Rheinberg: Erste Bilanz nach Einsatz von Rangern im Naturschutzgebiet

Naturschutz : Kreis Wesel verteidigt den Einsatz der Ranger

Erstes Fazit nach dem Start Mitte Juni fällt positiv aus. Hinweis an Protestler: Es gibt einen Zugang zum Rhein in Rheinberg.

Der Kreis Wesel hat den Einsatz von Rangern des Regionalverbands Ruhr (RVR) in Naturschutzgebieten verteidigt. Die Ordnungshüter sind seit Mitte Juni im Einsatz. Sie sollen die Rückzugsorte von Tieren sowie Pflanzen schützen und erholungssuchende Menschen über die mögliche Gefärderung der Arten informieren.

Zwei der im Kreis Wesel eingesetzten Ranger, Ulrich Gräfer und Jürgen Grewer, berichten nun von ihren ersten, überwiegend positiven Erfahrungen: „Die meisten Erholungssuchenden sind dankbar für Informationen, um zu verstehen, warum das widerrechtliche Betreten von Naturschutzgebieten so einen starken negativen Einfluss hat.“

Klaus Horstmann, Leiter des Fachdienstes Naturschutz im Kreishaus, rechtfertigt den Ranger-Einsatz: Das Betretungsverbot von Naturschutzgebieten werde in einigen Bereichen von zahlreichen Menschen, die es nicht besser wüssten, seit Jahren missachtet. „Durch die erheblichen Störungen ist ein deutlicher Artenrückgang erkennbar“, sagt Horstmann. Daher freue er sich über die positiven Rückmeldungen von Besuchern, Landwirten und Deichverbänden zum Ranger-Einsatz. Man habe ihm versichert, so Horstmann, dass es in den Naturschutzgebieten durch die Aufklärungsarbeit der Ranger bereits viel ruhiger geworden sei.

Mareike van Hemert, Koordinatorin im Fachdienst Naturschutz beim Kreis Wesel, erklärt ein weit verbreitetes Missverständnis: „Da sich Tiere häufig früh zurückziehen, kann der Eindruck entstehen, dass die Anwesenheit des Menschen nicht stört.“ Zudem hätten geschützte Arten wie der Flussregenpfeifer, der sein Gelege ins kiesige Rheinufer legt, durch ständige Störungen keine Chance mehr, sich in den Gebieten zu halten. „Daher kann ich verstehen, dass Bürger denken, dass es im Naturschutzgebiet keine besonders geschützten Arten gibt, die gestört werden könnten.“

Über das europäische Naturschutzförderprogramm „Life+“ sind insgesamt 3,2 Millionen Euro in den Orsoyer Rheinbogen geflossen. „Insofern ist die Ruhigstellung des Gebietes eine maßgebliche Voraussetzung dafür, dass mit diesen Steuergeldern auch eine größere Artenvielfalt erreicht werden kann“, so Klaus Horstmann weiter. Er reagiert auch auf den anhaltenden Protest von Spaziergängern und Hundehaltern in Ossenberg, die sich darüber beklagen, keinen Zugang zum Rhein mehr zu haben. Grundsätzlich sei es in Naturschutzgebieten lediglich verboten, sich abseits von gekennzeichneten, offiziellen Wegen aufzuhalten und Hunde unangeleint laufen zu lassen. Er könne nachvollziehen, dass jemand, der sich über Jahre in einem Gebiet frei bewegt habe, durch die Umsetzung von Verboten eingeschränkt fühle – „insbesondere dann, wenn er keine Ausweichmöglichkeit sehe, beispielsweise für einen Spaziergang mit dem Hund“.

In Rheinberg gebe es „bei Stromkilometer 804,5 einen offiziellen Weg zum Rhein und am Ufer selbst einen Bereich, groß wie ein Fußballfeld, auf dem sich Mensch und Hund aufhalten können“. Auch auf diese Bereiche würden die Ranger vor Ort hinweisen. Menschen sollten den Rhein weiter als Erholungsort besuchen können. „Ich bitte aber um Verständnis, dass das nicht an jeder Stelle geht“, betont Horstmann. Der Kreis Wesel sei zur Überwachung der gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet. „Da es sich bei den Naturschutzgebieten entlang des Rheins um europäische Schutzgebiete und damit um einen besonders schützenswerten Raum handelt, sind die Anforderungen an den Kreis Wesel hier besonders hoch“.

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