Rheinberg DLB Baumschnitt außerhalb der Brutzeit

Rheinberg : Streit um Baumschnitt in der Brutzeit

Vogelkundler Johannes Schwerdt wirft Stadt und Kreis vor, beim Naturschutz nicht genau genug hinzuschauen.

Nachtigallen und andere Singvogelarten haben sich seit einiger Zeit am Hammweg in Budberg niedergelassen und erfreuen dort mit ihrem Gezwitscher die Menschen. Genau dort habe allerdings der Dienstleistungsbetrieb (DLB) noch im April vergangenen Jahres und damit nach Beginn der gesetzlich geschützten Brutzeit Baum- und Gehölzschnittmaßnahmen durchgeführt und damit das Tierwohl gefährdet, beklagt Naturfreund Johannes Schwerdt aus Alpsray (die RP berichtete). Das macht ihn richtig sauer. „Damit wurde schlicht und einfach das Bundesnaturschutzgesetz missachtet“, ärgert sich der Amateur-Ornithologe. Das Gesetz untersagt Fällungen und Schnitte bei der Baum- und Gehölzpflege nach dem 1. März, um den Tierschutz zu gewährleisten.

Holger Beck, Leiter des Dienstleistungsbetriebs (DLB), hatte im Frühjahr 2018 auf Nachfrage der RP argumentiert, dass zwar nach Beginn der Brutzeit geschnitten, aber „alle Maßnahmen unter Beachtung des Natur- und Artenschutz“ ausgeführt worden seien.

Diese Kompetenz spricht Johannes Schwerdt den DLB-Mitarbeitern jedoch ab. „Begutachtende Experten“ gebe es seiner Ansicht nach nicht im DLB, der wohl weder „fachkundige Biologen noch Fachleute“ beschäftige. Dem widerspricht Holger Beck nun auf erneute Anfrage dieser Redaktion vehement. Allein vier Gärtnermeister zählten zum DLB-Team, einer davon sei zuvor in einer Baumschule tätig gewesen. Die Baumkontrolleure seien zertifiziert, die Baumpflegetruppe in Sachen Umwelt-, Natur- und Artenschutz durch zahlreiche Schulungen und Weiterbildungen sehr gut ausgebildet. „Das sind qualifizierte Facharbeiter, die sehr wohl wissen, was sie tun“, betont der DLB-Leiter. Hätten seine Leute auch nur den leisesten Zweifel an der Richtigkeit beauftragter Schneide- oder Pflegearbeiten, würden selbst geplante und genehmigte Maßnahmen zurückgestellt.

Grundsätzlich sind Kommunen nicht verpflichtet, für Arbeiten nach dem 1. März die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde einzuholen. Einzige Ausnahme: Es handelt sich um die Pflege von Hecken oder um Arbeiten mit besonderer artenschutzrechtlicher Relevanz wie bei Nestern oder Baumhöhlen. Zumeist erfragen die Kommunen die Relevanz der geplanten Maßnahme und stimmen das Vorgehen mit dem Kreis ab. Ob das im Fall Hammweg in Budberg auch geschehen ist, lässt sich allerdings nicht mehr nachvollziehen. „Derartige Anfragen werden nicht dokumentiert“, heißt es beim Kreis.

Johannes Schwerdt geht noch einen Schritt weiter. Er hegt sogar den Verdacht, dass auch der Kreis Wesel als Untere Naturschutzbehörde das Tierschutzgesetz nur halbherzig durchsetze und einen „lockeren Umgang“ damit pflege. „Das lässt auch mal Gesetzesverstöße zu“, mutmaßt Schwerdt und fordert: „Es wird Zeit, dass die Untere Naturschutzbehörde baldmöglichst eine Kontrollfunktion ausübt.“ Die könne allerdings nur in besonderen Einzelfällen wahrgenommen werden, erwidert darauf der Kreis Wesel.

Es seien jetzt noch zwei Monate bis zum Beginn der Brutzeit – genügend Zeit, alle notwendigen Maßnahmen durchzuführen, argumentiert der Ornithologe Schwerdt. Sollte dies nicht geschehen, sieht er die Obere Landschaftsbehörde in der Pflicht. Schwerdt will in der Sache auf jeden Fall am Ball bleiben.

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