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Rheinberg: Ein großes Kämpferherz: Karin Wolk ist gestorben

Ein großes Kämpferherz : Rheinbergerin Karin Wolk ist gestorben

Der gebürtigen Lübeckerin lagen vor allem sozialpolitische Themen am Herzen. Die Stimme der Grünen-Ratsfrau und Gewerkschafterin war unüberhörbar. Karin Wolk starb wenige Wochen vor ihrem 72. Geburtstag.

Wenn Karin Wolk das Wort ergriff, blieb das nicht ohne Folgen. Als exzellente Rednerin, die sie ohne Zweifel war, rüttelte sie auf, riss mit, begeisterte die einen und provozierte empörte Ablehnung bei anderen. Gleichgültig blieb niemand. Sie hatte noch diese kämpferische Rhetorik der 68er-Generation.

Wenn sie eines ihrer flammenden Plädoyers hielt, brach sich die Gewerkschafterin in ihr Bahn: rotes Käppi, Trillerpfeife, Warnweste an und dann Attacke blasen gegen den Klassenfeind. Zum Beispiel gegen den Online-Riesen Amazon. Als das Unternehmen in Rheinberg wieder einmal deutlich machte, dass es einem Tarifvertrag für die Beschäftigten nicht zustimmen würde, sprang Karin Wolk den Demonstranten bei und rief empört und unüberhörbar „This is not America!“

Karin Wolk war eine Frau mit Überzeugungen. Als es vor ein paar Jahren darum ging, die outgesourcten Reinigungskräfte wieder bei der Stadt anzustellen, war ihr Anteil an dem von SPD, Grünen und Linken durchgesetzten Erfolg nicht zu unterschätzen. Wenn sie loslegte, war sie die unüberhörbare Stimme der kleinen Leute, war die Linksaußen der Kommunalpolitik. Auch wenn sie bei den Grünen und nicht bei den Linken war. Das nervte manchmal und wirkte mitunter wie aus der Zeit gefallen. Aber: Es war authentisch, echt, überzeugend.

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Karin Wolk wurde am 2. Juni 1949 in Lübeck geboren und ist dort auch aufgewachsen. Irgendwann kam sie nach Moers. Sie arbeitete als Gewerkschaftssekretärin bei der ÖTV, später bei Verdi in der Niederlassung am Königlichen Hof. Sie war Friedensaktivistin, antimilitaristisch, antirassistisch und kämpfte in der Frauenbewegung; ein großes Anliegen war ihr die Sozialpolitik, in der sie sich verstärkt auch in der gewerkschaftlichen Tätigkeit für die soziale Gerechtigkeit einsetzte, so auch im Personalrat der Lineg in Moers. Später war sie Regionalleiterin beim DGB.

1988 lernte sie Günter Saar kennen und lieben. Im Schwarzwald war das. Dieser ruhige, zurückhaltende Mann schien auf den ersten Blick gar nicht zu dieser Kämpferin zu passen. Tatsächlich waren die beiden wie füreinander gemacht. Günter Saar war ihr Halt im politischen Wirken – Karin Wolk wurde nicht müde, das stets zu betonen.

Das Paar heiratete erst 2018, es liebte seine Urlaube im Sommer auf einem Campingplatz an der Wied im Westerwald und den Wintersport in Reit im Winkel – dort, wo die Verwandtschaft von Karin Wolk lebt. Dann war sie eine ganz andere. Entspannt, humorvoll, gesellig. 2009, da lebte sie schon in Rheinberg, wurde sie Mitglied bei den Grünen und vertrat die Partei viele Jahre – bis 2020 – im Stadtrat. Vorher, noch in Moers, war sie SPD-Mitglied gewesen.

„Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“: Dieses große Wort von Bertolt Brecht begleitete Karin Wolk durch ihr Leben. Denn kämpfen musste sie nicht nur in der Politik, sondern auch gegen den Krebs.

Vor fast 20 Jahren erwischte die heimtückische Krankheit sie zum ersten Mal. Danach immer wieder. Unterkriegen ließ sich Karin Wolk nie. 2004, rund zwei Jahre nach ihrer ersten Erkrankung, gründete sie die Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“. Karin Wolk ging das Thema voller Optimismus und Zuversicht, mit Mut, Haltung, Kraft und auch mit viel Humor an.

Jetzt ist Karin Wolk, die kleine Frau mit dem großen Kämpferherz, gestorben. Wenige Wochen vor ihrem 72. Geburtstag. Nicht nur im Kreise ihrer Familie und ihrer Parteifreunde wird sie unvergessen bleiben.

Uwe Plien