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Rheinberg: Erich und Christel Wehling sind zusammen 125 Jahre in der SPD

Ehrung in Rheinberg : Erich und Christel Wehling sind zusammen 125 Jahre in der SPD

Als Christel und Erich Wehling in die SPD eintraten, war Erich Ollenhauer noch der Parteivorsitzende. Seitdem haben sie mit der „alten Tante“ viel erlebt – und sind ihr immer treu geblieben. Dafür werden sie nun geehrt.

Sie stammen aus Duisburg, sind seit 65 Jahren verheiratet und gehören beide der SPD an – seit Jahrzehnten. Christel Wehling trat vor 60, ihr Mann Erich vor 65 Jahren in die Partei ein, die ihr Leben geprägt hat. Sie hätten sogar noch früher mitgemacht, hätten sie die damals fälligen drei Mark Monatsbeitrag bezahlen können. Das sei für sie viel Geld gewesen, sagen sie. In die Partei seien sie gegangen, weil man dort Freunde fand, viel lernen und als junger Mensch günstig reisen konnte. Beim Treffen des Ortsvereins am Samstag im Restaurant Honnen wird das Ehepaar – wie einige andere Mitglieder – nun geehrt.

Christel Wehling fand den Weg in die SPD über die Gewerkschaft Handel-Banken-Versicherungen. „Ich habe damals eine Ausbildung zur Verkäuferin gemacht“, erinnert sich die 85-Jährge. „Mein Arbeitgeber wollte aber nicht, dass ich die Berufsschule besuche. Die Gewerkschaft hat mir geholfen, das zu ändern.“ In der Gewerkschaft ist sie nicht mehr, der Partei hat sie die Treue gehalten und geht, ebenso wie ihr Mann, regelmäßig zu den Treffen der SPD-Senioren, der AG 60 plus. „Da haben wir Freunde, da fühlen wir uns zu Hause.“

Erich Wehling, Jahrgang 1934, war Verwaltungsbeamter, arbeitete 45 Jahre bei der Stadt Duisburg. Zum Schluss war er verantwortlich für 250 Schulen. Die Stadt ebnete dem Ehepaar auch den Weg auf die linke Rheinseite. Erich Wehling: „Die Stadt Duisburg hatte vorsorglich Baugrundstücke am Niederrhein gekauft, auch in Budberg, wo wir 1965/66 gebaut haben.“ Rund 40 Jahre haben sie im eigenen Haus gelebt, bevor sie sich vor zwölf Jahren kleiner setzten, seither leben sie in Orsoyerberg. Auch dort ist genug Platz, um drei Kinder, sieben Enkel und acht Urenkel samt Anhang zu empfangen.

Im dörflichen Budberg waren Sozialdemokraten damals Exoten. Auch weil er als Beamter nicht dem Bild des klassischen Malochers entsprach, fasste er schnell Fuß im Ort. Wehling kam 1968 in den Budberger Rat, wurde Fraktionsvorsitzender, war dies auch nach der kommunalen Neuordnung in Rheinberg. Mehr als 35 Jahre wirkte er als Ratsherr und Sachkundiger Bürger, dafür hat er den Ehrenring verliehen bekommen. Ihm lagen soziale Themen immer besonders am Herzen. Der aktuelle Zustand der SPD macht die Wehlings traurig. Sie wünschen sich, dass die „alte Tante“ wieder auf die Beine kommt, denn: „Es geht heute wieder um soziale Gerechtigkeit. Die Themen sind aktueller denn je.“