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Rheinberg: Ein Podcast für besondere Menschen

Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein : Ein Podcast für besondere Menschen

Katja Waldhauer hat Anfang des Jahres ihren ersten Podcast ins Netz gestellt. Sie möchte Menschen sichtbar machen, mit denen kaum jemand spricht. Zum Beispiel die 26-jährige Vanessa Keßler, die auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Ein kleines Mikrofon steht mitten auf dem Tisch. Mehr braucht es nicht für ein Interview zwischen Vanessa Keßler, beschäftigte Mitarbeiterin der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN), und Katja Waldhauer, Erfinderin des Podcast „Sag ruhig wir zu uns“. In ihrem Podcast stellt sie Menschen vor, die Ausgrenzung und Vorurteile in ihrem Alltag erleben. Mit Vanessa Keßler spricht sie über Beeinträchtigungen, Barrierefreiheit, tägliche Herausforderungen und den Umgang damit.

„Ich mache bei dem Podcast mit, damit die Leute ihre Vorurteile verlieren“, erzählt die 26-jährige Vanessa Keßler, die nicht gerne von Behinderung spricht, sondern das Wort Beeinträchtigung viel passender findet. Behindert, das fühle sich an wie eine Beleidigung und sie sei ja kein anderer Mensch, nur weil sie im Rollstuhl sitzt. Damit setzt die junge Frau ein klares State­ment zum Beginn des Gesprächs. Sie wünscht sich, dass die Menschen mit ihr sprechen und sie nicht, so wie ihre Nachbarn, nach drei Jahren immer noch anstarren.

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Vanessa Keßler antwortet mit Witz auf Fragen, die Katja Waldhauer ihr stellt. Die Podcast-Macherin geht dabei behutsam vor, die Antworten kommen direkt. Auf die Frage, ob sie gern zur Arbeit gehe, antwortet sie: „Wenn ich nicht so früh aufstehen müsste, ginge ich noch lieber“. Es ist ein offenes Gespräch, das die beiden Frauen führen.

Katja Waldhauer hat Anfang des Jahres ihren ersten Podcast ins Netz gestellt. Sie möchte Menschen sichtbar machen, mit denen kaum jemand spricht: „Wie können wir Menschen und ihre Besonderheiten verstehen, wenn wir nichts über sie wissen?“, fragt die gelernte Ergotherapeutin. Da ist sie bei Vanessa Keßler richtig. In ihrem Leben gibt es alltägliche Hürden, über die sich niemand Gedanken macht. „Wenn der Fahrstuhl kaputt ist, kann ich nicht zur Arbeit gehen, und bevor ich ins Kino will, muss ich fragen, ob es barrierefrei ist“, erklärt Keßler, die auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen ist. Schon im Kindergarten musste sie einiges wegstecken und früh war ihr bewusst, dass sie anders ist. Erst viel später habe sie verstanden, warum. Heute ist sie selbstbewusster und geht mit einem Lächeln durch den Tag.

Das schönste Thema der Welt, die Liebe, darf in einem so persönlichen Interview nicht fehlen. Wie es dann da aussehe, fragt Katja Waldauer. „Dezent“, ist die charmante Antwort der 26-Jährigen. Bislang war der Richtige noch nicht dabei. Zuverlässig und humorvoll soll er sein, der Prinz, und natürlich optisch ansprechend.

Zum Ende des Gesprächs geht es um die Frage, wie die Menschen der jungen Frau begegnen sollen und was sie sich wünscht: „Bitte seid nicht vorsichtig mit mir“, ist ihr Appell. „Und fragt mich, wenn ihr etwas wissen wollt“. Damit kann Vanessa Keßler viel besser umgehen als mit Ignoranz oder Schweigen.

Unter www.sagruhigwir.de ist der Podcast mit Vanessa Keßler zu hören.