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Rheinberg: Es wird Zeit, an die Anwohner zu denken

Unsere Woche : Der Verkehr ist das Problem in Rheinberg

Im Rheinberger Bau- und Planungsausschuss wurde über das geplante Logistikzentrum an der Alten Landstraße debattiert. Eine breite politische Mehrheit ist gegen den Bau. Ob die Stadt das Vorhaben verhindern kann, wird sich zeigen.

Es gibt Rheinberger, die nur einen Steinwurf von der Bahnhofstraße entfernt wohnen. Unterhält man sich mit ihnen, so hört man Geschichten von unzähligen schlaflosen Nächten und von vorbeiratternden Lkw. Nicht nur tagsüber machen die Brummis ordentlich Krach, sondern auch nachts. Ein Anwohner erfasst die Anzahl der passierenden Lkw regelmäßig mit einer Kamera. Seine Protokolle präsentieren Zahlen, die einem die Sprache verschlagen können. Eine Bürgerinitiative, die die Zustände an der Bahnhofstraße verbessern möchte, befindet sich bereits in Planung.

Fünf Logistikzentren, ein sechstes in Planung, zudem bald noch das Woodpower-Kraftwerk bei Solvay mit der Anlieferung von bis zu 200.000 Tonnen Altholz pro Jahr – wo soll das noch hinführen? Die Zahl der ein- und auspendelnden Lkw nimmt weiter zu. Straßen sind verstopft, Anwohner genervt. Bei allem Respekt vor wirtschaftlichen Sachzwängen und wissend, dass die Stadtkasse leer ist und jede Gewerbeansiedlung Steuereinnahmen bringt und Arbeitsplätze schafft: Allmählich wird es doch Zeit, dass an die hier lebenden Menschen gedacht wird.

Was den geplanten Bau des Daimler-Ersatzteillagers angeht, so ist die Sache nicht ganz so einfach. Es gibt eine starke politische Mehrheit, die gegen das Vorhaben ist. Es gibt aber auch bestehendes Recht. Stellt die Stadt sich quer, kann sie das teuer zu stehen kommen. Die Entscheidung, die der Rat am 15. Dezember zu dem Thema fällen muss, wird nicht leicht sein. Wie auch immer die Sache ausgeht: Der Auftrag sollte lauten, im Nachgang weitere mögliche Standorte und bestehende Bebauungspläne zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Damit nicht bald ein Antrag für Logistikzentrum Nummer sieben ins Stadthaus flattert.

Uwe Plien

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