1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Rheinberg: Ein neues Gesicht für die Wallanlagen

Sanierungskonzept Historischer Ortskern : Ein neues Gesicht für die Wallanlagen

Im Bau- und Planungsausschuss hat das Bottroper Büro Drecker den Gestaltungsentwurf vorgestellt – auch den für das Stadtburgareal. Historische Elemente sollen stärker betont werden. Die Politik will die Vorschläge jetzt in Ruhe beraten.

Die Umgestaltung der Wallanlage und des Stadtburgareals sind die letzten beiden Blöcke, die die Stadt im Zuge des Sanierungsgebietes Historischer Ortskern Rheinberg angehen will. Das Bottroper Büro Drecker ist mit der Planung beauftragt worden. Peter Drecker und seine Mitarbeiterin, Raumplanerin Lena Fohs, stellten ihren Gestaltungsentwurf jetzt im Bau- und Planungsausschuss vor.

Ein paar Grundsätzlichkeiten schickte Planer Drecker vorweg: „Die Stadthistorie ist uns heilig.“ Und „Die Wallanlage hat einen sehr hohen stadthistorischen Wert.“ Entsprechend sensibel müsse man damit umgehen. Der Wall, der den Verlauf der ehemaligen Stadtbefestigung markiert, sei weitgehend erhalten. „Unsere erste Aufgabe ist es, den Rundweg zu vervollständigen und historisch bedeutende Punkte deutlich sicht- und erkennbar zu machen“, sagte Fohs. Dabei sollen die ehemaligen Stadttore und der Pulverturm eine besondere Rolle spielen. Die Planer: „Wir wollen die Anlage erlebbar machen und weiterentwickeln.“

Die Wallanlagen mit Blick Richtung Bahnhofstraße, etwa in Höhe der Wallstege. Foto: Uwe Plien

Vorgeschlagen wird ein „grünes Band“ als Gestaltungsmerkmal, eine Art Leitfaden entlang des Weges. Ein solches „grünes Band“ könnte den Rundweg vervollständigen und so an unübersichtlichen Stellen die Fußwegeführung kennzeichnen. Es soll demnach als verbindendes Leitsystem am Boden verstanden werden. Über dieses „Band“ erfolge auch die Betonung der wichtigen Eingänge ins Zentrum sowie die Anbindung des Stadtparkes. Das könne mit markanten Pflastersteinen und auch mit „Leitpflanzen“ geschehen. Bestimmte robuste, wenig pflegebedürftige Stauden oder Hecken wie die Feldahornhecke könnten historische Elemente betonen. Die Planer empfehlen auch, mit Natursteinmauern zu arbeiten. Sitzbänke, die sich an die bereits existierenden anlehnten, sind ebenso im Plan berücksichtigt.

Die Klosterkatze – eine alte Verteidigungsanlage – in Höhe der Beguinenstraße ist im Konzept besonders betont. Foto: Uwe Plien

Alle historischen Elemente sollen beschildert werden. Besser noch wäre es, einen „Erzähler“ zu installieren, etwa eine menschliche Silhouette aus Stahl, in die man ein Audiosystem einbaut oder die mit einem QR-Code versehen ist, so dass man Informationen über das Handy abfragen könnte.

Der Pulverturm soll begehbar und erlebbar werden. Foto: Büro Drecker

Neu gestaltet werden sollte der Zuweg zum markanten Ehrenmal „Tor der Toten“ hinter dem St.-Peter-Kindergarten und auch der Parkplatz an der Stelle des ehemaligen Cafés Püttmann. „Den würden wir neu ordnen, ohne dass Stellplätze verloren gehen“, so Fohs. Besondere Aufmerksamkeit wollen die Planer den Überresten der beiden ehemaligen Verteidigungsanlagen „Klosterkatze“ (die Erhöhung im Wall in Höhe der Einmündung Beguinenstraße) und „Wasserkatze“ (das runde Plateau am Kattewall mit Ausblick Richtung Budberg).

Das Büro Drecker schlägt vor, die Punkte der ehemaligen Stadttore durch Stelen oder Skulpturen ähnelnden Elementen zu markieren – auf jeden Fall soll dies am Geldertor (Café Sahnehäubchen) geschehen. „Und wir denken an einen zusätzlichen Zugang zum Stadtpark“, so Fohs. „Wahrscheinlich in Höhe des Trampelpfades.“

Das Stadtburgareal (der Bereich Pulverturm/Alte Kellnerei) soll ebenfalls aufgewertet werden. Der Spielplatz müsste erweitert, die Veranstaltungsfläche am Pulverturm optimiert werden, der Turm selbst soll begeh- und erlebbar werden. Vor der Kellnerei sollen Baumtore stehen. Die Standorte der ehemaligen Stadtburg sollen durch Steinplatten sichtbar gemacht werden.

Die Planer haben die Beleuchtung nicht vergessen. Licht, so sagte es Peter Drecker, sei „die vierte Dimension“. In Rheinberg möchte er eine indirekte Illumination realisieren.

Die Vorstellung fand Anklang, nun wollen sich die Fraktionen erst einmal in Ruhe damit befassen. „Wir müssen das Ganze erst mal sacken lassen“, sagte Ausschussvorsitzender Erich Weisser.