Rheinberg: Erweiterte Maut belastet Unternehmen

Rheinberg/Xanten: Erweiterte Maut belastet Unternehmen

Durch die Ausdehnung auf alle Bundesstraßen hat sich das Abrechnungsnetz für Lastwagen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht mehr als verdreifacht. Speditionen fürchten, von osteuropäischer Konkurrenz überrollt zu werden.

Die zum 1. Juli erweiterte Maut für Lkw kommt Unternehmen teuer zu stehen. Bis dahin berechnete der Anbieter Toll Collect nur die Kilometer auf den Autobahnen und autobahnähnlichen Bundesstraßen. Durch die Ausdehnung auf alle Bundesstraßen hat sich das Abrechnungsnetz für Lastwagen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht mehr als verdreifacht.

In Alpen an der Bundesstraße 58 und in Xanten-Marienbaum an der Bundesstraße 57 wurden dazu zwei Kontrollsäulen in Betrieb genommen. Sie unterscheiden sich von Radargeräten dadurch, dass sie nicht nur blau lackiert, sondern auch fast vier Meter hoch sind, betont Toll Collect. Georg Tietz ist Geschäftsführer von Hegmann Transit. Unternehmenssitz ist Sonsbeck, ein weiterer Standort ist in Wuppertal. Seine Schwerlaster spulen im Jahr etwa 3,2 Millionen Kilometer runter, 35 Zugmaschinen sind in ganz Europa unterwegs, zu 80 Prozent aber im Bundesgebiet. Die Ausdehnung der Mautpflicht verursache 80.000 Euro an Mehrkosten, sagt er. „Die tragen wir.“ Eine Weitergabe an den Kunden bietet sich wegen des hart umkämpften Speditionsmarkts nicht an. Man werde von osteuropäischen Anbietern überrannt, das deutsche Lohnniveau sei sehr hoch, und es fehle im Fernfahrergewerbe an Nachwuchs. Georg Tietz: „Die Decke wird immer dünner.“ Für ihn greift das Argument der Politik, die Maut würde deutsche Spediteure vor der ausländischen Konkurrenz schützen, nicht. Denn hiesige Unternehmen müssten ja auch Maut zahlen; staatliche Subventionen gebe es nicht.

Werden die Abfallgebühren wegen der Maut steigen? Das Entsorgungsunternehmen Schoenmakers, das am Niederrhein vielerorts den Müll einsammelt, ist mit zahlreichen Lkw auch auf den Bundesstraßen unterwegs. Pressesprecherin Anika Schuh schließt eine Gebührenanhebung wegen der Maut nicht aus. „Aktuell sind keine Preisanpassungen aufgrund der Lkw-Maut auf den Bundesstraßen vorgesehen. Sicherlich werden in Zukunft Gespräche zu diesem Thema stattfinden“, sagt sie auf Anfrage.

  • Xanten/Alpen : Mautsäulen an Bundesstraßen blitzen nicht

Die Katholische Karl-Leisner-Trägergesellschaft muss ebenfalls mit steigenden Betriebskosten durch die Maut rechnen. Ihr Logistikzentrum versorgt Kliniken mit Arzneimitteln, Medikal-, Wirtschafts-, Büro- und Verwaltungsbedarf, darunter auch in Xanten ein Seniorenpflegeheim und die Rettungsdienste des Kreises Wesel. Sprecher Christian Weßels sagt: „Für uns bedeutet die Maut eine signifikante Mehrbelastung.“ Aber trotz der Kostensteigerung werde man die Preise zunächst nicht erhöhen. Allerdings wäre man bei einer weiteren und deutlichen Erhöhung der Maut - „Die steht ja im Raum“ - gezwungen, die Mehrkosten zumindest teilweise an die Kunden weiterzugeben.

Die Landwirte hingegen können die Bundesstraßen-Maut entspannt sehen. Sie sollten ursprünglich ebenfalls zahlen, so dass schon es schon Gedankenspiele gab, wie Bauern die Zahlungen umgehen könnten, zum Beispiel durch Drosselung der Trecker auf 40 Stundenkilometer. Doch die Intervention bei der Bundesregierung kurz vor dem Stichtag 1. Juli hatte Erfolg, für Landwirte gilt eine Ausnahmegenehmigung. „Eine erfreuliche Nachricht. Darum haben wir lange gekämpft“, sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Wilhelm Neu.

Auch wenn nur in Alpen und Sonsbeck nur zwei Mautsäulen die Laster registrieren, sollte man sich nicht darauf verlassen, durch Nutzung von Nebenstrecken eine Zahlung zu umgehen, warnt Claudia Steen von Toll Collect. Die Säulen würden um mobile Kontrollen des Bundesamtes für Güterverkehr ergänzt.

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