügungstellung einer erheblichen Geldsumme für Stipendiaten. Der Kapitalgrundstock reichte aus, über Jahrhunderte vor allem junge Menschen intellektuell zu fördern.“

Amplonius habe auf dem Gebiet sozialer Wohltaten Außerordentiches geleistet – zu einer Zeit, in der der Gedanken des Soziales weitgehend abseitig gewesen seien. „Wenn man heutzutage des Amplonius gedenken will, dann kommt man um den sozialen Gedanken und seine besondere Betonung nicht herum“, so der Rheinberger. Ein passendes und würdiges Erinnern an Amplonius sei am besten im Bereitstellen von Stipendien für Rheinberger Schüler gewährleistet – „auf keinen Fall wäre es im Sinne des Amplonius, das Geld für obskure Bronzefiguren zu verballern und somit totzustellen“.

Er befürchte, dass den Initiatoren Kultur letztlich gleichgültig sei und dass Kultur mit ihren möglichen intellektuellen und sozialen Sprengkräften in ihrer Substanz nicht begriffen worden sei.

So sei das Ganze zu einem „Triumph der Ironie“ geworden. Faets: „Was auf den ersten Blick seine Gelungenheit zeigt, kehrt sich auf den zweiten Blick gegen sein Vorhaben: Es macht genau das lächerlich, was es verherrlichen soll.“

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