Rheinberg: Dritter Amplonius-Markt mit Büchern und alten Schulkarten

Trägerverein Altes Rathaus : Büchermarkt weicht dem Regen aus

Beim dritten Amplonius-Markt des Trägervereins Altes Rathaus verkauften 18 Händler Bücher und alte Schulkarten in der Stadthalle.

Ja, Sencan Tasci hat auch Bücher im Angebot. Aber die fallen kaum auf. Wer auf dem Weg in die Stadthalle im Foyer am Stand der stellvertretenden Leiterin des Amplonius-Gymnasiums vorbeikommt, dem fallen zuerst die großen Karten auf. Alte Schulkarten, die bis vor 20, 25 Jahren in Geschichte, Erdkunde oder Biologie als Anschauungsmaterial im Unterricht zum Einsatz kamen – am Anfang des Schuljahres von bestimmten Kartenholern in die Klassen gebracht und dort für de jeweilige Stunde an einem Ständer aufgehängt. „Wir haben noch rund 100 solcher Karten in der Schule“, erzählt Sencan Tasci. „Aber die werden nicht mehr gebraucht und wir haben keinen Platz mehr dafür, deshalb verkaufen wir sie. Demnächst auch bei unserem Adventsmarkt an der Schule.“ Am Sonntag wird die Lehrerin eine alte Moers-Karte schon mal los. Für 25 Euro.

Trotz der nostalgischen Karten über Moskau oder die Evolution der Menschheit dreht sich beim dritten Amplonius-Markt des Trägervereins Altes Rathaus das meiste um Bücher. Diesmal aber nicht im und am Alten Rathaus wie 2018 und 2017, sondern in der Stadthalle. „Wir sind kurzfristig umgezogen, weil das Wetter so mies war“, sagt Susanne Grimm vom Vorstand des Trägervereins, die später um Spenden anstelle fester Standgebühren bittet. Sie freut sich, dass 18 der 21 angefragten Stände schon morgens rasch belegt waren.

Überwiegend sind es Privatleute oder Privatinitiativen, die ihre Bücherkartons ausbreiten und auf Kundschaft hoffen. Valerie Rips etwa ist aus Rheurdt gekommen und freut sich, dass sie rasch etwas los wird und es in ihrer Kasse klingelt. „Ich bin zum ersten Mal hier bei diesem Markt in Rheinberg“, sagt sie und lässt Anerkennung ahnen. „Die Bücher und Hörbücher, die ich anbiete, stammen allesamt aus meinem eigenen Bestand.“

Das ist bei Annelie Gronowski, Anke Leder und Wolfgang Brucksch anders. Das Trio kommt aus der Evangelischen Kirchengemeinde Budberg und hat zuvor um Bücherspenden gebeten. Erfolgreich, wie Brucksch andeutet: „Wir sind mit 20 Bananenkisten hierher gekommen, alle voll mit Büchern.“ Der Erlös fließt dann in die Gemeindearbeit. Auch die zwei Euro von Sabine Heyde. Die Millingerin hat sie in zwei gut erhaltene Bücher investiert: Ferdinand von Schirachs „Der Fall Collini“ und Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“. „Das hat man mir empfohlen“, sagt die freundliche Dame, die zufrieden den Heimweg antritt. Während in den Gängen gestöbert und gefeilscht wird, liest Theo Horster aus Alpsray vorne an der Bühne eine plattdeutsche Geschichte über eine Treibjagd vor. Seine Zuhörerschaft ist klein, aber interessiert. Es gibt auch Musik. Auf der Stadthallenbühne vorgetragen von Schülern – Blas- und Tasteninstrumentalisten – der Freien Musikschule Rosenberger-Pügner. Ohne einen fetten Applaus kommen die Musiker nicht von der Bühne.

Applaus haben auch die Damen des Fördervereins vom St.-Peter-Kindergarten verdient. Sie lesen nichts vor, sie verkaufen keine Bücher und singen auch nicht. Aber sie zaubern wunderbar duftende Waffeln aus den Waffeleisen und setzen dem Amplonius-Markt so das i-Tüpfelchen auf.

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