Rheinberg: Einzelhandel ächzt unter Baustellen-Last

Innenstadtentwicklung : Einzelhandel ächzt unter Baustellen-Last

Die Buchhändler Petra und Klaus Neumann beklagen rund 30 Prozent Umsatzrückgang. Mit einem „Baustellenräumungsverkauf“ wollen sie Kunden anlocken.

Klaus und Petra Neumann ziehen die Reißleine. „Wir müssen etwas tun, damit uns nicht alle Kunden ausbleiben“, betont Klaus Neumann, der mit seiner Frau im Jahr 2000 die Buchhandlung Schiffer am Holzmarkt mitten in Rheinberg übernommen hat. „Durch die verschiedenen Baustellen in der Innenstadt kämpfen viele Unternehmen um Kundenfrequenz und Umsatz. Dabei geht es auch um unsere Existenz. Leider fällt der Verwaltung immer wieder einmal etwas Neues ein, was umgestaltet werden muss. Natürlich von den Parteien im Rat vorher beschlossen. Ob dies wirtschaftlich verträglich ist oder nicht, ist dabei wohl nebensächlich.“

Neumanns führen die im Jahre 1925 gegründete Buchhandlung Schiffer nun im 20. Jahr. Klaus Neumann: „Auch wenn es wehtut: Wir führen jetzt bis zum 31. Mai – dann soll die Baustelle Holz- und Fischmarkt ja beendet sein – einen Baustellenräumungsverkauf durch. Das machen wir nicht, weil wir unseren Laden schließen wollen, sondern, um Kunden wieder in die Innenstadt zu ziehen.“ Die Devise der Aktion: Es gibt 30 Prozent Preisnachlass auf alles, was nicht dem Preisbindungsgesetz unterliegt. Sprich: Bis auf Bücher und Zeitschriften wird alles günstiger. Als Klaus und Petra Neumann das Geschäft von Maria Schiffer übernahmen, arbeiteten inklusive der beiden Inhaber 21 Mitarbeiter in der Buchhandlung, davon neun Vollzeitkräfte. Klaus Neumann: „Heute sind wir insgesamt nur noch neun Mitarbeiter.“ Um 25 bis 30 Prozent sei der Umsatz gesunken, seit die Bauarbeiten im Dezember begonnen haben. An manchen Tage verirrten sich nur einzelne Kunden in den Laden und die Kasse bliebe weitgehend leer. Aber Miet- und Fixkosten bleiben gleich.

Klaus Neumann: „Umso ärgerlicher ist es, wenn plötzlich wie jetzt der Durchgang neben unserem Geschäft zum Parkplatz Alte Poststege gesperrt wird und man uns nicht darüber informiert. Kunden parken dort und wollen zu uns kommen und erreichen das Geschäft nicht. Das ist ärgerlich.“

Er sehe Rheinberg grundsätzlich gut aufgestellt, sagt der Geschäftsmann. Aber die Stadt Rheinberg könne noch einiges tun, um für Investoren attraktiver zu werden. Neumann: „Zum Beispiel Gespräche mit Vermietern führen. Diese könnten dann die Miete für Neumieter ein Jahr lang komplett erlassen, im zweiten Jahr könnte die Stadt einen Zuschuss geben. So ist das in Willich gemacht worden. Dort gibt die Stadt pro Laden 500 Zuschuss im zweiten Jahr der Vermietung.“ In einem historischen Städtchen wie Rheinberg müsse die Aufenthaltsqualität weiter verbessert werden. Das Café „Deins Deli & More“ am Markt mit einem Tagesangebot sei ja schon ein Anfang. Außerdem sollten alle Parkplätze kostenfrei werden, findet Neumann, der unterstreicht: „Die Stadt braucht Impulse.“ Und sei es nur, dass Underberg bei der Landesgartenschau seine Kräutergarten öffne – Hauptsache, es kämen Menschen in die Stadt.

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