Rheinberg: Entscheidung zur City-Sperrung mutig bis waghalsig

Sperrung in Rheinberg : Eine mutige, fast waghalsige Entscheidung

Der Bauausschuss hat sich dazu entschieden, den Fisch- und Holzmarkt probeweise für ein Jahr zu sperren. Der ehrbare Versuch, das Herz der Stadt noch gastfreundlicher zu gestalten, dürfte nicht allen gefallen. Ärger ist programmiert.

Das ist ein mutiger Schritt, den die rot-grüne Mehrheit im Bauausschuss da in dieser Woche mit dem Probelauf für den Holz- und Fischmarkt getan hat. Mindestens ein Jahr lang soll die City-Ader auf einer Länge von 60 Meter verstopft werden. Ehe dann endgültig entschieden wird, ob der Versuch zur Dauerlösung wird. Ein gravierender Einschnitt in die Verkehrsbeziehungen in der Stadt, der nicht folgenlos bleiben wird. So viel ist sicher. Sicher ist auch, dass nicht alle die – örtlich betrachtet – historische Entscheidung begrüßen. Das allein wurde am Riss deutlich, der durch den Ausschuss ging.

Dumm nur, dass nicht im Vorfeld die Absicht öffentlich debattiert worden ist. Es gibt viele Betroffene, die es verdient hätten, umfassend Gehör zu finden. Vor der Entscheidung. Im Nachgang die Öffentlichkeitsmaschine anzukurbeln, um die Bevölkerung ins Boot zu holen, kommt spät. Fraglich, ob’s gelingen kann, Akzeptanz zu finden für eine strittige Entscheidung, die steht.

Der Aufschrei der Geschäftsleute in Citylage ist vernehmbar, ohne dass sich bisher jemand öffentlich zu Wort gemeldet hat. Die Sorge, dass Kunden wegbleiben, dürfte mit Erfahrungswissen unterfüttert sein aus dem halben Jahr, als der Abschnitt wegen Umbau dicht war. Die Wirkung wird in der Kasse zählbar gewesen sein. Die Befürchtung, dass insbesondere Kunden aus der nördlichen Nachbarschaft außen an Rheinberg vorbei fahren, ist zumindest nachvollziehbar. Auch die Anwohner der Goldstraße und rund um die Kirche werden, man muss kein Kaffeesatzleser sein, nicht amüsiert sein, über den Pfropfen, der die City autofreier macht. Aber: Verkehr sucht sich andere Wege, um weiter zu fließen. Ob eine dreistündige Zählung von Fachleuten reicht, um reale Betroffenheit zu bemessen, sei derweil einmal dahingestellt.

Der Preis, das umgestaltete Herz der Stadt mit höchst einladenden Gastronomie-Fassaden noch wohnlicher zu machen, ist verdammt hoch. Es wäre verdammt wichtig gewesen, die zukunftsweisende Absicht, auch wenn sie seit Jahren immer mal wieder im Raum stand, breit zu erörtern. Es geht eben um viel mehr als eine verkehrspolitische Weichenstellung.

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