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Rheinberg: Einmaliger Kunstmarkt für Feltisten

Aktion im Rheinberger Stadtpark : Einmaliger Kunstmarkt für Feltisten

Im Spanischen Vallan in Rheinberg wurden Werke aus dem Nachlass des verstorbenen Bildhauers und Grafikers Leo Feltes angeboten. Das Interesse war groß: Schon bevor der Verkauf startete, bildete sich eine lange Schlange.

„Stefan Feltes hat hier an der Tür geklopft und gesagt, dass er das ganz toll findet, was wir hier machen, und dass er das gerne unterstützen würde“, erinnerte sich Manu Bechert, die mit ihrem Freund Renan Cengiz seit einem Jahr im Spanischen Vallan ein künstlerisches Zuhause gefunden hat. Rund 300 Bilder und Plastiken vom Rheinberger Bildhauer und Grafiker Leo Feltes fanden kurze Zeit später den Weg in den Vallan. Weil es der erklärte Wunsch der Feltes-Söhne war, dass die Werke ihres Vaters einen Platz in Rheinberger Haushalten finden sollten, fand am Sonntag rund um den markanten Turm im Stadtpark ein einzigartiger Kunstmarkt statt.

Bevor es dazu kam, tauchte allerdings ein Problem auf: Bechert und Cengiz hatten keine Ahnung davon, welchen Wert die Radierungen haben. Schließlich hat Leo Feltes Druckplatten angefertigt und seine Werke in unterschiedlichen Mengen produziert. „Stefan Feltes hat uns zum Glück beraten, und so wussten wir, welche Bilder seltener sind und welche nicht“, erklärte Manu Bechert. Zwischen 20 und 45 Euro veranschlagten die beiden schließlich für die meisten der 70 angebotenen Werke. Die Einnahmen sollen komplett für die Durchführung von Veranstaltungen verwendet werden.

  • Eine Radierung von Leo Feltes zeigt
    Aktion am Sonntag im Rheinberger Stadtpark : Kunstmarkt am Spanischen Vallan
  • Manuela Bechert und Renan Cengiz im
    Angebote im Rheinberger Stadtpark : Kulturarbeit im Spanischen Vallan entwickelt sich
  • Attila Bloj (li.) und Jürgen Berbalk
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Dementsprechend gespannt war das Autorenpaar auf die Resonanz und wurde dabei positiv überrascht. „Eine halbe Stunde bevor es losging, bildete sich unten an der Treppe eine lange Schlange und um elf Uhr war es hier richtig voll. Das waren echte Feltisten, die ganz gezielt die wertvollsten Bilder herausgefischt haben“, sagte Manu Bechert. Jeder Käufer erhielt einen Bildband kostenlos dazu, in dem Stefan Feltes die bedeutendsten Kunstwerke seines Vaters vorstellt. Neben den Büchern lagen zwei Mappen mit weiteren Radierungen des Stammen-Schülers zum Stöbern bereit. Darin enthalten waren Werke, die selbst Wegbegleiter des Künstlers staunen ließen: Bilder aus Spanien etwa oder Akte einer unbekannten Frau. Heinrich Lenzen musste bei dem Anblick schmunzeln. Der ehemalige Landwirt zog ein Foto aus der Jacke, dass Leo Feltes nackt auf einem Vespa-Roller zeigt. Eine Radierung kaufte Lenzen aber nicht und das aus gutem Grund. „Wenn früher jemand Geburtstag hatte, wurde ein Bild von Leo Feltes verschenkt, die kosteten 15 DM. Ich habe den ganzen Flur voll davon“, erzählte der 76-jährige.

Während Motive wie der Scheffel, das immer wiederkehrende alte Rathaus oder die St. Peter Kirche auch heute noch von jedem Rheinberger auf den ersten Blick erkannt werden, verhält sich das zum Beispiel bei dem alten Landhaus inmitten von Wiesen anders. Anhaltspunkte gibt es keine, denn Leo Feltes hat seinen Bildern weder Namen gegeben, noch ein Entstehungsdatum darunter vermerkt. Der immergleiche Text darunter lautete lapidar „Originalradierung“ gefolgt von der Drucknummer und der Gesamtauflage. Das führte rund um den Vallan zu lebhaften Diskussionen, erzählte Gisela Cengiz: „Die Besucher schwelgten beim Anblick mancher Bilder sofort in Kindheitserinnerungen und haben auf diese Weise viele Motive erkannt.“

Neben den Radierungen wurden Skulpturen versteigert wie etwa eine Tonkanne mit dem Rheinberger Wappen. Weil längst nicht alle Exponate aus dem riesigen Nachlass einen Käufer fanden, planen Bechert und Cengiz im kommenden Frühjahr eine zweite Aktion. „Wenn sich eine Gelegenheit finden sollte, wäre aber auch eine Dauerausstellung denkbar“, überlegte Renan Cengiz.

(erko)