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Rheinberg: Entwurf für die Fortschreibung des städtischen Lärmschutzes liegt vor

Grüne sehen Defizite : Mangelhaft für neuen Lärmaktionsplan

Der Entwurf für die Fortschreibung des städtischen Lärmschutzes liegt vor. Die Grünen sehen erhebliche Defizite.

Lärm ist lästig. Mindestens das. Zu viel davon macht krank. Darüber herrschen kaum Zweifel. Wann aber bei Krach Grenzen überschritten werden, darüber streiten die Gelehrten. Dennoch. Die Stadt hat sich trotz anfänglicher Skepsis aus freien Stücken auf den Weg gemacht, ihre Bürger nach Möglichkeit künftig besser zu schützen und die Pöyry Deutschland GmbH damit beauftragt, den Lärmaktionsplan von 2009 fortzuschreiben. Das Werk soll möglichst flächendeckend geeigneten Lärmschutz vorschlagen, wo’s dringend geboten ist. Der Entwurf liegt nun vor. Bürger können auf der Internetseite der Stadt Anmerkungen hinterlassen, um zum Gelingen des Werkes beizutragen. Die Grünen halten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Sie stellen dem Entwurf ein miserables Zeugnis aus.

Fraktionssprecher Jürgen Bartsch und seine Mitstreiter in der Arbeitsgruppe Verkehr sind höchst unzufrieden mit dem, was vorliegt. „Es fehlt eine ganze Menge.“ Dabei sei es evident, dass sich an vielen Stellen im Stadtgebiet Klagen über Lärmstress häuften. Es könne nicht darum gehen, „nur punktuell, was zu machen“. Es gehe darum, das Thema Lärmbelastung, „eine Geißel der Moderne, systematisch anzugehen“.

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Betrachtet wird in Rheinberg vornehmlich Verkehrslärm. Die Grünen kritisieren diesen engen Blick, aber vor allem, dass der vorliegende Aktionsplan erst alarmiert, wenn tagsüber 70 Dezibel (dB (A)) und nachts 60 dB (A) überschritten werden. Dabei liege die gesetzliche Pflicht einzuschreiten schon jetzt deutlich niedriger, sagt Umwelttechniker Jörg Neumann, Mitglied im Verkehrsausschuss der Grünen aber nicht in der Partei. Höchstrichterlich seien 59 dB (A) am Tag und 49 dB (A) in der Nacht als Grenzwerte anerkannt. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen gehe noch einen Schritt weiter, ganz zu schweigen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die sehe eine Gesundheitsgefahr bei 53 dB (A) tagsüber und 45 dB (A) in der Nacht. Die Grünen wären zunächst zufrieden, wenn der Rat in seiner Betrachtung die Grenze für Eingriffe um fünf Dezibel herabsetzen würde.

Schon das sei spürbar. Schon drei Dezibel weniger kämen rechnerisch einer Halbierung der Verkehrsmenge gleich, so Neumann, Lkw-Verkehr würde sogar auf ein Drittel zurückgehen. Theoretisch. Maßnahmen brächten nicht nur Gewinn für die Gesundheit, sondern werte auch die Immobilien an der Strecke auf, so Bartsch.

Maßnahmen müssten nicht teuer sein. Sehr effektiv, so Experte Neumann, sei Tempo-Drosselung, die nicht nur die Sicherheit erhöhe, sondern auch den durch Lärm verursachten Stress verringere. Ansätze sehen die Grüne nicht nur für im Gutachten genannte „Hotspots“ wie Bahnhofstraße zwischen Innenstadtwällen und Bahn (Tempo 30), B 58 zwischen Borther und Alfred-Straße (Sanierung der Aspahltdecke) sowie L 137 in Winterwick (Tempo 70). Auch die Alpener Straße rufe auf den Lärmaktionsplan. Überhaupt habe das kleine Alpen den Weg gewiesen, wie man die Bürger auf kommunaler Ebene schon bei der Bauleitplanung wirksam vor Lärm schützt.