Rheinberg: Drei Gruppen im Freibad – kein Team

Rheinberg: Kein Teamgeist am Beckenrand

Weil zwei städtische Mitarbeiterinnen längerfristig krank sind, hat die Stadt ein Unternehmen für die Wachdienste am Schwimmerbecken eingekauft. Die DLRG-Ortsgruppe Rheinberg, seit Jahrzehnten im Underberg-Freibad engagiert, fühlt sich dadurch zurückgesetzt.

Der Sommer 2018 bricht alle Rekorde. Wochenlang Hitze, Hitze, Hitze. Ganz klar, dass das Underberg-Freibad die Anlaufstelle Nummer eins für alle ist, die in Rheinberg Abkühlung suchen. Bisher kamen in dieser Saison schon knapp 35.000 Badegäste. Zum Vergleich: 2017 waren es insgesamt 15.839.

Für das eingesetzte Personal im Freibad bedeutet der Dauersommer harte Arbeit. Tag für Tag müssen die Wachgänger am Beckenrand ohne Pause hochkonzentriert sein und gut aufpassen, dass nichts passiert. Allerdings laufe atmosphärisch nicht alles so, wie es sollte, erzählen Gilbert Delaporte, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Rheinberg, und Jens Gallois, Leiter der Verbandskommunikation. „Seit mehr als 30 Jahren ist die DLRG für den Wachdienst im Freibad zuständig. Und immer haben wir dafür gesorgt, dass genügend gut ausgebildete Rettungsschwimmer zur Verfügung stehen. Unsere eigenen Mitglieder aus Rheinberg, aber auch Kollegen aus Alpen, Xanten, Rheinkamp oder Moers.“ Gallois: „In dieser Saison haben wir 18 Leute, alles erfahrene Rettungsschwimmer, die auch für den Sanitätsdienst ausgebildet sind.“

Vor diesem Hintergrund können die DLRG-ler nicht verstehen, dass die Stadt ihnen in dieser Saison das Rheurdter Unternehmen „Bäder-Personal Sascha Vollmar“ an die Seite gestellt hat. Delaporte: „Eine Firma, die bis vor kurzem den Wachdienst am großen Schwimmbecken erledigt hat, wo bisher wir immer zuständig waren. Wir als DLRG passten nur noch am Nichtschwimmerbecken auf.“ Erst nach einem medizinischen Notfall Ende Juni, bei dem DLRG-Retter einem Schwimmer möglicherweise lebensrettende Hilfe leisteten, durften die Rheinberger zurück an ihren Beckenrand. Sauer aufgestoßen sei der Abzug den Ehrenamtlichen, die für ihre Leistung eine Aufwandsentschädigung erhalten, weil die Stadtverwaltung sie über diese Neuerung nicht in Kenntnis gesetzt habe. Gallois und Delaporte sagen: „Das haben wir schon persönlich genommen. Die Stadt denkt, wir seien hier ein Team, aber so ist das nicht. Es gibt drei Gruppen – Bäder-Personal, die städtischen Schwimmmeister und die DLRG – und jeder macht sein Ding. Mit Team ist da nicht viel.“

Jens Gallois (Verbandskommunikation), Melanie Glauer (stellvertretende
Jens Gallois (Verbandskommunikation), Melanie Glauer (stellvertretende Geschäftsführerin) und Gilbert Delaporte (1. Vorsitzender, mit Hut). Foto: Uwe Plien
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Jens Gallois: „Wir DLRG-ler funktionieren sehr gut als Team. Das hat sich über viele Jahre eingespielt. Die Badegäste kennen uns und wir kennen viele von ihnen. Und wenn nicht, dann sind wir durch unsere rot-gelben Shirts mit DLRG-Aufdruck für jeden erkennbar. Das ist bei anderen nicht immer der Fall.“ Gilbert Delaporte nennt ein anderes Pfund, mit dem die DLRG wuchern kann: „Unsere Wachgänger leisten 1800 bis 2800 Stunden im Freibad. Das ersetzt fünf Arbeitsplätze für die Stadt.“

Bürgermeister Frank Tatzel will nun vermitteln und dazu beitragen, dass sich die Wogen glätten. „Wir wissen das Engagement und die Leistungsfähigkeit der DLRG sehr zu schätzen“, sagt er. „Der diesjährige Einsatz eines Schwimmmeisterservices während der Freibadsaison erfolgt aufgrund der Tatsache, dass zwei Mitarbeiterinnen längerfristig erkrankt sind. Nur diese Stunden werden durch die externen Kräfte abgedeckt, um den gesetzlichen und organisatorischen Vorgaben zur Sicherstellung des Badebetriebes Genüge zu tun.“ In der Vergangenheit sei es an besucherstarken Tagen wiederholt zu Personalengpässen bei den hauptamtlichen Kräften gekommen. „Die eingesetzten Mitarbeiter dienen somit nicht dem Ersatz der DLRG-Kräfte“, so Tatzel. Die Kosten für die externen Kräfte liegen bei rund 15.000 Euro.